Der Hoherodskopf bildet den Hauptanziehungspunkt im Vogelsberg. Motivierend dürften vor allem touristische Einrichtungen wie eine Sommerrodelbahn und der Baumwipfelpfad sein. Der ideelle Mittelpunkt ist eine Erhebung weiter zu suchen: das zentrale Ehrenmal des 1881 gegründeten Wander- und Kulturvereins Vogelsberger Höhenclub auf der Herchenhainer Höhe. Am Himmelfahrtstag vor 100 Jahren wurde der Kubus aus seltenem Basalttuff eingeweiht. Ursprünglich diente die Stätte dem Gedenken der im Ersten Weltkrieg gefallenen Clubmitglieder. Unterdessen erinnert man an alle Kriegsopfer auf der 733 Meter messenden Höhe.
Eines weiteren Ereignisses will in diesem Jahr gedacht sein, an dem der Höhenclub maßgeblich beteiligt war und ist. Ohne die infrastrukturelle Vorarbeit, also die Erschließung der bis dahin eher abgeschiedenen Gebirgsregion mit Aussichtstürmen, Unterkünften und Wanderwegen, wäre es vermutlich nicht zur Gründung des Naturparks Vogelsberg vor 70 Jahren gekommen – als erstem in Deutschland. Der Grundgedanke, Naturschutz mit Naherholung bei Bewahren der Kulturlandschaft zu verbinden, erwies sich als derart tragfähig, dass heute mehr als 100 Naturparks gut ein Viertel der Gesamtfläche einnehmen – in Hessen sogar ein Drittel.

Mit nur wenigen Hauptamtlichen gilt es, Parkplätze, Rast- und Freizeiteinrichtungen zu unterhalten. Hinzu kommt ein „Naturgarten“ in der Burgruine Ulrichstein und die Pflege der 160 Kilometer langen Fernwanderstrecke „Vulkanring“, die vor 20 Jahren geschaffen wurde, seit man als „Vulkanregion“ firmiert. Die Pflege des Gesamtwegenetzes unterliegt dem Höhenclub; strukturelle Schwierigkeiten mangels Nachwuchs sind aber nicht zu übersehen. Mit externer Hilfe ließ sich zum Doppeljubiläum jedoch die Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahre fortschreiben.
Ohne die Unterstützung von Gemeinden, extern wirtschaftender Bauern und Ehrenamtlicher könnten nicht über weite Gebiete zwischen Hoherodskopf und Herchenhainer Höhe die Bergwiesen geschützt werden. Außerdem beteiligen sich mehrere Handelsgesellschaften, die unter dem Motto „Nähe ist gut“ für regionale Produkte werben. Sie finanzieren die Beschilderung eines neun Kilometer langen „Bergmähwiesen-Pfads“ im Westen der Großgemeinde Grebenhain. Aufwendige Schautafeln stellen die Bedeutung der Landschaftsform heraus. Was auf die Viehzucht zurückgeht, wird trotz ihrer Rückläufigkeit weitergeführt, um mit Erhalt der Kulturlandschaft auch der auf Offenland spezialisierten Flora und Fauna Lebensraum zu ermöglichen.
An der Entscheidung zugunsten der Artenvielfalt dürfte die Ästhetik farbenfroher Wiesen ihren Anteil haben. Demnach kommen auf 25 Quadratmetern bis zu 60 Pflanzengattungen, etwa Arnika, Goldhafer, Weicher Pippau und verschiedene Orchideen. Werden Insekten und Bodenbrüter addiert, steht dem Grünland das Prädikat eines der wertvollsten Naturrefugien Mitteleuropas zu.
Wegbeschreibung
Für den Einstieg in den „Bergmähwiesen-Pfad“ sind zwei Zugänge vorgesehen. Der obere nahe Herchenhain fungiert als Haupttor, wo auch ein kürzerer „Familien-Pfad“ beginnt. Der untere bei Hartmannshain liegt verkehrstechnisch günstiger neben der Bundesstraße 275 in Höhe des Abzweigs Herchenhain. Dort hält auch der Bus. Für eine verlängerte Runde über das Geotop Alte Burg ist er die einzige Wahl. An beiden Startpunkten gibt es Parkplätze.
Vor Hartmannshain begleitet man nach rechts etwa 300 Meter lang die Straße, um am Ortsausgang links das grüne Emblem des „Bergmähwiesen-Pfads“ aufzunehmen. Es führt kurz an einem Neubaugebiet entlang und findet dann halbrechts ansteigend hinaus. Nach zwei Richtungsänderungen, erst links, dann rechts, stößt man 300 Meter weiter auf eine Kreuzung. Der Mähpfad führt jenseits davon unverändert bergauf. Oben beschreibt er eine Schleife unter Bäumen, um die Felsformation der Bonifatiuskanzel und das Ehrenmal einzubeziehen. Die kann auch ausgelassen werden.
Um tiefer in den Wald vorzudringen, bietet sich hinter der Kreuzung eine erweiterte Runde an. Hierfür stehen nach rechts die Zeichen gelber Ring und rotes Dreieck bereit. Sogleich bieten sich großartige Ausblicke über die gesamte Bergkette der Rhön, bevor dicht gewirkter Wald einsetzt. 400 Meter weiter muss man sich auf einen abermaligen Wechsel einstellen: Es geht nach links mit dem gelbem und rot-weißem Strich, was nichts am permanenten Anstieg ändert. Zu beachten ist nach 500 Metern der spitzwinklige Schwenk links zu einer Serpentine und nach weiteren 800 Metern das Rechtsabbiegen auf einen unscheinbaren Pfad. Der endet oben fast genau vor der Bonifatiuskanzel.
Mit dem fortan relevanten Bergmähwiesen-Pfad wird der Basaltzug auf ganzer Länge passiert, dann geht es durch eine Linkskurve und unter Fichten hinüber zur Herchenhainer Höhe. Der rötliche Block hat seit der Aufforstung etwas von seiner Erhabenheit eingebüßt, das gilt aber nicht für das Sichtfeld vom nahen Waldrand. Flankiert von zwei damals aufgestellten Säulen für „Heimatliebe und Wanderlust“, eröffnet sich über blumenreiche Wiesen ein großartiges Panorama bis Frankfurt und den Taunus.

Vor den Bäumen wendet man sich nach rechts zur vorderen Ecke, womit ein längerer Abstieg auf einem holprigen Pfad zwischen windzerzausten Bäumen und Sträuchern beginnt. Wenn das Dickicht zurückbleibt, wird die Blumenpracht immer farbiger. Soweit das Auge reicht, wogen hohe Gräser im Wind. Selbst auf den Mittelstreifen der Wege wachsen sie, während die Fahrspuren, wie auch kleinste Flächen um Bänke und Sitzgruppen, von Bewuchs freigehalten werden.
Ebener geht es halbrechts in eine Senke und mit Rechtsbogen wieder hinauf zum Queren der Landstraße über einen hölzernen Steg nahe Herchenhain. Auf der anderen Seite beginnt der Aufstieg parallel zum naturgeschützten Ernstberg. Am oberen Absatz lädt eine Hütte zu Rast und Aussicht, verbunden mit der Frage: den Mähpfad fortsetzen oder via Alte Burg in dunkle Wälder vordringen? Bei dieser Variante lässt sich einer 1200 Meter langen Passage auf dem Vulkan-Radweg nicht ausweichen. Darf es der Mähpfad sein, ist auch hier ein kurzer Abschnitt über Asphalt unvermeidlich, dann geht es rechts durch Felder und das Meer der Blumen. Als sollte keine ausgelassen werden, biegt der markierte Weg mehrfach ab, ehe er nach Kreuzen der Bundesstraße auf einem Pfad neben dem Vulkan-Radweg bis Hartmannshain begleitet.
Bei der ausholenden Runde orientiert man sich an der Ernstberg-Schutzhütte rechts zum Emblem N 5 (gelb), das kurz danach vor einem Wellblechbau in den begrasten Feldweg weist. Unten geht es nach rechts mit dem gelbem Kreuz und rotem Dreieck. Der ebene Wirtschaftsweg führt dem Wald entgegen. An der Gabelung nach rechts und dann läuft man 500 Meter weiter geradeaus bis zu einem Richtungspfosten. Er zeigt den Abstecher zur Blockhalde Alte Burg an, deren Abrutschen quer liegende Stämme zu verhindern scheinen.
Retour lässt man sich vom Vulkanring – zwei V, grün und rot – rechts in den Hang gen Grebenhain einweisen. Der eigentliche Gipfelpunkt der Alten Burg ist recht unspektakulär. Aufregender sind die nachfolgenden Wälder. Zunächst führt die Markierung bei zweimaligen Abbiegen durch verfilzten Jungwald, dem sich eine Reihe mächtiger Douglasien – kurz danach halblinks – und ihnen wiederum ein abschüssiger Pfad unter dunklem Blätterdach anschließen.
Mögen Dämmerung und das rutschige Geläuf Zweifel am richtigen Weg aufkommen lassen – das doppelte V leitet sicher hindurch. Spätestens wenn die Bundesstraße zu vernehmen ist, weiß man den Vulkan-Radweg in der Nähe. Ihm fädelt man sich nach links ein und läuft auf dem früheren Bahndamm in weitem Rechtsbogen zurück. Jenseits der zu querenden Bundesstraße erlaubt der Mähpfad, dem Asphalt bis knapp vor Hartmannshain auszuweichen. Am Ortsrand liegt das „Tor zum Vogelsberg“ eines der letzten 1899 eröffneten Traditionsgasthäuser der Region.
Anfahrt
Von Friedberg über die B 275 in Richtung Gedern und weiter bis Grebenhain-Hartmannshain. Stündlich gibt es alternierend Bahn-/Busverbindungen entweder via Wächtersbach oder Bad Vilbel und Glauburg-Stockheim.
Sehenswert
Das Hauptmerkmal des Vogelsbergs sind gleichermaßen offene wie bewaldete Hochlagen mit zahlreichen, vulkanbedingten Geotopen wie der Alten Burg und der Bonifatiuskanzel nahe der 733 Meter hohen Herchenhainer Höhe. Dort wurde 1926 das zentrale Gedenk- und Ehrenmal des 1881 gegründeten Vogelsberger Höhenclubs errichtet. Der quadratische Block besteht aus seltenem Basalttuff.
Der vorherrschende Basalt erlaubte kaum mehr als Viehwirtschaft, die ein entsprechendes Landschaftsbild aus Weiden, Lesesteinen und Hutebäumen schuf. Trotz rückläufiger Tierzucht bewahrt man diese gewachsene Kulturform als Lebensraum bestandsgefährdeter Flora und Fauna. Bis zur Mahd im Frühsommer ist es ein Erlebnis, durch die blumenbunten Weiden zu laufen. Um Hartmannshain und Herchenhain erschließt sie ein aufwendig gestalteter „Bergmähwiesen-Pfad“.
