Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kyjiw in der Nacht mit einem der längsten Luftangriffe seit Beginn des Krieges überzogen. Mehrere Medien berichten übereinstimmend, dass mindestens fünf Menschen getötet wurden. Als Quelle werden lokale Behörden und Kyjiws Bürgermeister Vitali Klitschko genannt. Weitere mindestens 40 Menschen wurden demnach verletzt. Es wird befürchtet, dass unter den Trümmern weitere tote Menschen liegen.
Nach Angaben von Klitschko wurde Kyjiw mit Drohnen und ballistischen Raketen angegriffen. Klitschko rief die Bewohnerinnen und Bewohner auf, Schutz zu suchen. Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten von mehreren Explosionen und dem Einsatz der Flugabwehr.
Angriffe bis in den äußersten Westen
Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb auf der Plattform X von mehr als 670 Kampfdrohnen und 56 Raketen, die in der Nacht auf die Ukraine abgefeuert worden seien, darunter ballistische, aeroballistische und Marschflugkörper. Hauptziel sei Kyjiw gewesen, wo an 20 Orten Schäden entstanden seien, unter anderem an Wohnhäusern, einer Schule und einer Tierklinik. Allerdings seien auch Krementschuk und der Hafenort Tschornomorsk getroffen worden.
Bereits am Mittwoch hatte die russische Armee tagsüber mit mehr als 800 Drohnen angegriffen. Selenskyj sprach von mindestens sechs Toten und Dutzenden Verletzten und bezeichnete die Angriffe als »Terror«. Die Angriffe trafen Ziele bis in die Transkarpatien im äußersten Westen; die Slowakei schloss zeitweise ihre Grenzübergänge zur Ukraine. Am Abend meldete die ukrainische Luftwaffe den Einschlag einer russischen Hyperschallrakete vom Typ Kinschal nahe der Luftwaffenbasis Starokostjantyniw.
Zusammenhang zu Trump-Besuch in China?
Selenskyj brachte den Zeitpunkt der Angriffswelle mit dem Besuch von US-Präsident Donald Trump in China in Verbindung. Er hatte zuvor die Hoffnung geäußert, Trump werde auf Xi einwirken, um die chinesische Unterstützung für den russischen Angriffskrieg zu beenden.
Es ist sicherlich kein Zufall, dass einer der längsten massiven russischen Angriffe gegen die Ukraine gerade zu dem Zeitpunkt stattfand, als der Präsident der Vereinigten Staaten zu einem Besuch in China eintraf – einem Besuch, von dem sich viele viel versprechen.
Die nächtlichen Angriffe folgen auf eine dreitägige Feuerpause von Samstag bis Montag, während der Präsident Wladimir Putin in Moskau eine Parade zum Weltkriegsgedenken abhielt. Am Dienstag ließ Putin demonstrativ einen Test der neuen Interkontinentalrakete RS-28 Sarmat vermelden, deren Einsatzbereitschaft jedoch bereits in früheren Jahren behauptet worden war.
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