Mit einem Appell für ein intensiveres Miteinander aller Christen hat der 104. Deutsche Katholikentag in Würzburg begonnen. Er sei mehr denn je der Überzeugung, «dass wir Christen nicht nur zusammengehören», sondern dass man das auch erlebbar machen müsse, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zur Eröffnung der Großveranstaltung vor der Würzburger Residenz. «Festigen wir hier in Würzburg weiter diese Zusammenarbeit.» Er wünsche sich: «Mehr Ökumene wagen!»
Unter ein Dach «verkrümeln»? Steinmeier hält dagegen
Weiter sagte er: «Ich glaube, nicht nur ich, viele begegnen in diesen aufgewühlten Zeiten immer häufiger Menschen, die müde geworden sind, die sich am liebsten irgendwo fallen lassen oder sich unter irgendein schützendes Dach verkrümeln möchten. Unsere Gegenwart und ihre immer schneller aufeinander nachfolgenden schlimmen Nachrichten haben viele erschöpft und passiv werden lassen.»
Viele hätten das Gefühl, die Zukunft könne nur düster sein. Er halte dagegen: «Wir müssen aufhören, uns selbst in die Ohnmacht und das Land in den Abgrund zu reden.»
Gerade Christen müssten «aufstehen gegen die täglich neu befeuerte Weltuntergangsstimmung, gegen die Vorstellung einer Welt ohne Hoffnung und Zuversicht. Eine Welt ohne Hoffnung und ohne Zuversicht, das ist nicht unsere Welt», rief er den Menschen auf dem Platz zu, die bei Regen und Gewitter die Eröffnung des Katholikentags feierten.
900 Veranstaltungen geplant
In Würzburg stehen um die 900 Programmpunkte an, darunter Konzerte, Ausstellungen, Gottesdienste, vertrauliche Gespräche in kleiner Runde, Mitmach-Aktionen, Literatur, Theater, Kunstprojekte und vieles mehr.
Katholikentage werden vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), das die katholische Zivilgesellschaft in Deutschland vertritt, und dem örtlichen Bistum veranstaltet.
ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp sagte kurz vor der Eröffnung, es sei Auftrag von Christinnen und Christen, «nicht hinter Kirchentüren zu verschwinden». Das Leitwort des Treffens – «Hab Mut, steh auf!» – bedeute: «Wir müssen uns einmischen.» Eine Kirche, die sich zur Menschenwürde und zur Solidarität bekenne, sei eine politische Kirche.
Bis zum Sonntag werden Zehntausende Gäste in der Mainstadt erwartet, darunter viele bekannte Gesichter aus Politik und Gesellschaft.
Merz und Klöckner zu Gast
In den kommenden Tagen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, mit Repräsentanten der katholischen Kirche, aber auch mit deren Kritikern, ins Gespräch zu kommen. Neben der Ökumene wird es unter anderem um die Dauerthemen sexueller Missbrauch und Frauen in der Kirche gehen. Gesellschaftspolitische Fragen werden auf Podien diskutiert – mit dabei etwa Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (beide CDU).
Nach Angaben der Stadt Würzburg sind rund um den Katholikentag auch eine Reihe von Demonstrationen und Kundgebungen angemeldet. Eine Demo richtet sich demnach gegen den Auftritt von Kanzler Merz, zudem planen katholische Reformkräfte eine Menschenkette.
Um die 30.000 Tickets verkauft
Etwa 30.000 Tickets sind dem Veranstalter zufolge bereits verkauft, noch einmal so viele Menschen werden erwartet, die die Angebote ohne kostenpflichtigen Eintritt wahrnehmen.
Leitwort «Hab Mut, steh auf!»
Das Leitwort für die Veranstaltung in Würzburg ist «Hab Mut, steh auf!». Der nächste Katholikentag findet in zwei Jahren im nordrhein-westfälischen Paderborn statt.
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