
In der Laborbranche bahnt sich eine Milliardentransaktion an. Der französische Finanzinvestor Ardian hat Gebote für die deutsche Diagnostikkette GBA eingesammelt. Am Dienstag lief nach F.A.Z.-Informationen die Frist für unverbindliche Offerten ab. Der Gesamtwert des Unternehmens werde dabei auf deutlich mehr als eine Milliarde Euro taxiert, ist in Finanzkreisen zu hören.
GBA ist einer der bekanntesten Branchenvertreter neben der Laborkette Synlab, die einige Jahre lang an der Börse notiert war und inzwischen wieder in die Hand von Private Equity zurückgekehrt ist. Ardian hat für den GBA-Verkauf die Investmentbanken Macquarie und Morgan Stanley mandatiert. Die Beteiligungsgesellschaft lehnte auf Anfrage eine Stellungnahme ab.
GBA beschäftigt 3500 Mitarbeiter und analysiert Proben für Pharma, Kosmetika, Chemie, Lebensmittel, Trinkwasser und Umwelt. Die Gruppe wurde 1989 gegründet und liegt seit vielen Jahren in den Händen von Beteiligungsgesellschaften. Adiuva Capital verkaufte sie 2011 an die Beteiligungsgesellschaft Quadriga, die GBA 2021 wiederum an Ardian weiterreichte. Quadriga blieb laut damaliger Mitteilung über eine Rückbeteiligung Ko-Eigner.
Die Transaktion fiel in eine Zeit, als deutsche Labordienstleister besonders begehrte Handelsobjekte waren. Synlab, das sich als größte klinische Laborkette Europas ansah, bereitete in jener Zeit einen milliardenschweren Börsengang vor. Inzwischen ist der Konzern schon wieder vom öffentlichen Markt genommen.
Laborketten: begehrte Handelsobjekte
2021 war auch ein besonders reges Jahr für Fusionen und Übernahmen; Auktionen wurden gelegentlich sogar vorzeitig im Zuge „Präemptiver Offerten“ beendet: Ein Bieter preschte dann so früh und mit einer solch attraktiven Offerte vor, dass der Eigentümer die Versteigerung aussetzte – und im Eilverfahren mit dem Edel-Bieter außer der Reihe ins Geschäft kam. Investmentbanker nannten GBA damals als ein Beispiel, daneben die Klinikkette Ameos und den Küchenspülen-Anbieter Schock.
In der nächsten Transaktion könnte GBA laut Insidern an einen Investor gehen, der das Unternehmen alleinstehend weiterführt, oder an eine Partei, die schon in der Branche aktiv ist. GBA liefert nach eigenen Angaben Laboranalytik, Datenmanagement und spezielle Logistikdienstleistungen im Zusammenhang mit klinischen Studien und berät private Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. Im Markt ist zu hören, der Umsatz für das laufende Jahr werde mit 330 Millionen Euro prognostiziert und das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in der Größenordnung von 90 Millionen Euro.
