Im Falle einer von der AfD geführten Regierung in Sachsen-Anhalt könnte nach Ansicht von Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) ein »Schulsterben« in dem Bundesland bevorstehen. »Die AfD will auch die Schulpflicht abschaffen. Gerade auf dem Land wird das ein Schulsterben auslösen, wie wir es noch nie erlebt haben«, sagte Schulze dem Nachrichtenmagazin Focus. In Dörfern brauche es bei der Einschulung 15 Kinder pro Klasse. »Wenn beispielsweise zwei Kinder von den Eltern nicht mehr in die Schule geschickt werden, müssen die Klassen dichtmachen«, sagte Schulze.
In ihrem Wahlprogramm spricht sich die AfD in Sachsen-Anhalt für eine Wahlfreiheit zwischen Schulunterricht und Unterricht zuhause aus. Voraussetzung soll sein, dass bei letzterem die gleichen Qualitätsstandards erfüllt werden. Um das sicherzustellen, soll es eine halbjährliche zentrale Prüfung geben.
Die AfD plant darüber hinaus auch andere weitreichende Änderungen am Bildungssystem in Sachsen-Anhalt. So will die Partei eine Quote für den Zugang zum Gymnasium einführen, der zufolge nur die besten 25 Prozent eines Jahrgangs auf ein Gymnasium wechseln dürfen. Schulze lehnte diesen Plan ab. »Ich werde es nicht zulassen, dass nicht mehr wie bisher die Leistung, sondern eine von der AfD vorgegebene Quote darüber entscheidet, welche Schule unsere Kinder besuchen«, sagte der Ministerpräsident. »Ich selbst wäre unter solchen Bedingungen übrigens heute nicht Ministerpräsident geworden, weil ich in der Grundschule trotz guter Noten nicht zu den besten 25 Prozent gehörte.«
Schulze warnte auch, dass andere Bundesländer das Abitur aus Sachsen-Anhalt möglicherweise nicht mehr anerkennen könnten. »Laut Wahlprogramm möchte die AfD die Lehrpläne zentral aus der Staatskanzlei heraus komplett umgestalten«, sagte Schulze. »Wenn sich ein Bundesland derart vom Rest Deutschlands abkoppelt – warum sollte dann etwa München oder Hamburg dieses Abitur noch problemlos akzeptieren?«
Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. In aktuellen Umfragen führt die AfD mit 41 Prozent deutlich vor der CDU von Ministerpräsident Schulze mit 26 Prozent. Der Landesverfassungsschutz hat die AfD in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistisch eingestuft.
