
Donald Trumps Politik rund um Künstliche Intelligenz zielte bislang vor allem darauf ab, der Technologiebranche weitgehende Freiheit zu lassen und sie möglichst wenig zu regulieren. Schon am Tag seiner Vereidigung im vergangenen Jahr hob er ein Dekret seines Vorgängers Joe Biden auf, das die Entwicklung von Sicherheitsstandards rund um KI vorschrieb. Er hat auch wiederholt versucht, KI-Regulierung auf der Ebene amerikanischer Bundesstaaten zu verhindern.
Nun scheint er seinen Kurs zu ändern. Nach einem Bericht der „New York Times“ gibt es im Weißen Haus Überlegungen, eine staatliche KI-Aufsicht einzuführen. Dabei sei angedacht, dass neue KI-Modelle künftig vor ihrer Veröffentlichung von der Regierung geprüft werden. Derzeit werde ein Dekret zur Gründung einer Arbeitsgruppe diskutiert, in der Vertreter der Regierung und der Technologieindustrie die Pläne für die Umsetzung einer solchen Aufsicht entwickeln sollen. In der vergangenen Woche habe es schon Gespräche zwischen Regierungsmitgliedern und Managern von Unternehmen wie Anthropic, Google und Open AI dazu gegeben.
Wahlkampfthema KI
Trumps Kehrtwende wird in dem Bericht mit zwei Punkten in Verbindung gebracht: einer zunehmend KI-kritischen Haltung in der amerikanischen Bevölkerung sowie einem neuen KI-Modell von Anthropic, das Sicherheitssorgen geweckt hat. Umfragen legen den Schluss nahe, dass sich in den USA Unbehagen über etwaige Schattenseiten von KI breit macht, also zum Beispiel die Auswirkungen auf Arbeitsplätze oder Energiepreise. In einer Studie des Pew Research Center bewerteten 57 Prozent der Befragten die gesellschaftlichen Risiken von KI als hoch, aber nur 25 Prozent den Nutzen. In einer Umfrage der Quinnipiac University sagten 74 Prozent der Teilnehmer, es gebe zu wenig staatliche Regulierung von KI-Technologien. Es zeichnet sich schon jetzt ab, dass KI auch bei den Kongresswahlen im November eine größere Rolle spielen könnte. Mehrere Kandidaten haben die Regulierung dieser Technologien in ihren Wahlkämpfen zum Thema gemacht.
Das neue KI-Modell von Anthropic, das die Regierung beunruhigt, heißt Mythos. Es ist offenbar sehr gut darin, Sicherheitslücken in Software zu finden und auszunutzen, was es sehr wertvoll für Hacker machen könnte. Anthropic will es daher erst einmal nicht für die breite Öffentlichkeit verfügbar machen, sondern nur für einen kleinen Kreis von Technologieunternehmen. Anthropic-Vorstandschef Dario Amodei war kürzlich zu Gesprächen über Mythos im Weißen Haus, an denen unter anderem Finanzminister Scott Bessent und Stabschefin Susie Wiles teilgenommen haben.
Vereinbarungen mit Technologiekonzernen
Dies kommt in einer Zeit, in der sich die Regierung auch einen Streit mit Anthropic um die Frage liefert, für welche Zwecke sie KI-Modelle des Unternehmens verwenden darf. Anthropic besteht auf mehreren Restriktionen, zum Beispiel, dass seine Technologien nicht zur Entwicklung vollständig autonomer Waffensysteme genutzt werden dürfen.
Parallel zu etwaigen Plänen für ein KI-Dekret von Trump kündigte am Dienstag das zum Wirtschaftsministerium gehörende Center for AI Standards and Innovation Vereinbarungen mit Google, Microsoft und X.AI an. Demnach stimmten diese Unternehmen zu, der Behörde ihre KI-Modelle vor der Veröffentlichung zur Prüfung zur Verfügung zu stellen. Chris Fall, der Direktor der Behörde, sagte, eine solche Prüfung der Technologien sei notwendig, um deren „Implikationen für die nationale Sicherheit“ zu verstehen. Ähnliche Abkommen hat die Behörde schon 2024 unter Trumps Vorgänger Joe Biden mit Anthropic und Open AI geschlossen.
Der Kurswechsel in Trumps KI-Politik kommt nach einer größeren personellen Veränderung im Weißen Haus. Der Unternehmer und Investor David Sacks, ein Verfechter einer lockeren Regulierungspolitik, hat im März seinen Posten als oberster KI-Berater Trumps niedergelegt. Der „New York Times“ zufolge wurden seine Aufgaben von Bessent und Wiles übernommen. Sacks behält weiterhin eine beratende Rolle. Er warnt öffentlich vor übermäßiger Regulierung von KI-Technologien. Vor wenigen Tagen schrieb er auf der Plattform X mit Blick auf die hohen Investitionen der Branche in KI-Infrastruktur: „Umfragen mögen zeigen, dass KI nicht beliebt ist, aber Wirtschaftswachstum ist es schon. Den Fortschritt in der KI zu stoppen, wäre jetzt gleichbedeutend damit, die amerikanische Wirtschaft zum Stillstand zu bringen.“
