
Urlauber, die über Athen in ihre Ferienorte reisen oder die griechische Hauptstadt besichtigen, wird es wohl nur selten in den Vorort Kaisariani verschlagen. Vielleicht fahren sie auf dem Weg zum Hafen Piräus durch oder umgekehrt auf dem Weg vom Hafen zur Akropolis. Die wenigsten werden wissen, dass die deutsche Wehrmacht dort an einem Schießstand zwischen 1941 und 1944 Hunderte Einwohner erschoss, im Mai 1944 etwa als „Vergeltung“ für den Tod von vier Wehrmachtssoldaten in Südgriechenland. Die Massaker sind in Deutschland, wie so viele andere an so vielen Orten in Europa, kaum (noch) bekannt.
Jungen und auch nicht mehr ganz so jungen Menschen in Deutschland erscheint diese Vergangenheit fern, manche machen sogar vermeintlich „witzige“ Sprüche darüber. In Griechenland hingegen weiß so gut wie jeder, was sich in Kaisariani zutrug. Dort leben noch Menschen, die damals ihre Eltern, Großeltern oder andere Verwandte verloren.
Wie sehr für sie die Vergangenheit Gegenwart ist, zeigte kurz vor der Reise des deutschen Außenministers Johann Wadephul ein heftiger Streit über bisher unbekannte Fotos eines dieser Massaker und eine dazu anberaumte Diskussionsveranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Vielleicht spielte in der Auseinandersetzung auch eine aufgeregte, in Teilen hetzerische Berichterstattung griechischer Medien eine Rolle – dennoch steht es den Deutschen gut an, sich dieser griechischen Gegenwart bewusst zu sein.
