Wir saßen in einem Fischrestaurant in Busan, als wir eine dort lebende Freundin fragten, ob sie wüsste, warum die Südkoreaner so gern wanderten.
»Wegen Sex!«, rief sie.
Ungläubig schüttelten wir die Köpfe. Südkorea, das Land der perfekt inszenierten Oberflächen, war uns bislang nicht gerade durch besondere sexuelle Offenheit aufgefallen. Wandernde Swinger, die Sex am Wegesrand hatten?
»Doch, doch«, sagte unsere Freundin und tunkte ein Stück Sashimi in Sojasoße. »Auf südkoreanischen Wanderwegen wird viel gevögelt.«
Jedenfalls sei das, erzählte sie weiter, ein Gerücht, das sich seit Jahren halte. Wandern sei für viele verheiratete Südkoreaner eine Art analoges Seitensprung-Tinder. Man träfe sich an der Talstation, ginge auf den Berg und habe Sex. Ehebruch galt in Südkorea lange als Straftat. Vielleicht, sagte unsere Freundin, habe man deshalb gelernt, kreativ zu werden.
