Im Mai treffen sich die beiden hellsten Planeten kurz nach Sonnenuntergang im Westen: Halbhoch am Himmel, zumindest zu Monatsbeginn, finden wir den Jupiter. Er steht nahe den Sternen Kastor und Pollux im Sternbild der Zwillinge. Tiefer am Horizont, aber heller, strahlt die Venus im Stier. Besonders am Abend des 19. Mai lohnt ein Blick, denn dann steht die zunehmende Mondsichel genau zwischen dem Paar. Betrachten Sie die beiden im Monatslauf von Abend zu Abend: Ihr Winkelabstand schrumpft merklich, von 40 Grad am Monatsanfang auf weniger als zehn Grad am 31. Mai; Letzteres entspricht dem Winkel, den eine ausgestreckte Handfläche abdeckt.
Kein Zweifel: Am Abendhimmel findet ein Wachwechsel statt. Jupiter zieht sich vom Himmel zurück, seiner Konjunktion entgegen. Er wandert aus Erdsicht hinter die Sonne. Venus hingegen bewegt sich in den der Erde zugewandten Teil ihrer Umlaufbahn. Dabei erreicht sie im Mai ihre beste Sichtbarkeit des Jahres, obwohl sie ihre größte östliche Elongation, also ihren maximalen Winkelabstand zur Sonne von knapp 46 Grad, erst am 15. August einnehmen wird. Der Grund: Der Winkel zwischen dem Westhorizont und der Ekliptik wird in den kommenden Monaten stetig flacher, Venus steht also zunehmend tiefer, sobald die Sonne unter den Horizont sinkt. Am irdischen Himmel erscheint Venus doppelt so hell wie Jupiter.
Jupiter entfernt sich, Venus rückt näher
Das wird vor allem in der zweiten Monatshälfte sichtbar, wenn sich beide Planeten näher kommen und dabei etwa gleiche Höhe am Horizont erreichen. Zuvor wird das Licht der tiefer stehenden Venus durch die dichtere Atmosphäre am Horizont abgeschwächt, sodass der Vergleich mit Jupiter etwas unfair ist. Dass die etwa erdgroße Venus so viel heller erscheint als der fast zwölfmal größere Jupiter – immerhin der größte Planet des Sonnensystems –, hat zwei Gründe: Erstens steht uns Venus näher, 188 Millionen Kilometer genau am 31. Mai. Jupiter ist dagegen mit 890 Millionen Kilometern fast fünfmal weiter entfernt. Zweitens werfen Venus’ Wolken knapp 80 Prozent des Sonnenlichts zurück. Das ist mehr als bei jedem anderen Planeten im Sonnensystem; Venus’ Rückstrahlwert entspricht fast dem von frisch gefallenem Schnee. Jupiters auch nicht gerade dunkle Wolken bringen es nur auf etwa 50 Prozent. Der Helligkeitsunterschied vergrößert sich auch noch etwas, da Jupiter sich entfernt, während Venus näher rückt.
Allerdings kommt bei Venus noch ein weiterer Faktor hinzu, der ihre wahrgenommene Helligkeit limitiert: Als Planet des inneren Sonnensystems wendet sie uns, während sie zwischen Erde und Sonne rückt, ihre von der Sonne abgewandte dunkle Seite zu. Damit erreicht ihre Helligkeit am Erdhimmel kurz vor und nach ihrer unteren Konjunktion, wenn sie genau zwischen uns und dem Tagesgestirn steht, ein Maximum, um danach wieder leicht abzunehmen. Jupiter sehen wir als fernen Planeten des äußeren Sonnensystems hingegen immer als nahezu voll beleuchtete, wenn auch leicht abgeplattete Kugel. Staffelübergabe zwischen Venus und Jupiter wird übrigens am 10. Juni sein – anschließend verschwindet Jupiter vom abendlichen Firmament, während Venus uns noch bis in den Frühherbst erhalten bleibt.

Ende Mai meldet sich auch der flinke Merkur kurz am Abendhimmel. Der kleinste Planet ist jedoch nur schwierig in der Dämmerung zu finden. Sobald der Himmel dunkel genug ist, zeigt sich der Sternhimmel im „Frühlingsmodus“: Direkt im Meridian leuchtet die helle Spica im Sternbild Jungfrau. Regulus und der Löwe sind in den Südwesten vorgerückt. Arktur, der hellste Stern des nördlichen Himmels, und sein Sternbild Bärenhüter (Bootes) passieren gegen Mitternacht den Süden. Tief im Nordosten leuchten mit Wega und Deneb schon zwei Ecken des Sommerdreiecks, während vor Mitternacht im Südwesten der Rote Riese Antares im Skorpion aufgeht, ein weiterer markanter Sommerstern.
Von den Sternschnuppen wird man nur die hellsten sehen können
Der Mai hat zwei wenig bekannte Meteorströme zu bieten. Sie liefern zwar keine schlagzeilentauglichen Feuerwerke, Freunden verglühender kosmischer Staubkörnchen aber dennoch schöne Stunden. Die Eta-Aquariiden erreichen ihr Maximum in den Morgenstunden des 6. Mai. Die Uhrzeit ist entscheidend: Der Radiant der Meteore, also ihr scheinbarer Ausstrahlpunkt im Sternbild Wassermann (Aquarius), erscheint erst gegen drei Uhr im Südosten. Auf der Karte sucht man ihn daher vergebens. Vor Aufgang des Wassermanns hat es keinen Sinn, nach Eta-Aquariiden Ausschau zu halten, denn die Erde schirmt die Sternschnuppen ab. Auch danach bleibt nur rund eine Stunde Dunkelheit, die überdies in diesem Jahr vom abnehmenden Mond beeinträchtigt wird. Von den mehreren Dutzend Sternschnuppen, die unter idealen Bedingungen zu erwarten sind, wird man daher nur die hellsten sehen können.
Besser steht es um den 10. Mai, wenn die Eta-Lyriden ihr Maximum erreichen: Ihr Radiant steht in der Leier (Lyra). Wir sehen ihn schon vor Mitternacht im Nordosten, im Laufe der Nacht steigt er stetig höher. Auch der Mond stört nicht, denn er geht erst nach Mitternacht auf. Allerdings wird man bestenfalls einige Meteore pro Stunde sehen können. Doch kommt es immer auf Masse an? Die Eta-Aquariiden beispielsweise mögen eine Herausforderung sein, doch sie kommen aus berühmter Quelle, nämlich vom Halleyschen Kometen. Der war der erste Schweifstern, dessen periodische Bahn berechnet und dessen Wiederkehr vorausgesagt werden konnte. Seine nächste Rückkehr wird erst im Jahr 2061 erwartet. Für viele von uns bieten die Eta-Aquariiden also die letzte Gelegenheit, ein Stückchen Halley zu Gesicht zu bekommen.
Sonne: 1. Mai, Sonnenaufgang 6.02 Uhr, Sonnenuntergang 20.44 Uhr; 31. Mai, Sonnenaufgang 5.22 Uhr, Sonnenuntergang 21.25 Uhr.
Mond: 1. Mai, 19.23 Uhr: Vollmond; 9. Mai, 23.11 Uhr: Letztes Viertel; 16. Mai, 22.01 Uhr: Neumond; 23. Mai, 13.11 Uhr: Erstes Viertel; 31. Mai, 10.45 Uhr: Vollmond.
