Noch ist es ruhig in der Check-in-Halle des neuen Terminal 3 am Frankfurter Flughafen. Die Morgensonne bricht durch die geknickten Glasfronten und wirft helle Streifen auf den polierten Natursteinboden. Draußen starten die ersten Flugzeuge von der Startbahn, heben scheinbar schwerelos in einer langen Geraden ab, bis sie aus dem Blickfeld verschwinden.
Ein älteres Ehepaar bewundert den Start von einem der vielen Sitzplätze aus. In der riesigen Halle wirken die beiden etwas verloren: Die Grundfläche ist vier Fußballfelder groß, die Fenster sind achtzehn Meter hoch. Ein Glaskasten von enormer Dimension also, in dem es trotzdem nicht hallt und angenehm kühl ist. Das Paar läuft zur Fluginformationstafel, auf der heute nur wenige Flüge nach China und in die Golfstaaten stehen. Bis zu ihrem Abflug ist noch genügend Zeit.
Ein gelungener Gegenentwurf zum Terminal 1
So einen entspannten Reisestart kannten viele Passagiere bisher nicht. Gerade im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens beginnt der Urlaub oft wenig entspannt, wenn die Fluggäste erst einmal durch die verwinkelten Gänge laufen müssen, bis sie endlich am Gate ankommen. Und auch das Gebäude ist mit seinen niedrigen Decken und dem Betoncharme der Siebzigerjahre nicht gerade einladend. Das neue Terminal scheint der gelungene Gegenentwurf zu sein, heller und freundlicher und aus einem Guss geplant bis ins letzte Detail.
Auf Farben wurde größtenteils verzichtet, nur die charakteristischen blauen Schilder weisen den Weg. Neutrale Beige- und Anthrazittöne schaffen eine wärmere Atmosphäre als das triste Grau im Terminal 1. Die Farben wirken im Reisestress beruhigend und erinnern an eine minimalistische Museumshalle, in der sich die Passagiere beim Warten ihren Gedanken hingeben.
Eine Eingangshalle zum Träumen
Diese anregen soll auch eine imposante Installation an der Decke, welche Julius von Bismarck für den neuen Terminal eigens entworfen hat. Sie besteht aus drei ringförmigen Skulpturen, die an unterschiedlichen Stellen in der Check-in-Halle befestigt sind. Mit ihren 636 orange eingefärbten Aluminiumscheiben muten die schwebenden Donuts futuristisch und fragil gleichermaßen an, wie eine riesige Seeanemone. Wegen eines technischen Defekts sind sie kurzfristig abgehängt worden, sollen aber schon bald wieder über den Köpfen der Reisenden schweben. Mit der Kunstinstallation, den LED-Bildschirmen an der Decke, den Informationstafeln an der Rolltreppe und der Aussichtsplattform mit Fotokulisse vor dem Eingang gibt es genügend, das die Zeit vor dem Abflug schöner und interessanter gestaltet.

Das Gefühl des Schwebens scheint in dem luftigen Gebäude verankert zu sein, in dem Innen- und Außenraum dank der umlaufenden Verglasung fast miteinander verschwimmen. Eine junge Frau steht vor dem Schalter der Fluggesellschaft China Southern. Sie arbeitet als Flugbegleiterin und hat schon viele Flughäfen gesehen. „Es ist phantastisch“, lautet ihr Urteil über den neuen Terminal. Es herrsche eine perfekte Balance zwischen Funktionalität und ansprechender Architektur.
Check-In, Gepäckabgabe und Passkontrolle – alles automatisiert
Dass im neuen Terminal so wenig Flugbetrieb herrscht, wird sich in den kommenden Wochen ändern. Im dreiwöchigen Rhythmus sollen bis zum Sommer 57 Fluggesellschaften in den Süden umziehen und die anderen beiden Terminals des Frankfurter Flughafens damit entlasten. Neben den Schaltern befinden sich in der Mitte der Halle die Check-in-Automaten und die vollautomatischen Kioske zur selbständigen Gepäckaufgabe, sodass sich Passagiere fast ohne menschliche Interaktion vom Eingang bis zum Gate bewegen.

Ein Mann, schwer bepackt mit großem Rucksack, steht etwas ratlos davor. Er scannt seine digitalen Bordkarten, woraufhin die Maschine surrend die selbstklebenden Gepäcklabels ausspuckt. Zahlreiche Flughafenmitarbeiter betreuen mit ihren Tablets den Prozess. „Am neuen Terminal zu arbeiten ist ganz anders“, erzählt eine von ihnen. „Man kann sich das Boarding wie eine Linie vorstellen: zuerst der Check-in, dann die Sicherheitskontrolle, dann der Wartebereich.“ Geschäftsführer Alexander Laukenmann äußert Bedenken: „Wir haben unendlich viel neue Technologie hier, die es in dieser Form und in dieser Masse noch nicht gegeben hat. Ich kann mir vorstellen, dass nicht immer alles sofort funktioniert.“ Zukünftig soll es am „digitalen Terminal“ sogar möglich sein, das Gepäck bereits außerhalb des Flughafens, beispielsweise am Fernbahnhof oder im Hotel, abzugeben, um die Reise völlig ohne Lasten zu beginnen.
Am Terminal 3 muss man keine Reisegrößen einpacken
Wer nur mit Handgepäck reist, kann direkt durch die Eingangshalle zur Sicherheitskontrolle laufen. Normalerweise ist das der stressigste Teil einer Flugreise, doch an Terminal 3 muss niemand schwitzen: Dank der neuen CT-Scanner, die sich an allen 19 Sicherheitskontrollen befinden, können Reisende Flüssigkeiten und Elektronik in ihrer Tasche behalten. Im Handgepäck sind nun bis zu zwei Liter Flüssigkeit pro Behälter erlaubt. Mehrere Passagiere legen parallel ihr Gepäck in die Plastikwanne und schreiten durch die Körperscanner, während die Wannen auf dem Fließband automatisch zurückfahren.
Reisende in Eile können für bis zu sechs Personen ein Zeitfenster für die Sicherheitskontrolle reservieren. Dann darf man sich bei dem Schild „FRA SmartWay“ einreihen und vermeidet Wartezeiten. Die biometrischen Erkennungssysteme an der Passkontrolle, genannt EasyPass-Gates, beschleunigen den Check-in noch einmal deutlich.
Der riesige Marktplatz am Terminal 3
Hinter der Sicherheitskontrolle öffnet sich das Herzstück des Terminals: ein Aufenthaltsbereich auf rund 12.000 Quadratmetern Fläche, der an eine Hotellobby oder eine europäische Stadtgalerie erinnert. Reisende flanieren über den riesigen Marktplatz, ihre Koffer schlittern über die spiegelglatten Bodenplatten. Einen derartigen Luxus kennt man sonst nicht von Flughäfen: Wandpaneele aus Nussbaumholz, Akzentflächen aus Marmor, die Decke im Marktplatz ist mit pulverbeschichtetem Aluminium versehen. Hier verbringen Passagiere die letzten Minuten vor dem Abflug, entweder auf den Gastronomie-Inseln oder in einem der zahlreichen Geschäfte.
Die Farben aus der Eingangshalle lenken den Passagierfluss: hellgraue Bodenflächen für die Hauptlaufwege, dunklere Anthrazittöne für die Ruhe- und Wartezonen. Dass sich die Reisenden so schnell im Terminal 3 zurechtfinden, ist kein Zufall. Sascha König, der den Bereich „Aviation Passenger Process“ bei Fraport leitet, deutet auf das leuchtende Schild mit dem Symbol zum Ausgang: „Man kann sich kaum vorstellen, wie viel Arbeit in solchen Kleinigkeiten steckt“, sagt er, „die Sichtachsen mussten monatelang überprüft werden, bis man sie aus der perfekten Höhe beim Erreichen des Gates sehen konnte.“

An Sitzplätzen wurde im neuen Terminal ebenfalls nicht gespart: Etwa tausend sind in kleinen Gruppen verteilt, ausgestattet mit USB-C-Anschlüssen oder auch kabellosen Ladestationen. Abseits der Hauptwege finden sich ergonomisch geformte Sessel mit hohen Rückenlehnen, die zwar Strandkörben ähneln, aber neben der Entspannung auch als Sicht- und Schallschutz dienen. Besonders bequem sind die Loungesessel am Flugsteig H und J: Die beigefarbenen Ledersessel haben ein extra Fußteil und eine Stehlampe, was eine Wohnzimmeratmosphäre erzeugen soll. Zu diesem Eindruck tragen auch die Teppiche bei, die nicht nur gemütlich aussehen, sondern auch die Akustik dämpfen. Hier ist es deutlich leiser als im Rest des Flughafens. Kein Neonlicht-Flimmern, kaum Stimmengewirr. Vom Hauptgebäude gehen radial die Flugsteige ab. In der ersten Ausbaustufe sind dies die Piers H, J und G. Bei mehr als 600 Metern Länge sollten Reisende ausreichend Zeit einplanen, um nicht zum Gate sprinten zu müssen.
Die Fahrt mit der neuen Skyline-Bahn ist ein wilder Ritt
Während die Eingangshalle mit ihrer Weite einen Raum der Ruhe schafft, geht es in der neuen Skyline-Bahn, die zeitgleich mit dem Terminal 3 eröffnete, beengt zu. Zwölf Züge ermöglichen den flotten Dreiminutentakt, weshalb man nicht lange auf die Bahn warten muss. Die Fahrt ist ein wilder Ritt. Besonders auf der geraden Strecke zwischen Terminal 2 und Terminal 3 beschleunigt die Bahn spürbar und erreicht ihre Maximalgeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde. Dann ruckelt und rattert es ziemlich.
Den Hinweis der Durchsage, man solle sich an den Haltestangen und Gummischlaufen gut festhalten, ist durchaus ernst zu nehmen. Gerade einmal zehn Klappsitze befinden sich in dem Zug, was in Anbetracht der älteren Passagiere zu Problemen führen könnte. Dass in den kleinen Wagen noch 113 weitere Besucher Platz finden, ist eine optimistische Angabe.
Ein junges Mädchen stellt sich ganz nach vorne. „Heute bin ich die Fahrerin“, sagt sie und blickt gebannt aus dem Panoramafenster. Es fühlt sich ein bisschen wie eine Achterbahnfahrt an, wenn der autonom fahrende Zug beschleunigt. In luftiger Höhe geht es durch den Sicherheitsbereich des Flughafens, vorbei an der Landebahn, den Flugzeugen und Bürogebäuden. Die vielen Baustellen für die neuen Straßen passiert man ebenfalls. Das Mädchen ist Teil einer Schulklasse, die heute in neongelben Warnwesten ebenfalls den neuen Terminal erkundet. Sollte einer von ihnen hier später einmal arbeiten, wird alles, was heute allerneueste Technik ist, längst schon Standard sein.
