
Erratische Entscheidungen und die Windräder-Feindlichkeit von US-Präsident Donald Trump auf der einen Seite – riesige Investitionen in den USA auf der anderen: Mehrere Aktionärsvertreter haben während der digitalen Hauptversammlung des Energiekonzerns RWE am Donnerstag bemängelt, wie stark Deutschlands größter Energiekonzern in seiner Strategie bis zum Jahr 2031 auf die Vereinigten Staaten setzt.
Sie verfolge „sehr aufmerksam“, dass fast die Hälfte der geplanten Investitionen des Konzerns in den kommenden fünf Jahren in den USA stattfinden sollen, sagte Christiane Hölz, Geschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „17 Milliarden Euro planen Sie unter einer US-Administration zu platzieren, deren energie- und industriepolitische Linie sich kurzfristig ändern kann“, bemängelte sie an RWE-Chef Markus Krebber gewandt: „Ich finde schon, dass das ziemlich viele Eier sind, die Sie da in einen Korb legen.“
Strom als „das neue Gold“
Die Sorge der Anleger mit Blick auf die USA ist vielleicht deshalb so groß, weil ansonsten Zufriedenheit dominiert. Der Aktienkurs des RWE-Papiers hat sich im vergangenen Jahr auf rund 61 Euro in etwa verdoppelt. Die Aktionäre sollen künftig eine Dividende von 1,20 Euro je Aktie erhalten, 10 Cent mehr als bislang. Und der Markt suggeriere, „dass Strom das neue Gold ist“, wie es Thomas Deser von Union Investment am Donnerstag ausdrückte.
Doch auch er warnte vor der Amerika-lastigen Strategie: „Der US-Markt ist für RWE mittlerweile der Wachstumsmotor, doch er ist auch Schauplatz der erratischen Politik unter Donald Trump“, sagte Deser. Die „Ambivalenz zwischen grünem Anspruch und politischer Realität“ fordere die Aktionäre hinaus.
Boom von KI und Rechenzentren
Ingo Speich von Deka Investment kontrastierte die hohen US-Investitionspläne mit der Tatsache, dass RWE seine US-Offshore-Aktivitäten wegen des politischen Umfelds vorerst eingefroren und sich auch für künftige Investitionen selbst höhere Hürden verordnet habe: „Ihre wachstumsstarken Ambitionen erscheinen aufgrund der derzeitigen Marktlage fragwürdig.“
Die Äußerungen der Aktionärsvertreter beziehen sich auf die von Krebber im März verkündeten Pläne, in den USA noch stärker wachsen zu wollen. Treiben soll das der enorme Stromhunger aufgrund des Booms von KI und Rechenzentren. Schon heute betreibe RWE „Anlagen von der Ost- bis zur Westküste. In Summe 13 Gigawatt“, rechnete Krebber am Donnerstag vor: „Bis 2031 sollen neun Gigawatt dazukommen – aus Onshore-Wind, Solar, Batteriespeichern und, neu: auch aus flexibler Erzeugung.“ RWE will künftig in den USA auch neue Gaskraftwerke bauen. Allerdings ist dafür laut Krebber mit zunächst rund einer Milliarde Euro nur ein kleiner Teil der Investitionssumme vorgesehen.
Trotz aller Rückschläge durch die US-Regierung prosperieren die Erneuerbaren, vor allem Solaranlagen, bislang weiterhin. Krebber gab sich auf der Hauptversammlung entsprechend gelassen. „Seit Mitte 2025 haben wir Klarheit über die Rahmenbedingungen für weitere Erneuerbaren-Investitionen durch die sogenannte One Big Beautiful Bill und die Safe Habor Regelungen des US-Steuerrechts“, sagte er: „Zudem treffen wir Investitionsentscheidungen erst nach Erhalt aller bundesbehördlichen Genehmigungen, Minimierung der Zollrisiken und dem Vorliegen gesicherter Stromabnahmeverträge.“
