
Im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz geht es auch mit deutlich weniger Mitarbeitern. Mark Zuckerberg wird in diesen Tagen nicht müde, diese Botschaft zu verbreiten. Bei der Vorlage von Quartalsergebnissen sagte der Mitgründer und Vorstandschef des Internetkonzerns Meta jetzt: „Wir sehen mehr und mehr Beispiele, wo eine oder zwei Personen etwas in einer Woche erledigen, wofür früher Dutzende von Leuten Monate gebraucht hätten.“ Ganz ähnliche Töne schlug er vor drei Monaten an: „Wir beginnen zu sehen, wie Projekte, für die wir früher große Teams gebraucht haben, von einer einzelnen, sehr talentierten Person erledigt werden.“
Diese Produktivitätsgewinne haben offenbar Konsequenzen. In der vergangenen Woche hat der Mutterkonzern von Onlineplattformen wie Instagram und Facebook angekündigt, rund 8.000 Arbeitsplätze abzubauen, was in etwa 10 Prozent der Belegschaft entspricht. Außerdem sollen 6.000 offene Stellen nicht mehr besetzt werden. Den Beschäftigten wurde zur Begründung mitgeteilt, Meta wolle seine Effizienz erhöhen und einen Ausgleich für Investitionen an anderer Stelle schaffen.
Diese Einschnitte kommen in einer Zeit, in der es dem Konzern finanziell prächtig geht und er an anderer Stelle das Geld mit vollen Händen ausgibt. Meta hat im vergangenen Quartal sein Wachstum erheblich beschleunigt. Der Umsatz stieg um 33 Prozent auf 56,3 Milliarden, im Quartal zuvor lag das Plus noch bei 24 Prozent. Auch der Gewinn ist deutlich gestiegen, und Meta teilte mit, seine Investitionen in diesem Jahr noch einmal deutlich auf 125 Milliarden bis 145 Milliarden Dollar aufzustocken. Bislang war von 115 Milliarden bis 135 Milliarden Dollar die Rede, 2025 waren es noch 72,2 Milliarden Dollar. Die Investitionen sind vor allem für den Ausbau der KI-Infrastruktur vorgesehen.
„Effizienzgewinne“
Bei anderen Techkonzernen ist das Bild ähnlich. Auch der Onlinehändler Amazon hat mit seinen Quartalsergebnissen die Erwartungen übertroffen. Besonders gut schnitt dabei das Geschäft mit Cloud Computing in der Sparte Amazon Web Services (AWS) ab, hier gab es das stärkste Umsatzwachstum seit mehr als drei Jahren. Amazon will in diesem Jahr sogar 200 Milliarden Dollar investieren. Trotzdem hat der Konzern in jüngster Zeit mehrere Entlassungsrunden absolviert. Im Januar teilte er mit, 16.000 Arbeitsplätze streichen zu wollen, nachdem er schon im vergangenen Oktober den Abbau von 14.000 Stellen angekündigt hatte.
Die Einschnitte treffen die Büroangestellten, also nicht die Mitarbeiter in den Distributionszentren, die für den größten Teil der Belegschaft stehen. Amazon hat die Entlassungsrunden nicht direkt mit KI begründet, sondern damit, Hierarchieebenen entfernen und das Unternehmen schneller machen zu wollen. Vorstandschef Andy Jassy hat allerdings auch gesagt, er rechne damit, dass die Gesamtzahl der Büroangestellten im Unternehmen wegen „Effizienzgewinnen“ durch KI in den kommenden Jahren sinken werde.
Auch beim Softwarekonzern Microsoft gehen steigende Umsätze und Gewinne mit sinkenden Mitarbeiterzahlen einher. Finanzchefin Amy Hood sagte jetzt, die Belegschaft sei in den vergangenen drei Monaten kleiner geworden, und sie rechne damit, dass sich diese Entwicklung in den kommenden Quartalen fortsetzen werde. Erst in der vergangenen Woche wurde bekannt, dass Microsoft erstmals ein größeres freiwilliges Abfindungsprogramm auf seinem amerikanischen Heimatmarkt aufgelegt hat, für das bis zu 7 Prozent des dortigen Personals in Frage kommen, also mehr als 8.000 Mitarbeiter.
Werden sich die Investitionen auszahlen?
Beim Google-Mutterkonzern Alphabet scheinen höhere KI-Investitionen bislang nicht in größerem Umfang auf Kosten der Mitarbeiter zu gehen. Anders als Meta und Microsoft hat er seine Belegschaft im ersten Quartal etwas vergrößert. Auch er will seine Investitionen in diesem Jahr massiv ausweiten, von 91,4 Milliarden auf 180 Milliarden bis 190 Milliarden Dollar. Finanzchefin Anat Ashkenazi sagte schon jetzt für 2027 einen abermaligen deutlichen Anstieg voraus.
Ob sich diese gewaltigen Investitionen auszahlen werden, bleibt eine offene Frage. Vor wenigen Tagen sorgte in der Branche ein Bericht des „Wall Street Journal“ für Unruhe, wonach der ChatGPT-Entwickler Open AI zuletzt interne Ziele für Umsätze und Nutzerzahlen verfehlt habe. Die großen Techkonzerne versuchen, den Eindruck zu vermitteln, sie seien auf dem richtigen Weg. Meta beschreibt KI-Technologien als Motor für seine Werbeumsätze. Microsoft sagt, das Geschäft mit KI-Angeboten bringe mittlerweile einen aufs Jahr hochgerechneten Umsatz von 37 Milliarden Dollar.
Alphabet-Vorstandschef Sundar Pichai sagt, die KI-Investitionen machten sich „in jedem Teil des Geschäfts“ positiv bemerkbar. Er verwies dabei unter anderem auf KI-Funktionen der Google-Suchmaschine sowie auf ein Wachstum von mehr als 60 Prozent in der Sparte für Cloud Computing, in der KI-Angeboten eine große Rolle spielen. Alphabet und Amazon kündigten jetzt auch an, ihr Geschäft mit KI-Chips ausweiten zu wollen, was sie zu stärkeren Wettbewerbern von Nvidia machen könnte.
Unter dem Strich haben jetzt alle großen Techkonzerne besser als erwartete Zahlen vorgelegt. Die Börse reagierte allerdings sehr unterschiedlich. Die Alphabet-Aktie gewann 10 Prozent an Wert, Apple verzeichnete ein Plus von 4 Prozent. Der Kurs von Amazon notierte weitgehend unverändert. Microsoft musste einen Kursrückgang von 4 Prozent hinnehmen, Meta ein Minus von 9 Prozent.
Apple hebt sich im Moment in mancherlei Hinsicht von den anderen großen Techkonzernen ab. Der iPhone-Hersteller investiert nicht annähernd so hohe Beträge in KI-Initiativen, er hat auch keine größeren Einschnitte angekündigt. Apple gilt mit seinen KI-Projekten in der Branche als vergleichsweise schwach, beispielsweise hat sich eine neue KI-Variante des Assistenzprogramms Siri erheblich verzögert. Das Geschäft entwickelt sich indessen gut, die Zahlen für das vergangene Quartal fielen besser als erwartet aus. Der Umsatz stieg um 17 Prozent auf 111,2 Milliarden Dollar, unter anderem dank einer starken Nachfrage nach iPhones, dem mit Abstand wichtigsten Produkt des Konzerns.
Apple steht vor einer Zäsur. In der vergangenen Woche teilte das Unternehmen mit, dass Tim Cook am 1. September den Vorstandsvorsitz niederlegen wird. Cook, der im November 65 Jahre alt geworden ist, führt Apple seit 2011. Sein Nachfolger wird der 50 Jahre alte John Ternus, der bisher als Senior Vice President für Hardwareentwicklung und damit alle elektronischen Geräte verantwortlich ist. Ternus hatte jetzt bei der Vorlage der Zahlen seinen ersten öffentlichen Auftritt seit der Ankündigung des Führungswechsels. Einblicke in seine Strategie wollte er dabei nicht geben, im Wesentlichen beschränkte er sich darauf, Zuversicht zu verbreiten: „Ich könnte nicht optimistischer sein, was vor uns liegt.“
