Die Suche nach einem fünf Jahre alten Mädchen im Outback bei Alice Springs endete nicht mit dem Happy End, das sich viele Australier erhofft hatten. Die Polizei hat den Leichnam des Mädchens am Donnerstag etwa fünf Kilometer von dem Ort gefunden, an dem es zuletzt an der Hand ihres mutmaßlichen Mörders gesehen worden war. Den Ermittlungen zufolge dürfte das Mädchen Opfer eines Sexualverbrechens geworden sein.
Auf den Fund folgten Trauer und Wut. Anwohner entdeckten den mutmaßlichen Täter einige Stunden später unweit des Stadtzentrums auf der Straße und schlugen ihn offenbar brutal zusammen. Vor dem Krankenhaus, in das er gebracht worden war, kam es zu Protesten und gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Später wurde der Mann in ein Krankenhaus in Darwin verlegt.
Der Polizei zufolge hatten sich etwa 400 „wütende Menschen“ vor dem Alice Springs Hospital versammelt und versucht, ins Gebäude zu gelangen, um an den mutmaßlichen Täter heranzukommen. Sie bewarfen die Polizei und ihre Einsatzfahrzeuge mit Steinen, Flaschen, Stöcken und Mülleimern. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse ein, um die Menge zu zerstreuen. Einige Personen versuchten, einen Polizeiwagen in Brand zu setzen, und zertrümmerten ihn mit Verkehrsschildern und Stöcken.
Berichten des australischen Senders ABC zufolge forderten die Demonstranten „Payback“, also die Bestrafung des Mannes gemäß den Traditionen der Ureinwohner in Zentralaustralien. Das Opfer und der mutmaßliche Täter sind beide indigener Herkunft.

Die Polizei hat laut dem australischen Sender auf einer Unterhose, die an einem Flussbett in der Nähe gefunden worden war, neben dem Erbgut des Mädchens auch DNA-Spuren des Mannes festgestellt. Den Berichten zufolge hatte sich das Mädchen zusammen mit seiner Familie am Samstag in einem Haus in der Indigenen-Siedlung Old Timers Town Camp nahe Alice Springs aufgehalten. Am Abend sollen sich dort verschiedene Personen versammelt haben, darunter auch der 47 Jahre alte mutmaßliche Täter, der erst einige Tage zuvor aus dem Gefängnis entlassen worden war. Das Mädchen sei vor 23 Uhr in ein Bett gelegt worden. Etwa eine Stunde später wurde es außerhalb des Hauses an der Hand des Mannes gesehen.
Ein Bett zwischen Dreck und Whiskey-Flaschen
Erst später merkte die Mutter, dass das Mädchen nicht mehr da war, und alarmierte gegen 1.30 Uhr die Polizei. In den Tagen danach hatte die Polizei unter Beteiligung freiwilliger Suchdienste Dutzende Quadratkilometer Buschland nach dem Mädchen durchkämmt. Es wurden Drohnen, Hubschrauber und indigene Fährtenleser eingesetzt.
Es war die seit Jahrzehnten größte Suchaktion in dem auch bei Touristen beliebten Ort, an dem viele Touren zu dem berühmten Uluru, dem früheren Ayers Rock, ihren Anfang nehmen. Alice Springs liegt in der abgelegenen geographischen Mitte Australiens. Bis in die nächstgelegenen Städte Adelaide und Darwin sind es jeweils rund 1500 Kilometer.
Der Tod der fünf Jahre alten Sharon, die den indigenen Traditionen nach nun „Kumanjayi Little Baby“ genannt wird, wirft auch ein Licht auf die zahlreichen Probleme, mit denen viele australische Ureinwohner-Gemeinden zu kämpfen haben. Gerade die abgelegenen Communities im Northern Territory, in dem Alice Springs liegt, sind von Arbeitslosigkeit, Kriminalität und Alkoholismus geplagt.
Wie als Symbol für die soziale Verwahrlosung hatte die australische Presse Fotos des Hauses veröffentlicht, aus dem das Mädchen verschwunden war. Es zeigte einen nahezu kahlen Raum mit wenigen Möbeln, verdreckten Wänden und einer Reihe von Whiskey-Flaschen auf einer Theke. Als Ursache für viele Probleme sieht die australische Politik die „generationsübergreifenden Benachteiligungen“ der indigenen Bevölkerung seit Beginn der Kolonisation Australiens.
