
Noch bis vor Kurzem galt in Hollywood: Mit dem vierzigsten Geburtstag ist die Karriere für Schauspielerinnen vorbei. Meryl Streep erlebte das noch. Pünktlich mit Überschreiten der Altersgrenze blieben in den Neunzigerjahren für sie die attraktiven Rollenangebote aus. Aber Streep machte stur weiter – und wurde zum Vorbild.
1949 in New Jersey geboren, spielte sie nach ihrem Schauspielstudium in Yale zunächst Theater, wo Robert DeNiro sie entdeckte. Regisseur Michael Cimino schlug er vor, die junge Frau für die Rolle seiner Freundin im Antikriegsfilm „Die durch die Hölle gehen“ (1978) zu besetzen. Es war Streeps Durchbruch. Ein Jahr darauf war sie gegenüber Dustin Hoffman im Scheidungsdrama „Kramer gegen Kramer“ zu sehen. Schon als sie das Drehbuch las, nahm Streep sich heraus, Änderungen vorzuschlagen. Die Frau sei zu bösartig, ginge das nicht realistischer? Das imponierte Regisseur Robert Benton; er ließ Streep die Freiheit, ihre Dialoge selbst zu schreiben.
Keine andere hat so viele Oscarnominierungen erhalten
Zur Vorbereitung auf die Rolle sprach Streep mit ihrer eigenen Mutter, einer bildenden Künstlerin, über deren Erfahrungen als arbeitende Frau mit Kindern. Filmpartner Dustin Hoffman lobte später Streeps harte Arbeit: Wenn sie drehe, denke sie über nichts anderes nach als das, was sie gerade tue. Für diese Hingabe erhielt sie den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Drei Jahre später folgte ein zweiter für ihre Hauptrolle im Holocaustdrama „Sophies Entscheidung“.
Damit war sie als Charakterdarstellerin für Dramen etabliert. In den Achtzigerjahren vertiefte sie dieses Profil, spielte eine engagierte Gewerkschafterin („Silkwood“), verkörperte die Autorin Karen Blixen („Jenseits von Afrika“) und eine New Yorker Kolumnistin in Nora Ephrons „Sodbrennen“. Dass es wenig interessante Rollen für Frauen jenseits der Dreißig gab, prangerte Streep immer wieder in Interviews an, ebenso die ungleiche Bezahlung männlicher und weiblicher Filmschaffender. Sie machte derweil aus der Not eine Tugend, erweiterte ab vierzig ihr Repertoire um Komödien, probierte Nischen aus und steckte in jeden Auftritt die gleiche Disziplin.
2006 zahlte sich das aus, als sie die strenge Chefredakteurin Miranda Priestley in der leichten Modekomödie „Der Teufel trägt Prada“ zur Eiskönigin stilisierte. Das Publikum liebte ihre scharfen Einzeiler, der Film wurde ein Erfolg – und Streep nahm so Anlauf für die Fortsetzung ihrer Karriere, nun mit mehr Wahlmöglichkeiten. Heute hält sie den Rekord mit 21 Oscar-Nominierungen. Und beweist gerade in der Kinofortsetzung des Modemärchens, dass Frauen auch mit 76 Jahren noch Hauptrollen spielen können – zumindest wenn sie so hartnäckig und talentiert sind wie Meryl Streep.
