
Die Pressefreiheit in Deutschland bleibt unter Druck: In der weltweiten Rangliste von „Reporter ohne Grenzen“ ist die Bundesrepublik um drei Plätze abgestiegen und liegt nun auf Platz 14, wie die Journalistenvereinigung mitteilte. „Dass Deutschland erneut Plätze verliert, ist auch Ausdruck eines aufgeheizten Klimas“, sagte Christian Mihr, Geschäftsführer für Politik und Strategie bei „Reporter ohne Grenzen“ (RSF). Bei der Berichterstattung über rechtsextreme Milieus oder den Krieg in Gaza (hier drückt sich RSF stets zurückhaltend bis unklar aus) berichteten viele Journalisten „von starkem Druck, hitzigen Debatten und der Sorge, öffentlich an den Pranger gestellt zu werden“. Die Lage in Deutschland sei nur „zufriedenstellend“.
Auch weltweit verschlechterte sich die Situation nach Angaben von RSF. Zum ersten Mal in der 25-jährigen Geschichte der Rangliste falle mehr als die Hälfte aller Länder in die beiden schlechtesten Kategorien „schwierig“ und „sehr ernst“. Mihr sprach von einem „dramatischen Befund“. Nur noch einer von 100 Menschen weltweit könne sich durch eine vielfältige, gesunde Medienlandschaft informieren.
Zum zehnten Mal in Folge belegt Norwegen den ersten Platz der Rangliste. Eritrea ist zum dritten Mal in Folge Schlusslicht. In Syrien verbesserte sich die Situation nach dem Sturz des Assad-Regimes am deutlichsten, das Land kletterte von Rang 177 auf 141. Am stärksten rutschte Niger ab, um 37 Plätze auf Rang 120. Dieser Absturz stehe sinnbildlich für die sich verschlechternde Situation der Pressefreiheit in der Sahel-Region, erklärte RSF.
Die USA fielen um sieben Plätze auf Rang 64. Unter US-Präsident Donald Trump hätten Angriffe auf Medien und Pressevertreter „mittlerweile System“, erklärte RSF. In Argentinien (Platz 98, minus 11 Ränge) und El Salvador (Platz 143, minus 8 Plätze) seien mit Javier Milei und Nayib Bukele zwei Präsidenten an der Macht, die zu den lautstärksten Unterstützern Trumps in Lateinamerika zählen und ihre Pressefeindlichkeit „offen zur Schau stellen“. Israel rutsche vor allem wegen des Gaza-Kriegs um vier Plätze auf Rang 116 ab. Die Palästinensischen Gebiete fielen um vier Plätze auf Rang 163.
Auch in Ländern wie dem Sudan (Platz 161, minus 5 Ränge), Irak (Platz 162, minus 7 Ränge) oder Jemen (Platz 164, minus 10 Ränge) seien die Auswirkungen von bewaffneten Konflikten spürbar. Besonders die rechtlichen Rahmenbedingungen hätten sich für Medienschaffende weltweit verschlechtert, kritisierte RSF. Journalismus werde immer häufiger kriminalisiert. Auch in demokratischen Ländern werde das Recht der Bürger auf Information zunehmend beschnitten.
Die RSF-Rangliste der Pressefreiheit vergleicht die Situation für Journalisten und Medien in 180 Ländern und Territorien. Sie stützt sich auf die Indikatoren Sicherheit, politischer Kontext, rechtlicher Rahmen sowie wirtschaftliches und soziokulturelles Umfeld.
