Es gibt seit diesem Dienstag einen Moment, der mehr als jeder andere in der Saison zeigt, warum diese Fußballmannschaft des FC Bayern München besonders ist. Und man sollte den Moment von Paris nun nochmal in den Mittelpunkt stellen, weil er so anders war, als es die Momente von Madrid, München und St. Pauli waren.
Vor dem Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen Paris Saint-Germain ist einem von verschiedenen Vertretern des Vereins von denselben Momenten erzählt worden. Von dem in Madrid, als die Bayern im Viertelfinal-Hinspiel durch die Tore von Luis Díaz und Harry Kane als erste deutsche Mannschaft seit 2001 im Bernabéu gewonnen haben.
Von dem in München, als sie im Rückspiel gegen Real einen 2:3-Rückstand gedreht und durch das Tor von Michael Olise sogar 4:3 gesiegt haben. Und von dem in St. Pauli, als sie durch das Tor von Leon Goretzka den Bundesliga-Rekord für die meisten Treffer in einer Saison geknackt haben. Auf einen Höhepunkt folgte ein Höhepunkt folgte ein Höhepunkt. Was den Moment von Paris so interessant macht – weil er an einem Tiefpunkt passiert ist.
Paris hat noch mehr Geschwindigkeit
Am Dienstagabend ereignete sich der Moment in der 58. Spielminute, als Ousmane Dembélé gerade das 5:2 für Paris Saint-Germain geschossen hat. In den nächsten Minuten sind die am Boden liegenden Bayern ohne ihren auf der Tribüne sitzenden Trainer dann aber nicht auseinandergefallen, sondern haben sich aneinander aufgerichtet. Sie haben danach schnell das 3:5 und das 4:5 erzielt und wenn der Pariser Abwehrspieler Willian Pacho den Ball in der Nachspielzeit nicht noch vor der Torlinie weggeköpft hätte, hätten sie sogar das 5:5 noch geschafft.
Man sollte die Bayern nun nicht kleiner machen, als sie sind. Sie haben die Geschwindigkeit, um es mit Paris, dem Titelverteidiger, aufzunehmen (siehe Text auf dieser Seite). Doch so schnell Luis Díaz in dieser Saison ist, so schnell war Leroy Sané in der vergangenen. Dieser Wechsel von Sané zu Díaz steht stellvertretend für die Widerstandsfähigkeit der Bayern in dieser Saison. Und damit auch für die schon in Paris verbreitete Hoffnung, dass sie es am kommenden Mittwoch in München mindestens in die Verlängerung schaffen können.
Man sollte die Bayern aber auch nicht größer machen, als sie sind. Sie haben verloren, und sie müssen damit leben, dass man das Wörtchen „verdient“ davor setzt. Paris hat noch mehr Geschwindigkeit und sie nutzen diese Geschwindigkeit wie keine zweite Mannschaft in dem Wettbewerb.
Wie viele Tore werden die Bayern gegen diesen Gegner wohl schießen müssen, um es in die Verlängerung zu schaffen? So gesehen, kann man sich dieses 4:5 also auch schönreden. Doch es ist eben auch keine kleine Leistung, dass es etwas schönzureden gibt.
