
In einem internationalen Verfahren sind hessische Ermittler gegen Mitglieder einer kriminellen Vereinigung aus China vorgegangen. Wie das Hessische Landeskriminalamt (LKA) am Mittwoch mitteilte, wurden im Auftrag der Europäischen Staatsanwaltschaft in einer konzertierten Aktion mehr als 20 Wohn- und Geschäftsräume in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Berlin durchsucht. Gesteuert wurde die Aktion von der Gemeinsamen Finanzermittlungsgruppe aus Polizei und Zoll, die beim LKA in Wiesbaden ansässig und auf die Verfolgung von Geldwäsche spezialisiert ist.
Betroffen waren unter anderem Objekte im Landkreis Offenbach sowie in Düsseldorf. Auch in der Nähe von Warschau wurde ein Gebäude durchsucht. Beschuldigt werden sechs Männer und drei Frauen, denen Verdacht der Geldwäsche und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen wird.
Luxusuhren, Fahrzeuge und Drogen sichergestellt
Ausgangspunkt war ein Verfahren der Europäischen Staatsanwaltschaft und der Steuerfahndung München, die zunächst wegen Verdachts der Umsatzsteuerhinterziehung und der Verminderung der Zoll- und Einfuhrumsatzsteuer ermittelt hatten. Das sichergestellte Geld, in der Summe handelte es sich um 750.000 Euro, konnte zunächst niemandem zugeordnet werden. Das Hessische Landeskriminalamt wurde beauftragt, die Folgeermittlungen zu übernehmen. Daraufhin offenbarte sich das Ausmaß der illegalen Tätigkeiten.
Konkret wird den Beschuldigten vorgeworfen, mithilfe einer Organisation, die aus China gesteuert wurde, gewerbsmäßig Bargeldsummen in Millionenhöhe über ein internationales Unternehmensgeflecht transferiert zu haben. Anschließend wurde das Geld in Deutschland „gewaschen“. Bei der grenzübergreifenden Kontrolle eines Mannes Anfang des Jahres wurde eine Summe von mehr als 1,7 Millionen Euro in bar sichergestellt.
Wie das Landeskriminalamt weiter mitteilte, wurden bei den Durchsuchungen Dutzende Datenträger wie Laptops, Mobiltelefone und andere Wertgegenstände sowie Bargeld sichergestellt, zudem drei hochwertige Fahrzeuge und sechs Luxusuhren. Der Gesamtwert wird auf mehr als 1,2 Millionen Euro geschätzt. Außerdem fanden die Ermittler in den durchsuchten Gebäuden Betäubungsmittel, darunter Haschisch und etwa 50 Kilogramm Cannabis.
Die Gemeinsame Finanzermittlungsgruppe Hessen ist eine aus Polizei- und Zollfahndungsbediensteten bestehende, auf Dauer angelegte gemeinsame Organisationseinheit des Hessischen Landeskriminalamtes und des Zollfahndungsamtes Frankfurt. Diese wurde eingerichtet, um die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Zollfahndung zur Bekämpfung der Geldwäsche zu intensivieren.
