
In den Dreißigern finden junge Menschen neue Hobbys. Man hat sich zehn Jahre lang ausgetobt und neu erfunden, jetzt steht eine ruhigere Lebensphase an. Die einen laufen Marathon, andere greifen zum Rennrad oder schaffen sich eine Siebträgermaschine an. Was alle eint, ist das Interesse an einer eigenen Immobilie. Die Onlineplattform Immoscout24 hat für die hauseigene App eine neue Funktion entwickelt. Wir haben uns auf den Weg gemacht. Die Anwendung heißt „Scout the Streets“ und nutzt die Smartphonekamera in Kombination mit Augmented Reality.
Der Nutzer richtet das Handy auf ein Gebäude und erhält im Kamerabild die Informationen zur Immobilie, wenn sie auf Immoscout24 gelistet ist. „Scout the Streets“ ist deutschlandweit bisher für Android-Nutzer verfügbar. Die iOS-Fraktion kann sie in den zehn größten deutschen Städten ausprobieren. Wir laden die App. Den ersten Test vom Büroturm aus besteht „Scout the Streets“, der Scan des Hochhauses gegenüber zeigt Inserate an. Man kann sich auf eine Warteliste für Interessenten setzen lassen. Die Kameraansicht ist enervierend unruhig, mit jeder Bewegung ändern sich die angezeigten Objekte und Hinweise.
Die KI vertut sich im Baujahr
Vor dem Praxistest werfen wir einen Blick auf die Plattform. Immoscout24 zeigt jeweils 25 Angebote für Wohnungen zum Kaufen oder Mieten im eigenen Stadtviertel an. Die übliche Spaziergangsroute wird angetreten, zuerst bei einem Haus, das wir schon oft aus der Ferne angeschmachtet haben, es kostet anderthalb Millionen Euro. Lange war es auf der Plattform zu finden, nun hat der Makler die Anzeige herausgenommen. Anstelle eines Inserats zeigt die App eine KI-gestützte Informationssammlung an, die sich selbst widerspricht: Das Baujahr wird im gleichen Text mal auf 1955 beziffert, mal auf 1919. Ein Blick auf die Website des Maklers zeigt, dass das Haus 1904 erbaut wurde.
Zu fast jedem Haus teilt „Scout the Streets“ KI-gestützte Informationen. Parallel zeigt die Funktion an, in welcher Entfernung sich Häuser oder Wohnungen befinden, zu denen sie mehr weiß. Eine Weile halten wir bei jeder Gelegenheit das Handy in die Höhe. Man muss Geduld aufbringen, der Scan braucht lange, bis er reagiert. Leider bekommen wir nur KI-gestützte Details und geben irgendwann auf. Der Wohnungsmarkt in unserer Nachbarschaft erscheint abgegrast.
Die Künstliche Intelligenz hilft nicht weiter, vor allem nicht, wenn sie durch eine kurze Recherche leicht zu widerlegen ist. Schön wäre eine Erweiterung, die Inserate im unmittelbaren Umkreis anzeigt. Unsere Route hat uns dreimal an freien, gelisteten Wohnungen vorbeigeführt. Nur zeigte das Handy in die falsche Richtung, ein deutlicher Hinweis wäre in solchen Situationen hilfreich.
