Die Bühne war bereitet. Emirates-Stadion in London, Paris Saint-Germain tritt bei Arsenal an. Désiré Doués erstes Spiel für PSG in der Champions League. Für 50 Millionen Euro war er von Stade Rennes in die Hauptstadt gewechselt. Jetzt sollte er liefern. 64 Minuten später wurde der 50-Millionen-Mann ausgewechselt, ohne einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen zu haben. 2:0 gewann Arsenal, es war die erste Niederlage für PSG in der Saison 2024/25. Doués Start in Paris geriet holprig. Ein Assist in fünfzehn Spielen, eine maue Bilanz. Sein Verein gewann von den ersten fünf Partien in der Champions League eine.
Und trotzdem: Am Ende der Saison, am 31. Mai 2025, läuft Désiré Doué in München auf, im Finale der Champions League gegen Inter Mailand. Paris Saint-Germain gewinnt 5:0, Doué schießt zwei Tore, bereitet eines vor. Désiré Doué ist spätestens jetzt kein 50-Millionen-Mann mehr.
„Es gibt Phasen in einer Karriere, die uns prägen. Meine Ankunft in Paris war nicht so einfach“, sagt er anschließend. „Wir haben Spiele verloren, aber dadurch lernt man, entwickelt sich, kann zurückkommen. Und dann kann man anfangen, große Titel zu gewinnen.“
„Die schwierigste Phase“
Désiré Doué hat als Heranwachsender schon öfter Schwierigkeiten überwinden müssen. Er galt als Toptalent. Und als zu schmächtig. „Mit 14 hat er in der U 16 gespielt“, sagt Corentin Bataille, der Chef der Frühakademie in Rennes. Er war Doués U-16-Trainer zwischen August 2019 und März 2020, bis zur Pandemie. „Désiré war ein großes Talent, aber als U-15-Spieler hast du es in der U 16 schwer, wenn du noch nicht gewachsen bist. Seine Gegenspieler hatten klare athletische Vorteile. Ich glaube, für Désiré war das die schwierigste Phase.“
Bataille beobachtete, wie Doué sich bemühte, die Initiative an sich zu ziehen. „Er hat versucht zu dribbeln, den Gegenspieler auszuspielen, er ist auch in Zweikämpfe gegangen. Aber das war nicht immer leicht für ihn, seine Leistungen waren schwankend.“ Bataille sagt, die Trainer hätten versucht, Doué Entwicklungsmöglichkeiten an die Hand zu geben. „Wir haben Finetuning bei seiner Entscheidungsfindung betrieben: Dribbeln oder passen? Manchmal wollte er zu viel, wir haben ihm gesagt, spiel lieber den Pass – aber man muss ihn auch Dinge ausprobieren lassen.“ An anderen Tagen habe er ihn ausgewechselt, um zu erklären, welche Entscheidungen er hätte treffen sollen. „Gefreut hat er sich nicht. Aber es fiel kein böses Wort.“
Zugleich brachte Bataille ihm die Defensivarbeit näher. „Ich habe ihn als defensiven Mittelfeldmann spielen lassen, ein bisschen wie Vitinha. Désiré hat das verstanden, auch wenn er immer offensiver spielen wollte – ihn zieht das Tor an.“ Das Feedback habe er offen und sehr ernsthaft aufgenommen. „Er hat das auch gefordert. Im Grunde war es leicht, wir hatten einen cleveren Jungen vor uns, der verstanden hat, was wir gesagt haben. Das hat sich auch in der Schule gezeigt, auch da war er ernsthaft und ein sehr guter Schüler.“
Ein Jahr später spielte Doué in einem Trainingsspiel der U 18 gegen die U 19. „Da war er gewachsen, körperlich stärker, da konnte er gegenhalten“, erzählt Bataille von seinen Eindrücken. „Was folgte, war der Aufstieg zu den Profis.“ Es sei Doués Mindset, das ihn abhebe: „Er spielt mit Selbstbewusstsein, Freude und intrinsischer Motivation. Aus technischer Perspektive sieht man seine Stärke in seiner Agilität und seiner Fähigkeit, den Ball zu kontrollieren, ohne auf ihn zu schauen. Er scannt permanent seine Umgebung, um Entscheidungen zu treffen.“
Mehrere Mannschaftskameraden aus der Jugend sind Profis geworden, Mathys Silistrie, 20 Jahre alt wie Doué, ist Torhüter in Rennes, Jérémy Jacquet hat in Liverpool unterschrieben. Corentin Bataille schwärmt vom Jahrgang 2005: „Das ist ein großer Jahrgang, Mathys Tel und Jeanuël Belocian kamen noch hinzu.“ Mit ihnen wurde Doué U-17-Europameister.
Auszeichnung zum „Golden Boy“
Inzwischen ist Désiré Doué der Mann, der mit 19 Jahren ein Champions-League-Finale entschieden hat. „Als Kind“, hatte er in München gesagt, „träumt man erst davon, in der Champions League zu spielen, und dann davon, sie zu gewinnen.“ Im November 2025 nahm er in Turin die Auszeichnung als „Golden Boy“, bester Spieler in Europa bis 20 Jahre, in Empfang, die von der Sportzeitung „Tuttosport“ gestiftet ist. Bei seinen Dankesworten erinnerte Doué an seinen älteren Bruder, der mit den Eltern in der ersten Reihe vor ihm saß. „Ich hatte Glück, dass ich einen älteren Bruder als Vorbild hatte. Er hat mir im Grunde beigebracht, wie man Fußball spielt.“ Guéla Doué, Profi bei Racing Straßburg, ist drei Jahre älter als Désiré, aber: „Wir betrachten uns eigentlich als Zwillinge. Wir sind in der Akademie in Rennes zusammen groß geworden, und ich habe mit ihm dort in der ersten Mannschaft gespielt. Und er treibt mich heute noch an – im Grunde noch mehr als früher, als ich ihn bewundert habe.“

Guéla Doué ist Nationalspieler der Elfenbeinküste, womöglich Gegner der Deutschen im Sommer, Désiré Doué hatte sich schon früh für Frankreich entschieden. Im Sommer seines Wechsels nach Paris, als er sich für PSG und gegen den FC Bayern entschieden hatte, gewann er mit der Olympiaauswahl die Silbermedaille, jüngst traf er in der A-Nationalmannschaft beim 3:1 gegen Kolumbien zweimal.
Mit 19 Jahren hat Désiré Doué alles gewonnen, was der Vereinsfußball in Europa zu bieten hat. „Nie“, sagte er im November bei der Preisverleihung in Turin, habe er sich vorstellen können, im ersten Jahr seines für fünf Jahre gültigen Vertrags „alles“ gewinnen zu können. Mit 20 muss er nun mit Paris Saint-Germain im Hin- und Rückspiel die Bayern überwinden.
Désiré Doué spricht oft von der Bedeutung harter Arbeit und von Disziplin. Er sagt, das sei ihm anerzogen worden. Vielleicht lassen sich seine Ambitionen aber auch daraus ablesen, wer ihn in der Welt des Sports begeistert. Er schaut vor allem nach Nordamerika, in die Profibasketballliga NBA: „Die Größten faszinieren mich: Michael Jordan, Magic Johnson, LeBron James, Steph Curry.“ Spieler, die weit mehr als einen Titel gewonnen haben. Und dann, sagt Doué, schaue er auch hin, wenn Victor Wembanyama spielt, der französische Star der San Antonio Spurs, eineinhalb Jahre älter als Désiré Doué.
Aus dem Englischen übersetzt von Christoph Becker.
