
Schweikard von Kronberg hat das Apartment auf der Burg nur äußerst selten genutzt. Trotzdem wird das Gemäuer im 400. Todesjahr des Mainzer Erzbischofs zur Kulisse seines Lebens. Das gilt für die gesamte Zeit zwischen dem 3. Mai und dem 1. November, besonders aber für zwei Tage Ende Juni. Dann führen Kurse des Fachs Darstellendes Spiel der Altkönigschule an etlichen Schauplätzen der Burg auf, was sie zu Schweikard erarbeitet haben. Für seine Amtszeit sind laut Burgverein 395 Hexenprozesse im Mainzer Erzstift belegt, 361 endeten mit einer Hinrichtung. Die Aufführungen sollen die Zuschauer „zum Hingucken zwingen“, wie die Oberstufenschülerin Frida Rathenow sagt. Im Mittelpunkt steht der Fall einer Hexe, die verbrannt wird, die Rahmenhandlung ist ein Fest Schweikards auf der Burg.
Die historischen Fakten zu den Hexenverfolgungen unter Schweikard, aber auch zu seiner Kronberger Familie und zu seiner Herrschaft lassen sich bis zum Herbst auf 18 Plakaten auf dem Burggelände nachlesen. Die ersten wetterfesten Fahnen hat der Burgverein schon im Prinzengarten aufgehängt. Die Montage ist knifflig, wie Vereinsmitglied Annette Schäfer erläutert: In das Gestein des Baudenkmals darf nicht gebohrt werden.
„Ein Mann, der in seiner Zeit seinen Job gemacht hat“
Die Vernissage am Sonntag um 11 Uhr ist öffentlich. Auch dann wird sicher viel darüber gesprochen werden, was Walter Ried vom Verein Schweikards „wunden Punkt“ nennt. Gleichzeitig sind die Mitglieder sichtlich bemüht, den Erzbischof und Hexenverfolger als einen Mann darzustellen, der in seiner Zeit „seinen Job gemacht hat“: Die Wertevorstellungen änderten sich eben immer wieder, heißt es vom Verein. Wer tiefer eintauchen möchte als mit den je 100 Wörtern der Plakatfahnen, kann auf dem Burggelände den Audioguide in einer App nutzen und sich an der Kasse eine Broschüre kaufen. Für Kinder gibt es ein Mitmachheft.
Näher beleuchten soll das ein Symposium von Historikern am 19. September, zwei Tage nach dem 400. Todestag. Dann wird es auch um die Residenzstadt Mainz gehen – und um Schloss Johannisberg in Aschaffenburg, das Schweikard als Zweitresidenz neu bauen ließ. In Kronberg ist immerhin eine Huldigung 1611 bekannt. Auch dürfte Schweikard ab und zu seine Familie besucht haben. Aber als Stellvertreter des Kaisers war er im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation ein gefragter Mann. Als Kurfürst organisierte er zwei Kaiserwahlen.
Die Burg gehört seit 1994 einer Stiftung von Verein und Stadt, um den Betrieb kümmern sich die 170 aktiven der insgesamt 680 Vereinsmitglieder. Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt mit rund 19.000 Einwohnern hatte es kurz vor Weihnachten abgelehnt, einen Posten von 10.000 Euro für ein Konzert im Casals Forum aus Anlass des Schweikard-Jahrs im Haushalt für das Jahr 2026 bereitzustellen. Die Veranstaltungen finanziert der Burgverein mit Hilfe des Kulturfonds Rhein-Main und der Rheinberger-Stiftung.
