
Boehringer macht wichtigen Schritt bei Abnehmspritzen
Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim hat mit seinem Hoffnungsträger Survodutid einen wichtigen Schritt in den milliardenschweren Markt für Abnehmmedikamente gemacht. In einer entscheidenden Phase-3-Studie verloren übergewichtige Probanden ohne Typ-2-Diabetes mit der Abnehmspritze innerhalb von 76 Wochen im Schnitt 16,6 Prozent ihres Körpergewichts, wie das Familienunternehmen am Dienstag mitteilte. In der Placebo-Gruppe lag der Gewichtsverlust bei 3,2 Prozent. Damit bringt sich Boehringer weiter in Stellung für einen Markt, der bislang vom dänischen Pionier Novo Nordisk mit Wegovy und dem US-Pharmakonzern Eli Lilly mit Mounjaro dominiert wird.
Während der Gewichtsverlust mit Survodutid in einer ähnlichen Größenordnung wie bei Wegovy liegt, reicht er nicht an die Spitzenwerte von Eli Lillys Mounjaro heran. Boehringer-Chef Shashank Deshpande sieht darin jedoch keinen Nachteil für den späten Einstieg. “Wir wussten ja, dass wir etwas später auf den Markt kommen werden, aber mit der Glukagon-Komponente in Survodutid haben wir uns die Möglichkeit geschaffen, uns zu differenzieren”, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Das Medikament sei bewusst nicht auf den Massenmarkt für kurzfristige Lifestyle-Abnahmen ausgerichtet. “Wenn Sie einfach nur vor dem Strandurlaub zehn Wochen vorher mal ein paar Kilo verlieren wollen, dann bin ich mir nicht sicher, ob das die Patienten sind, die wir am besten bedienen können.”
Boehringer setze stattdessen auf die Qualität des Gewichtsverlusts und auf Patienten mit Begleiterkrankungen. Erste Analysen zeigten, dass vor allem Fettgewebe abgebaut und die Muskelmasse weitgehend erhalten bleibe. Survodutid ist ein sogenannter dualer Agonist, der zwei Wirkmechanismen kombiniert: Die GLP-1-Komponente zügelt den Appetit und verstärkt das Sättigungsgefühl. Der Glukagon-Teil soll dagegen direkt in der Leber wirken, um dort Fett abzubauen, den Stoffwechsel zu regulieren sowie Entzündungen und Gewebeverhärtungen zu lindern.
