
Die Hightechbranche steckt mitten in einer ihrer größten Wachstums- und Gewinnzyklen, da kündigen hochprofitable Unternehmen wie der Softwarehersteller Oracle, der Facebook-Konzern Meta oder der Internethändler Amazon die Streichung Tausender Stellen an. Nach Angaben der Analysten von Trading Platforms gaben große Techkonzerne im bisherigen Jahresverlauf bekannt, knapp 95.000 Arbeitsplätze kürzen zu wollen. Ende des Jahres könnten mehr als 300.000 Jobs gestrichen sein.
Im vergangenen Jahr hatte die Branche alles in allem knapp eine Viertelmillion Stellen gestrichen. Im Jahr zuvor waren es 150.000 Arbeitsplätze gewesen. Gründe für die wachsende Zahl von Stellenstreichungen sind einerseits die Langzeitwirkungen der globalen Covid-Pandemie, die zahlreiche Lieferketten reißen und neu organisieren lassen. Andererseits fordert der technische Wandel in Gestalt etwa von Systemen der Künstlichen Intelligenz (KI) seine ersten Tribute.
„Die jüngste Entlassungswelle knüpft an die jahrelangen Anpassungsmaßnahmen nach der Pandemie an, in deren Verlauf die weltweite Zahl der Beschäftigten im Technologiesektor um mehr als eine Million Stellen zurückgegangen war“, schreibt Martin Tunchev von Trading Platforms in seinem Bericht. Was als Korrektur des pandemiebedingten Einstellungsbooms begonnen habe, habe sich zu einem tiefgreifenden Wandel in der Arbeitsweise von Techfirmen entwickelt.
Europäer halten sich mit Streichungen traditionell eher zurück
Tunchev erklärt: „Unternehmen restrukturieren zunehmend Abteilungen, führen KI-gestützte Arbeitsabläufe ein und optimieren ihren Personalbestand, um die Effizienz zu steigern und Kosten zu senken.“ Ganz vorn in der Liste steht der Arbeitsmarkt in den Vereinigten Staaten. Hier sind in den ersten Monaten dieses Jahres mehr als 61.000 Stellenkürzungen bei den großen Techkonzernen angekündigt worden, gefolgt von Australien (4450), Indien (2040), Österreich (2000) und den Niederlanden (2000).
Gemessen an den Amerikanern halten sich Europäer mit Streichungen traditionell eher zurück. Während die österreichische AMS Osram wirtschaftliche Schwierigkeiten vorschützt, richtet ASML seine Managementstrukturen neu aus. Der niederländische Maschinenbauer beschäftigt derzeit 43.000 Mitarbeiter, fertigt Anlagen zur Herstellung von Chips, arbeitet mit einer Bruttomarge von 52 Prozent und hat ein randvolles Auftragsbuch. Der Kurs der Aktie notiert auf einem historischen Höchstwert.
An der Spitze der globalen Streichliste steht der US-Softwareriese Oracle, der unter den großen amerikanischen Techunternehmen der kleinste ist und mit milliardenschweren Aufwendungen in das Geschäft mit KI-Rechenzentren eingestiegen ist. Nun streicht er 15 Prozent der konzernweiten Arbeitsplätze. Der Grund: Das Unternehmen will intern selbst mehr mit KI-Systemen arbeiten.
