Der deutsche Botschafter Alexander Graf
Lambsdorff ist laut seiner Pressestelle ins
russische Außenministerium einbestellt worden. Lambsdorff solle sich
dort am Morgen wegen angeblicher Kontakte von
deutschen Politikern zu Terrororganisationen einfinden, sagte seine
Sprecherin der Nachrichtenagentur dpa.
»Der Einbestellung werde ich selbstverständlich
Folge leisten. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass die russische
Seite ihre Vorwürfe belegen kann«, sagte Lambsdorff laut der Sprecherin
vorab. Weitere Informationen werde es nach dem Termin im Ministerium
geben.
CDU-Abgeordneter Kiesewetter soll in Kyjiw tschetschenischen Exilpolitiker getroffen haben
Details waren zunächst nicht bekannt. Später teilte das russische Außenministerium mit, Anlass der Einbestellung sei ein kürzlicher Besuch des Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter (CDU) in Kyjiw. Dort habe sich der Politiker mit dem tschetschenischen Exilpolitiker Achmed Sakajew getroffen.
Sakajew ist Anführer der oppositionellen, im Exil tätigen Organisation Tschetschenische Republik Itschkerien, die sich für eine Unabhängigkeit der russischen autonomen Republik von Russland einsetzt und sich mit Sakajew im Amt des Präsidenten als Exilregierung Tschetscheniens begreift.
Kiesewetters mutmaßlicher Gesprächspartner erhielt Morddrohungen aus Tschetschenien
In Russland ist Sakajew als »Terrorist« und »Extremist« eingestuft. Ramsan Kadyrow, ein enger Vertrauter des russischen Staatschefs Wladimir Putin und autoritärer aktueller Präsident Tschetscheniens, hatte in der Vergangenheit Berichten zufolge zur Ermordung Sakajews aufgerufen.
Die Tschetschenische Republik Itschkerien war erst Anfang April von Russlands Inlandsgeheimdienst FSB als »Terrororganisation« eingestuft worden. Russlands Außenministerium wertete Kiesewetters mutmaßliches Treffen mit Sakajew als Beleg dafür, »dass die deutschen Behörden beabsichtigen, sich in die inneren Angelegenheiten Russlands einzumischen und Gefahren für dessen nationale Sicherheit zu schaffen«.
Lambsdorff ist seit 2023 deutscher Botschafter in Russland. Zuvor war er für die FDP Mitglied im Europäischen Parlament und Abgeordneter im Bundestag. Zuletzt war er im Juni 2025 vom russischen Außenministerium einbestellt worden; Grund war damals eine angebliche Verfolgung russischer Journalisten in Deutschland. Das Auswärtige Amt wies die Vorwürfe als »haltlos« zurück.
