
Die Gründungsmitglieder tragen große Namen; so ist Horst Hrubesch einer von ihnen. Auch der aktuelle Trainer Merlin Polzin und die früheren Publikumslieblinge David Jarolim und Collin Benjamin gehören zu jenen 100 Menschen, die das Fundament des neuen Genossenschaftsprojekts bilden werden. Ebenso werden Profis der Bundesliga-Mannschaft und Vereinsvertreterinnen wie Laura Ludwig aus dem HSV e.V. dabei sein.
Am 5. Mai wird der „Supporters Trust“ im Volksparkstadion gegründet. Es ist eine Beteiligungsidee, die der Hamburger SV von höchster Stelle in höchsten Tönen preist: „Es ist die erste fan- und mitgliederbasierte Beteiligung an einem Profiklub in Deutschland und für uns einmalig“, sagt Henrik Köncke, der Präsident des HSV e.V.: „Der Supporters Trust ist nicht am Reißbrett entstanden, sondern aus der Gemeinschaft heraus gewachsen.“ Auch der Name war ihr Wunsch.
Schon vor fünf Jahren hatte es aus Mitgliederkreisen die Forderung an die HSV AG gegeben, Mitgliedern und Fans durch einen Wechsel der Rechtsform von der AG zur KGaA die Möglichkeit zu geben, über eine Genossenschaft Anteile an der KGaA zu erwerben. Dieser Schritt wird nun vollzogen. Der Supporters Trust wird also auf Wunsch der Mitglieder des HSV e.V. gegründet. Der Supporters Trust schaffe den passenden Rahmen für eine Beteiligung der Fans und Mitglieder, indem er deren finanzielles Engagement bündele und somit Beteiligungen im Sinne des Vereins ermögliche, wirbt der HSV.
Mit dem eingenommenen Geld (bis zu 100 Millionen Euro) soll zum einen die schon geplante und finanzierte Stadionerweiterung auf 58.000 Plätze mit Baubeginn im Sommer beschleunigt werden. Auch 60.000 Plätze könnten möglich sein. In diesem Zuge soll der Volkspark durch hygienische Toiletten, angemessene Sicht von den Rängen und moderneres Catering an Spieltagen attraktiver werden. Hier liegt rund 30 Jahre nach Eröffnung vieles im Argen. Das eingenommene Geld soll zunächst in diese bessere Stadioninfrastruktur fließen. Weder Spielerkäufe noch Ausgaben zur Liquidität der KgaA sind vorgesehen – es geht also nicht wie früher mit Anleihen darum, Löcher im laufenden Betrieb zu stopfen.
Eine Möglichkeit der Mitgestaltung
Zum anderen geht es um eine engere emotionale Bindung der Fans und Mitglieder an den HSV sowie die Möglichkeit der Mitgestaltung. Projektleiterin Katharina Pilgrim hatte der Profimannschaft samt Trainerteam die Idee des Supporters Trust vor einigen Wochen in der Kabine vorgestellt. „Der Trust gibt dem Gefühl eine neue Ebene, dass wir zusammen mit den Fans mehr erreichen können“, sagt Trainer Polzin, „er ist eine weitere Möglichkeit, den HSV über die Ränge hinaus zu unterstützen.“
Auch hat der Verein Sicherheiten eingebaut, um rein renditeorientierte Investoren aus dem Genossenschaftskreis fernzuhalten: Interessenten bedürfen der Zustimmung des Vorstands der eingetragenen Genossenschaft; zudem gibt es nur einen Anteil pro Person. In den ersten zehn Tagen nach dem noch nicht datierten Auftakt sollen erst einmal HSV-Mitglieder die Möglichkeit erhalten, sich zu beteiligen. Danach kommen Fans dran, die kein Mitglied sind, aber eine Dauerkarte haben, ehe jede und jeder Anteile zeichnen kann – vorausgesetzt, es gibt noch welche.
Eine Stimme bei der Mitgliederversammlung
Durch den Erwerb zum Preis von 887 Euro sichern sie sich eine Stimme in der jährlichen Mitgliederversammlung der Genossenschaft. Für nichtgemeinnützige Unternehmen kostet die Beteiligung am Supporters Trust 18.870 Euro – angelehnt an das Gründungsjahr des Vereins 1887. Anders als bei einer Fananleihe werden Anteile am Supporters Trust weder verzinst noch mit einer Rendite versehen.
Wie viel Geld der HSV mit dem Supporters Trust einnehmen will, blieb in einem Hintergrundgespräch mit der Betriebswirtschaftlerin Katharina Pilgrim vor einer guten Woche zunächst offen. Die Ausgabe ist zunächst auf 18.870 Anteile begrenzt. Da sowohl Einzelpersonen als auch Firmen mehr als 887 oder 18.870 Euro zahlen können, lässt sich der eingesammelte Betrag noch nicht genau errechnen.
Um weitere Supporters Trust-Anteile anzubieten und auf bis zu 100 Millionen Euro Einnahmen zu kommen, was perspektivisch geplant und möglich ist, müsste die HSV Fußball AG & Co. KGaA ihr Kapital durch die Ausgabe neuer Aktien erhöhen.
„Wir wollen als Gemeinschaft an unserer Zukunft bauen“, sagt Trainer Merlin Polzin zum Supporters Trust, „hier entsteht etwas, das unabhängig von einzelnen Personen oder Ergebnissen funktioniert“. Es geht also um eine gemeinsame Zukunft – die aus HSV-Sicht vier Spieltage vor Saisonende natürlich bestenfalls in der Bundesliga stattfinden wird.
