Was gibt’s Besseres auf der Welt als Bayern? Ein Land, an dem der Herrgott vermutlich an allen sechs Schöpfungstagen mit äußerster Hingabe gearbeitet hat. Wer’s nicht glaubt, sollte hinfahren. Wer Restzweifel hegt, sollte Markus Söder fragen oder ihm in den sozialen Medien folgen. Als Ministerpräsident von der CSU ist er zwar nicht gänzlich unbefangen, findet für die Vorzüge seines Freistaates aber stets die schönsten Schwärmereien.
Eine sehr kleine Auswahl aus jüngster Zeit: Bayern ist „Sportland“, ist „Kulturland“, ist „Heimat der Global Player“, hat „Spitzenmedizin“, „steht in der ganzen Welt für echte Gastlichkeit“, und ist – Obacht, Ökos! – „vorne bei erneuerbaren Energien“. Auf der zehnstufigen Gianni-Infantino-Skala der Selbstlobhudeleien erreicht Söder mit seinem Bayrozentrismus eine 9,9. Das Paradies ist nichts dagegen.
So ganz unrecht hat der erste Mann im Freistaate ja nicht. Erst recht in diesen Tagen, an denen Söder unentwegt das „Aushängeschild des Freistaates in der Welt“ preisen darf. Es handelt sich, wie selbst Söder als Franke neidlos anerkennt, um den FC Bayern München, der alles dominiert, was in Deutschland (und weiten Teilen Europas) Rang und Namen hat.
Den Bayern blüht das Double-Triple
Am Samstag durfte Söder die Männer des FCB zur vorzeitig gewonnenen Fußballmeisterschaft beglückwünschen, am Mittwoch auch das Frauenteam. Und es könnte noch viel besser kommen: Beide Teams stehen sowohl im DFB-Pokalfinale wie im Champions-League-Halbfinale, sodass im Idealfall „die nächste historische Großtat“ (Vereinspräsident Herbert Hainer) blüht: das Double-Triple, also der Hauptgewinn aller vier verbleibenden Titel. Nicht auszudenken, was Söder im Erfolgsfall für einen Superlativ findet. „God’s own Football-Country“ vielleicht?
In der Bundesliga ist die Dominanz erdrückend. Beide Teams sicherten sich den Titel vier Spieltage vor Schluss, beide mit einer exorbitanten Tordifferenz: plus 80 die Männer, plus 76 die Frauen (bei acht Spielen weniger). Die Rekordmeistermänner schossen so viele Tore wie kein Team zuvor in einer Saison, die Frauen dürfen sich nach dem siebten Titel – dem vierten in Folge – nun Bundesligarekordmeisterinnen nennen. Es zeichne den FC Bayern seit jeher aus, dass er im Erfolg nicht nachlasse, sagte Vorstandschef Jan-Christian Dreesen zur Doppelmeisterschaft. Dass die Liga deshalb zu einer Konkurrenz um die billigeren Plätze zu verkommen droht, wurde hinreichend beschrieben.
Möglich, dass andere Großvereine künftig Mittel, Wege und Geld finden, um der bayerischen Übermacht zeitweise zu trotzen. Gut möglich, dass Borussia Dortmund auch bei den Frauen zum größten Herausforderer wird. Noch ist der BVB drittklassig, aber alles ist nach den Verpflichtungen der Stürmerin Alexandra Popp und des Sportchefs Ralf Kellermann auf die nationale Spitze ausgerichtet. Den Ligen da wie dort wäre es zu wünschen, dass die Lücke zu den Bayern nicht unüberbrückbar wird.
Ob die Saison gut endet oder grandios, entscheidet sich wie immer in der Königsklasse. Mit dem FC Barcelona (Frauen) und PSG bekommen es die Bayern mit den einzigen Teams zu tun, die womöglich noch besser sind als sie. In beiden Halbfinals sollen sogar Saupreißn vorhaben, die Daumen zu drücken. Dass man die spielfreudigen Bayern nicht mehr so doof, duselig und selbstherrlich finden kann wie früher, ist keine kleine Leistung.
