Keiner strahlt mehr Arroganz aus als Lasse Andersson. Der Däne mit der markanten Schauspieler-Optik spielt mit eisiger Fassade. Lächeln, schimpfen, scherzen – das ist etwas für die anderen. Auf dem Handballfeld soll niemand in sein Innerstes schauen. Deswegen hat sich der Rückraumschütze diese Cyborg-Vorderseite zugelegt.
Aura des Unantastbaren
Fangen, springen, schleudern: Bei seinen Würfen bekommt das Tornetz blaue Flecken. Die 20.000 Menschen in der Deutzer Arena staunten. Als sein Gegenspieler Johannes Wasielewski (28) ihn im Finale mit Griffen am Rande des Erlaubten provozierte, grinste Andersson nur – das wirkte überheblich. Später schüttelte er den müden Mann dann wie eine lästige Fliege ab.
2020 kam Andersson als großes Versprechen vom FC Barcelona zu den Füchsen, wurde aber häufig durch Verletzungen gebremst. Die Aura des Unantastbaren hatte er da schon mitgebracht – und hat inzwischen die ihm zugedachte Rolle als Schütze im prachtvollen Berliner Rückraum neben Nils Lichtlein und Mathias Gidsel eingenommen.
Leider, aus Berliner Sicht, wird dieses Trio bald gesprengt. Lasse Andersson, 32 Jahre alt, hat die zehn Jahre im Ausland vollgemacht und geht ab dem 1. Juli 2026 zurück in die Heimat, zum finanzstarken Aufsteiger Höj nach Kopenhagen. Im kleinen Königreich wird Rückkehrern nach einer Dekade anderswo ein satter Steuerrabatt gewährt. Das ist – neben der Familie in Kopenhagen – ein Hauptgrund für Andersson, seine Frau Nanna und Söhnchen Kalle, Berlin zu verlassen.
Zwar haben die Füchse in Nationalspieler Matthes Langhoff einen ordentlichen Ersatz für den linken Rückraum schon dabei, doch gibt es offenbar einen Plan, Andersson für wenigstens ein weiteres Jahr zu halten, wie die „Bild“ berichtet – sogar die Möglichkeit, zwischen den Hauptstädten zu pendeln, soll darin enthalten sein. Ab 2027 wird dann sein Nationalmannschafts-Kollege Simon Pytlick die Lücke schließen, ein ähnlich scharfer Schütze, in dessen Schatten Lasse Andersson bei den Dänen steht.
Ziemlich viele Rädchen greifen gerade ineinander beim deutschen Meister. Ähnlich dem SC Magdeburg basiert die Berliner Kraft auf Planung und Stetigkeit.
Beim zweiten überragenden Profi der Pokalrunde gibt es jedoch keine Gedankenspiele um eine Weiterverpflichtung: Dejan Milosavljev wird die Füchse in Richtung Polen verlassen und hat bei Kielce unterschrieben. Als neuen Torwart für 2026/27 hat Geschäftsführer Bob Hanning den 39 Jahre alten Andreas Palicka vertraglich gebunden; er wird zusammen mit dem 16 Jahre jüngeren deutschen Nationalkeeper Lasse Ludwig das Füchse-Duo bilden. Für die Spielzeit danach, wenn Dika Mem und Simon Pytlick kommen, arbeitet Hanning zwischen den Pfosten an einer größeren, aber bezahlbaren Lösung – das könnte der Norweger Torbjørn Bergerud sein.
Ob mit oder ohne den coolen Andersson wirken die Füchse derzeit, als hätten sie nicht nur auf dem Spielfeld auf alles eine Antwort, sondern dank Hannings guter Sponsorendeals auch in der Kaderplanung. Das muss für den Dauerrivalen aus Magdeburg wie eine Drohung klingen – wollte sich der SCM doch schon am Wochenende auf Fuchsjagd machen. In Köln wurde Bennet Wiegerts Team nach zwei schwachen Auftritten aber nur Vierter und Letzter.
