
Auf dem Markt für Leihfahrräder in Frankfurt hat es einen Wechsel gegeben: Nachdem sich Nextbike zum 1. April zurückgezogen hat, bietet Lime seit Mitte des Monats außer E-Scootern auch Fahrräder an. Hierbei handelt es sich, anders als beim einzigen in Frankfurt tätigen Konkurrenten, dem Deutsche-Bahn-Tochterunternehmen Call a Bike, um Elektroräder. Weil die E-Bikes im öffentlichen Straßenraum stehen, ist dafür wie für E-Scooter eine Sondernutzungserlaubnis nötig. Nach der zunächst bis Ende September gültigen Genehmigung dürfe Lime 607 E-Bikes aufstellen, teilt das in diesem Fall zuständige Amt für Straßenbau und Erschließung (ASE) mit. Call a Bike halte derzeit 1500 Räder bereit.
Die E-Bikes füllten neben den Elektrorollern eine Lücke im Sharing-Angebot, sagt Rania Bouaouina, bei Lime verantwortlich für die Kooperation mit der Stadt. Während E-Scooter durchschnittlich für Entfernungen bis zu 1,5 Kilometern genutzt würden, seien es bei Elektrofahrrädern mit 2,7 Kilometern etwas längere Wege. Auch sei es durch den Korb einfacher, Einkäufe oder Ähnliches zu transportieren. Die Nutzer von E-Scootern seien statistisch zwei bis drei Jahre jünger als die von E-Bikes. Viele Menschen hätten auf den Fahrrädern zudem ein höheres Sicherheitsgefühl im Vergleich zu den Rollern.
Virtuelle Abstellflächen nach festen Vorgaben
E-Bikes lassen sich auch in manchen Fahrradgeschäften ausleihen, für Lastenräder gibt es ebenfalls Anbieter. Nun geht es um den Verleih einer großen Zahl von Rädern auf öffentlichen Flächen, für den es Regelungsbedarf gibt. Während die Stadt das Management der E-Scooter an die lokale Nahverkehrsgesellschaft Traffiq übertragen hat, kümmert sich das ASE um die Leihfahrräder. In beiden Fällen gilt es, Ärger über falsch abgestellte Fahrzeuge zu vermeiden. Um die Akzeptanz zu erhöhen, will Lime deshalb einen „besonderen Fokus auf Ordnung, Parken und klare Regeln“ legen.
Wie Elektroroller dürfen Leih-E-Bikes nur auf bestimmten Flächen abgestellt werden. Eine entsprechende Liste müssen die Anbieter dem ASE vorlegen. Dieses prüft dann, ob zum Beispiel der Gehweg dafür breit genug ist und Radwege oder Feuerwehrzufahrten nicht blockiert werden. Eine Ladeinfrastruktur sei für die Elektroräder nicht nötig, sagt Bouaouina. Die Bauart der Akkus sei identisch mit jenen der E-Scooter. Sie könnten von denselben Teams getauscht werden, die für die Roller in der Stadt unterwegs seien.
Lime hat neben einem dichten Netz in der Innenstadt weitere Standorte über das ganze Stadtgebiet verteilt. Es handelt sich um feste Stationen, die allerdings nicht durch Markierungen oder Schilder erkennbar sind, sondern nur in der App hinterlegt sind. Das dürfte sich an einigen Stellen ändern, wenn die Stadt wie vorgesehen flächendeckend Mobilitätsstationen einrichtet. Je nach Größe sollen dort neben E-Scootern auch Leihfahrräder und Carsharing-Fahrzeuge angeboten werden. Die Anbieter müssen nach Angaben des ASE ihre eigenen, im Fall von Lime virtuellen Stationen entfernen, wenn es im Umkreis von 100 Metern eine Mobilitätsstation gibt.
Den Rückzug aus Frankfurt begründet Nextbike damit, dass ein Konzept für ein kommunales Bikesharing mit enger Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr fehle. Das sei die zentrale Voraussetzung für einen erfolgreichen und nachhaltigen Mobilitätswandel. Das Leipziger Unternehmen sei an einer festen Kooperation mit Nahverkehrsbetrieben interessiert. Ein Beispiel dafür findet sich in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz, wo Nextbike der Dienstleister für das Fahrradverleihangebot „Mein Rad“ der Mainzer Verkehrsgesellschaft ist. Nextbike will sich in den nächsten Monaten mit der „Neukonzeption des Systems“ befassen und schließt eine Rückkehr nach Frankfurt nicht aus.
Die Zeiten, als vor neun Jahren chinesische und amerikanische Anbieter mit Mieträdern die Innenstadt fluteten, sind in Frankfurt vorbei. Während Call a Bike die festen Stellplätze mit Hinweisschildern markiert hat, kontrolliert Lime die virtuellen Stationen seiner E-Bikes ähnlich wie jene der E-Scooter: Beim Abstellen muss mit dem Mobiltelefon ein Foto der Parksituation gemacht werden, das nach Angaben des Unternehmens KI-gestützt in Echtzeit überprüft werde. Zudem werden Parkverbotszonen per Satellitenortung GPS kontrolliert. Falsch abgestellte Räder können über die Telefonnummer 0 69 / 77 04 47 33 gemeldet werden.
