
Seinen ersten Kontakt mit der Frankfurter Stolperstein-Initiative hatte er als Journalist. Hartmut Schmidt, damals Redakteur beim Evangelischen Pressedienst, schrieb 2003 einen Artikel über die Verlegung von Stolpersteinen in der Mainmetropole. Das Projekt, das an Verfolgte des NS-Regimes erinnert, begeisterte ihn – und im Jahr darauf trat er der Initiative bei. Bald wurde Schmidt zu ihrer treibenden Kraft, 2008 ihr Vorsitzender.
In engem Kontakt mit dem Initiator des Stolpersteine-Projekts, dem Künstler Gunter Demnig, sorgte Schmidt dafür, dass aus einer zunächst auf den Stadtteil Nordend fokussierten Gruppe eine Initiative wurde, die sich stadtweit mit den Schicksalen von Verfolgten auseinandersetzte. Biographien der NS-Opfer wurden erforscht und Paten gefunden, die sich um die einzelnen Gedenksteine kümmern.
Stolpersteine sind kleine Betonquader, die von Demnig und seinen Unterstützern in das Straßenpflaster eingelassen werden. Verlegt werden sie an den Häusern, in denen Menschen lebten, bevor sie in die Flucht getrieben, deportiert oder getötet wurden. Auf einer an der Oberseite der Gedenksteine befestigten Messingplatte sind die Namen sowie Geburts- und Sterbedaten der Verfolgten verzeichnet.
20 Jahre lang war Schmidt das Gesicht der Initiative
Hartmut Schmidt, 1942 als Sohn eines Pfarrers in Schwaben geboren,
war in den Sechzigerjahren nach Westberlin gezogen, wo er an der Freien Universität Publizistik studierte und sich in der Studentenbewegung engagierte. 1994 lernte er Hilde Schneider kennen, eine frühere Pfarrerin. Sie war von den Nazis wegen ihrer jüdischen Herkunft nach Riga deportiert worden, Schmidt schrieb ihre Lebensgeschichte in dem Buch „Zwischen Riga und Locarno“ auf. Später arbeitete er an der Wanderausstellung „Getauft, ausgestoßen – und vergessen?“ mit, die von der Verfolgung von Christen jüdischer Herkunft im Nationalsozialismus erzählte.
20 Jahre lang war Schmidt in der Frankfurter Stolpersteine-Initiative aktiv, 2021 wurde er für sein Engagement mit der städtischen Ehrenplakette ausgezeichnet. 2023 zwang ihn eine Erkrankung, sich aus der Arbeit der Gruppe zurückzuziehen. Nun gab die Stolpersteine-Initiative bekannt, dass Schmidt am vergangenen Mittwoch nach langer, schwerer Krankheit im Kreis seiner Familie gestorben ist. Er wurde 83 Jahre alt.
