
Es geht voran. Die Deutsche Bahn hat wie angekündigt neuerlich die Unterlagen für die Baugenehmigung der Wallauer Spange eingereicht, über die eines Tages die Wiesbadener in Windeseile zum Flughafen gelangen können. Der Frankfurter Hauptbahnhof wird weiterhin nach Kräften umgebaut, er bekommt eine schicke B-Ebene, einen Lichthof und ein weiteres Gleis, damit die Züge sich nicht so arg um die wenigen Plätze vor dem Querbahnsteig drängeln müssen.
An der nordmainischen S-Bahn wird gearbeitet, ebenso wie am Riederwaldtunnel – beides Projekte, über die jahrzehntelang geredet wurde, ohne dass etwas geschah. Sogar die Regionaltangente West, lange eine Fata Morgana der Verkehrspolitik, strebt ihrer Fertigstellung entgegen. Das Terminal 3 des Frankfurter Flughafens steht unmittelbar vor der Eröffnung.
Infrastruktur wird umfassend ertüchtigt
Man muss diese vollendeten und absehbar fertigen Verkehrsprojekte einmal aufzählen, um den verbreiteten Eindruck zu korrigieren, in diesem Land gehe nichts voran. Es stimmt schon, es dauert alles. Es dauert auch zu lange. Aber jedenfalls im Rhein-Main-Gebiet wird die Infrastruktur seit geraumer Zeit sehr wohl ertüchtigt, erweitert, auf ein zeitgemäßes Level gehoben.
Natürlich sind Rückschläge und Verzögerungen einzukalkulieren. Bloß weil für die vier Kilometer lange Querverbindung von Wiesbaden zum Frankfurter Flughafen die Unterlagen beim Eisenbahn-Bundesamt eingereicht sind, muss es noch lange keinen Baubeginn geben. Die S-Bahn-Linie 6 fährt zwar seit zwei Jahren auf eigenen Gleisen von Frankfurt bis Bad Vilbel, aber noch lange nicht weiter bis Friedberg. Je weiter die Regionaltangente West gebaut ist, desto dringender stellt sich die Frage, wann eine Regionaltangente Ost angegangen wird. Angesichts des wachsenden Straßenverkehrs stößt auch das Autobahnnetz an seine Grenzen. In Wiesbaden müssen sich Fahrgäste des öffentlichen Nahverkehrs offenbar dauerhaft mit schlichten Omnibussen begnügen, während in Frankfurt, Darmstadt und Mainz moderne Straßenbahnen eine viel attraktivere Alternative zum Autoverkehr bieten.
Doch unterm Strich ist im Wortsinne viel in Bewegung geraten in jüngerer Zeit in diesem Ballungsraum, der derlei angesichts seiner zentralen Lage mitten in Deutschland auch bedarf. Der Frankfurter Flughafen, das gleichnamige Autobahnkreuz und der Hauptbahnhof der Stadt zählen zu den wichtigsten Knoten des Verkehrs in der Bundesrepublik, zudem müssen die unterschiedlichen Verkehrswege die Fahrten der nach Hunderttausenden zählenden Pendler innerhalb der Region bewältigen. Kann sein, dass man deshalb vorübergehend da und dort im Stau steht oder Umwege nehmen muss. Doch gilt, um einen sonst auf Kinder gemünzten Spruch leicht abzuwandeln, immer und in einem fort: Baustellenlärm ist Zukunftsmusik.
