Man denke nur an den Fünfjahresvertrag mit den Orlando Magic in der besten Basketballliga der Welt, dotiert mit einem Spitzengehalt von umgerechnet 190 Millionen Euro. Oder an den Gewinn der Weltmeisterschaft 2023 sowie der Europameisterschaft 2025. Und dies alles auch noch einsortiert und abgefeiert als „magische Story“ in einem Vierteiler des ZDF.

Trotzdem fand der 24-Jährige sein Berlin-Erlebnis im Januar „surreal“ und „verrückt“. Denn es war mehr als eine sentimentale Reise für ihn und seinen älteren Bruder Moritz zurück zu den Wurzeln. Der Trip schien eine ideale Gelegenheit, den Mitstreitern die Wagner’sche Art für Familiensinn und Teamgeist zu vermitteln.
Mannschaftskollege Paolo Banchero war jedenfalls sehr angetan: „Ich weiß, das ist etwas Besonderes für die beiden. Es war phantastisch, ihre Eltern und einige ihrer Freunde kennenzulernen.“ Aktuell ist die Stimmung jedoch längst nicht mehr so entspannt.
Die Magic, die noch vor Beginn der Saison als Aspiranten für einen Spitzenplatz in der Eastern Conference der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA eingestuft wurden, wissen derzeit nicht mal, ob es für einen Platz in der Play-off-Runde der besten 16 reichen wird, die am Samstag angepfiffen wird. Denn während es beim NBA-Spiel gegen die Memphis Grizzlies im Januar in Berlin noch schien, als hätte sich Franz Wagner von einer im Dezember erlittenen Verletzung am linken Knöchel erholt, war sie offensichtlich noch nicht vollends auskuriert.
Eine kuriose K.-o.-Runde wartet
Das zwang ihn im Februar abermals zu einer Pause und sorgte dafür, dass die Mannschaft ihre Position im oberen Teil der Tabelle der Eastern Conference verlor. Der Mann mit der Nummer 22 war erst vor zwei Wochen wieder fit genug, um das Team zu verstärken, das dank ihm den Leistungsknick überstand und fünf der letzten Spiele der regulären Saison gewann. So landete man in der Endabrechnung wenigstens auf dem achten Tabellenrang.
Vor 2023 hätte das zu einer Play-off-Teilnahme gereicht. Seitdem jedoch müssen die vier Mannschaften auf sieben, acht, neun und zehn in einer den Play-offs vorgeschalteten, kuriosen K.-o.-Runde gegeneinander antreten. In diesen sogenannten Play-in-Spielen könnte Orlando an diesem Mittwoch (Donnerstag, 1.30 Uhr MESZ) in Philadelphia gegen die siebtplatzierten 76ers mit einem Sieg die Play-off-Qualifikation sicherstellen.
Knöchel und Unterschenkel bandagiert
Sollte man verlieren, gäbe es in der für Freitag angesetzten Auseinandersetzung mit dem Sieger der Begegnung des Neunt- gegen den Zehntplatzierten (Charlotte Hornets und Miami Heat) eine weitere Chance. Bei einer neuerlichen Niederlage wäre man ausgeschieden.
Gegen die Boston Celtics am vergangenen Sonntag konnte man sehen, dass Franz Wagner solchen Herausforderungen noch immer nicht voll gewachsen ist. Er spielte zwar 26 Minuten, seine seit der Rückkehr längste Einsatzzeit. Aber in den Ruhephasen auf der Bank wurden sein Knöchel und der Unterschenkel bis hoch zum Knie mit dicken Bandagen umwickelt.
Er selbst schwächte hinterher ab: „Mir geht es ganz gut. Ich versuche, durchzuhalten.“ Er wolle es „klug angehen“ und die Lektion aus den Wintermonaten nicht beiseiteschieben, als er auf dem Europa-Trip zu früh wieder auf dem Platz stand.
Moritz Wagners Zukunft ist ungewiss
Immerhin kann Moritz Wagner seit Januar wieder ein ordentliches Pensum abliefern – nachdem er vorher 13 Monate wegen eines Kreuzbandrisses ausgefallen war. Seine Zukunft im Team ist ungewiss. Die Magic hatten ihm zwar einen Einjahresvertrag gegeben, als noch gar nicht feststand, ob und wann er wieder mitmachen würde. Die Abmachung läuft Ende dieser Saison aus.
Für den Münchner Tristan da Silva sieht die nahe Zukunft etwas klarer aus. Orlando hatte ihn bei der Nachwuchs-Draft 2024 als achtzehnten Spieler des Talentepools ausgewählt. Das Team nutzte bereits im Oktober die Option, ihn für eine dritte Saison zu verpflichten – für eine Gehaltssumme von umgerechnet 3,3 Millionen Euro.
Wie geht es mit Trainer Jamahl Mosley weiter?
Demgegenüber spekulieren NBA-Beobachter schon seit einiger Zeit über das weitere Schicksal von Trainer Jamahl Mosley. Der versucht seit 2021, die Mannschaft auf das Niveau eines Meisterschaftsaspiranten zu hieven. Das Team stand 2009 zum letzten Mal in der Finalserie und konnte bislang noch nie den Titel gewinnen. Aber die Resultate seit Beginn seiner Amtszeit waren vergleichsweise bescheiden.
Der derzeit am häufigsten genannte Name eines potentiellen Nachfolgers: Billy Donovan. Der hatte mit der University of Florida zweimal die amerikanische Meisterschaft gewonnen, war aber in der NBA mit Oklahoma City Thunder auch nur einmal bis ins Halbfinale vorgestoßen. Er steht zurzeit bei den Chicago Bulls unter Vertrag, deren Bilanz unter seiner Führung eher unterdurchschnittlich ist.
Die Chancen an diesem Mittwoch gegen Philadelphia stehen übrigens nicht schlecht. Zwar hatte Orlando zwei der drei Begegnungen der beiden in der regulären Saison verloren. Aber die 76ers werden wohl ihren besten Mann nicht aufbieten können. Center Joel Embiid hatte sich vor wenigen Tagen einer Blinddarmoperation unterziehen müssen.
Ein Grund mehr, das umzusetzen, was Franz Wagner am Sonntag forderte: „Wir müssen mit der richtigen Einstellung in das Spiel gehen und besseren Basketball spielen.“
