Der Irankrieg wirkt sich nach Ansicht des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj negativ auf Bemühungen um ein Ende des Ukrainekriegs aus. Wenn der Krieg im Iran »länger andauert, dann wird es weniger Waffen für die Ukraine geben«, sagte Selenskyj im ZDF. Lieferungen fänden zwar statt, seien aber langsamer. Über das Patriot-System, das die USA umfangreich gegen den Iran einsetzt, sagte Selenskyj zugleich: »Wir haben so ein Defizit gerade schon, schlimmer geht es nicht mehr.«
Auch über die mangelnde Verfügbarkeit der US-Unterhändler Jared Kushner und Steve Witkoff beschwerte sich der ukrainische Präsident. »Sie sind ständig im Gespräch mit dem Iran und haben keine Zeit für die Ukraine«, sagte Selenskyj bei Maybrit Illner. Das zeige, dass die USA ihren Fokus derzeit auf den Nahen Osten legten.
Nichtsdestotrotz bezeichnete Selenskyj den Krieg gegen den Iran als globale Herausforderung. »Das ist der Krieg der ganzen Welt«, sagte er und verweis unter anderem auf globale wirtschaftliche Auswirkungen sowie europäische Militärstützpunkte. Die Ukraine stehe bereits den Golfstaaten zur Seite, auch den USA habe man mehrfach Hilfe angeboten, sagte Selenskyj. Die ukrainische Regierung könnte demnach aus ihren Erfahrungen mit dem Schwarzen Meer schöpfen und zur Öffnung der gesperrten Straße von Hormus beitragen.
Russland profitiert von Zerwürfnissen im transatlantischen Verhältnis
Angesprochen auf sein Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump zeigte Selenskyj sich zwiegespalten. Trump habe »schon von Anfang an gesagt, er bleibt in der Mitte« und stelle sich weder auf die Seite der Ukraine noch Russlands, sagte Selenskyj. Trumps Signale gegenüber Russland seien allerdings »positiver« als die gegenüber der Ukraine. Grundsätzlich bemühten sich die USA stärker, »Aufmerksamkeit« von Russlands Staatschef Wladimir Putin zu bekommen.
Selenskyj bekräftigte seine frühere Aussage, wonach Putin sich lediglich vor Trump fürchte. »Wenn die USA keinen Druck auf Russland ausüben, dann werden sie keine Angst mehr haben«, sagte er. Dafür sei auch ein gutes Verhältnis zwischen europäischen Partnern und den Vereinigten Staaten wichtig. Russland habe sich über Zerwürfnisse zwischen den USA und der EU »gefreut«, sagte Selenskyj.
Deutschland ist Selenskyj zufolge derzeit der »größte strategische Partner« in der Europäischen Union. »Die Amerikaner finanzieren unseren Kampf nicht, ich möchte die USA und Deutschland nicht vergleichen, aber Deutschland hilft mehr«, sagte Selenskyj.
Vor seinem Interview im ZDF hatte Selenskyj bereits Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) getroffen und einen Ausbau der Beziehung zwischen den Ländern angekündigt. Am heutigen Mittwoch treffen sich in Berlin die Unterstützerstaaten der Ukraine zu neuen Gesprächen. Bei dem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe werden unter anderem der Verteidigungsminister der Ukraine, Mychajlo Fedorow, und Nato-Generalsekretär Mark Rutte teilnehmen.
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