Die Bergung des Atommülls aus der maroden Schachtanlage Asse
in Niedersachsen verschiebt sich erneut um mehrere Jahre. »Mit dem jetzigen
Kenntnisstand lässt sich der Rückholbeginn 2033 nicht mehr darstellen«,
teilte die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) am späten Abend mit.
Erst wenn ein neuer Schacht Asse 5 mit Förderanlage gebaut sei, könne mit den Vorbereitungen für die Rückholung begonnen werden, hieß es.
Die
Betreibergesellschaft im niedersächsischen Peine geht jetzt davon aus,
dass diese Schachtförderanlage 2039 einsatzbereit sein könnte. Bisher hatte die BGE mit dem »Rückholplan 2020« den Beginn der
Bergung für 2033 anvisiert. In den vergangenen Wochen war aber
bekanntgeworden, dass der Termin geplatzt ist.
Kein fester Termin für die Bergung
»Derzeit bestehen noch so viele Unsicherheiten
im Gesamtsystem, sodass seriös kein neuer Rückholbeginn genannt werden
kann«, hatte eine BGE-Sprecherin im März gesagt. Umplanungen im Ablauf
seien ein wesentlicher Grund dafür, dass derzeit kein Gesamtplan
vorgelegt werden könne, sagte die Sprecherin damals. Nun informierte die
BGE, dass sich der Beginn der Aktion um mindestens sechs Jahre verschiebt.
Die Berichte über den geplatzten Starttermin
hatten Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) verärgert:
»Ich bin empört, dass die vom Bundestag beschlossene Räumung der Asse
auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden soll, aber stattdessen
die Flutung des Bergwerks vorbereitet wird«, hieß es in einer damaligen
Stellungnahme. Die Bundesregierung solle dafür sorgen, dass sich die BGE
an das Asse-Gesetz halte und die Räumung des »absaufenden Bergwerks« endlich angehe.
126.000 Fässer mit schwach und mittel radioaktiven Abfällen
In der Schachtanlage im Landkreis Wolfenbüttel
liegen in 13 Kammern rund 126.000 Fässer mit schwach und mittel radioaktiven Abfällen, die in den 60er und 70er Jahren dort
eingelagert worden waren. Da die Asse als instabil gilt, sollen die Fässer zurückgeholt werden. Es gibt den gesetzlichen Auftrag – die sogenannte Lex Asse –, das Bergwerk unverzüglich zu räumen und stillzulegen. Die BGE in Peine ist zuständig für die Rückholung.
In ihrem Plan aus dem Jahr 2020 hatte BGE mit Kosten bis
zum Start der Rückholung von mehr als drei Milliarden Euro kalkuliert.
Wie sich dieser Betrag angesichts der neuen Zeitplanung verändert, blieb
zunächst unklar.
Transporte in Zwischenlager
Auch in Nordrhein-Westfalen beschäftigen sich die Entsorger mit radioaktivem Müll aus den Atomkraftwerken. Ende März kam der erste Transport von Atommüll aus dem rheinischen Jülich nach einer Fahrt durch Nordrhein-Westfalen im Zwischenlager Ahaus im Münsterland an. Insgesamt müssen aus dem früheren Versuchsreaktor Jülich rund 300.000 Brennelemente-Kugeln abtransportiert werden.
Es gibt in Deutschland derzeit keine Endlager, in denen strahlende Atomabfälle über Hunderttausende Jahre hinweg sicher gelagert werden können. Stattdessen gibt es 16 Zwischenlager, darunter das in Ahaus. Die Suche nach einem Standort für ein Endlager könnte bis in die 2070er-Jahre andauern. Das ursprüngliche Ziel, bis 2031 ein Endlager zu finden, war zuletzt ersatzlos gestrichen worden, da es sich als nicht realistisch erwiesen hatte. Eine gesetzliche Frist sei nicht mit den Anforderungen an das Auswahlverfahren für den bestmöglichen Standort vereinbar.
