Die Zahl neu abgeschlossener dualer Ausbildungsverträge ist im Jahr 2025 leicht zurückgegangen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wurden insgesamt 461.800 neue Verträge abgeschlossen, was einem Rückgang von 2,8 Prozent oder 13.300 neuen Ausbildungsverträgen im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Der leichte Rückgang der Neuabschlüsse, der bereits im Jahr zuvor verzeichnet worden war, setzte sich somit fort. In den Jahren 2021 bis 2023 hatte es noch leichte Zuwächse gegeben. Die wissenschaftliche
Direktorin des gewerkschaftsnahen Instituts WSI, Bettina
Kohlrausch, bezeichnet diesen Rückgang als besorgniserregend. “Er zeigt, dass ein
wichtiger Integrationsmotor des deutschen Ausbildungs- und
Arbeitsmarktes ins Stottern geraten ist”, teilte sie weiter mit.
Frauen vor allem in freien Berufen
Aus den Zahlen geht hervor, dass deutlich mehr Männer eine duale Berufsausbildung begannen: Sie machten 64 Prozent aus, Frauen hingegen lediglich 36 Prozent. Die meisten Frauen, die eine duale Ausbildung begannen, gab es demnach in den freien Berufen, zu denen medizinische Fachangestellte sowie Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte zählen. Auch in der Hauswirtschaft (80 Prozent) lernten ganz überwiegend Frauen, wie die Zahlen des Bundesamtes zeigen. Dies galt auch für den öffentlichen Dienst, in dem 63 Prozent Frauen vertreten waren.
Auch die Zahl über alle Ausbildungsjahrgänge hinweg war 2025 mit rund 1,2 Millionen Personen leicht rückgängig. Sie sank um 0,8 Prozent oder 10.000 Personen. Besonders viele Auszubildende gab es in den Bereichen Industrie und Handel mit 677.100 Auszubildenden sowie im Handwerk mit 342.700 Azubis.
Kohlrausch fordert eine Weiterentwicklung der Ausbildungsplatzgarantie
Die duale Berufsausbildung ist eine Kombination aus Theorie in der Berufsschule und Praxis im Betrieb. Laut Kohlrausch ist Deutschland zu Recht stolz auf dieses System, das auch Menschen ohne Hochschulreife gute Einstiege in stabile und erfolgreiche Erwerbsbiografien ermöglicht. Sie fordert eine Weiterentwicklung der Ausbildungsplatzgarantie, durch die jedem Jugendlichen ein individueller Rechtsanspruch auf einen Ausbildungsplatz ermöglicht werden soll. Momentan würden viele Jugendliche ohne Ausbildungsplatz bleiben, da die Nachfrage zwar steigt, das Angebot aber sinkt.
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) kritisierte derweil, dass es auch einen Mangel an geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern gebe. Zudem wirke sich die angespannte wirtschaftliche Lage “dämpfend auf die Besetzung von Ausbildungsplätzen aus”, teilte DIHK-Ausbildungsexperte Nico Schönefeldt mit.
Die Fachkräftesicherung stelle aber insbesondere vor dem Hintergrund des sich verschärfenden demografischen Wandels eine zentrale Herausforderung dar. Ihm zufolge ist es wichtig, “alle Potenziale konsequent zu erschließen und junge Menschen gezielt mit Ausbildungsbetrieben zusammenzubringen”. Eine systematische, praxisnahe Berufsorientierung sowie frühzeitige Praktika könnten dazu beitragen, “mehr junge Menschen für die duale Ausbildung zu gewinnen und ihnen einen erfolgreichen Übergang ins Berufsleben zu ermöglichen”.
