Auch in ihrem vierten Anlauf auf das Präsidentenamt in Peru schafft es Keiko Fujimori von der rechtskonservativen Partei „Volkskraft“ in die Stichwahl. Die Tochter des früheren autoritären Präsidenten Alberto Fujimori holte bei der Wahl am Sonntag laut Hochrechnungen mehr als 16 Prozent der Stimmen, mehr als alle anderen Kandidaten. Gegen wen Fujimori im Juni in der Stichwahl antritt, stand am Sonntagabend noch nicht fest. Von den insgesamt 35 Kandidaten aus ebenso vielen Parteien lagen in den ersten Hochrechnungen und Nachwahlumfragen vier praktisch gleichauf. Verlässliche Resultate werden erst am Montag erwartet.
Die hohe Anzahl von Kandidaten spricht nicht für die Stärke der peruanischen Politik, sondern eher für das Gegenteil. Der Wahlsieger wird Perus neuntes Staatsoberhaupt in den letzten zehn Jahren sein. Eine Serie von Amtsenthebungen, Rücktritten und Interimsregierungen hat die vergangenen Jahre geprägt. Der letzte Regierungswechsel ist gerade einmal zwei Monate her. Nach der Absetzung von Übergangspräsident José Jerí nach nur vier Monaten im Amt hat der Kongress den linksgerichteten José María Bancázar eingesetzt. Das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik befindet sich seit Jahren im Keller. Die politische Landschaft ist zersplittert.
Die politische Instabilität und die Korruption zählen zu den größten Sorgen der Peruaner, übertroffen nur durch die Gewalt, die eines der zentralen Wahlkampfthemen ist. Peru hat in den vergangenen Jahren einen markanten Anstieg von Gewaltverbrechen erlebt. Die Mordrate hat sich seit 2019 verdoppelt. Auch Entführungen, Erpressungen und andere Formen der Bandenkriminalität haben zugenommen.
In diesem Szenario ist Fujimori eine der wenigen Konstanten. Trotz ihrer 50 Jahre gilt sie bereits als ein politisches Urgestein in Peru. Die von ihr angeführte „Volkskraft“ ist eine der wenigen Parteien des Landes, die über eine solide und überregionale Basisbewegung verfügen. Dieses Fundament an treuen Wählern hat Fujimori in den vergangenen drei Präsidentenwahlen jeweils den Einzug in die Stichwahl ermöglicht.
Fujimori führt gewissermaßen das politische Erbe ihres Vaters weiter, dessen „First Lady“ sie nach der Scheidung ihrer Eltern schon in jungen Jahren war. Der 2024 verstorbene Alberto Fujimori hatte Peru nach einem Selbstputsch im Jahr 1992 zunehmend autoritär regiert. Während seiner Regierung kam es zu schweren Menschenrechtsverletzungen. Später wurde Fujimori deswegen und wegen Korruption zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Fujimori war aber auch bekannt für das Wirtschaftswachstum während seiner Regierung, für seinen erfolgreichen Kampf gegen die Hyperinflation, gegen die Gewalt und die Terrorgruppe „Leuchtender Pfad“ sowie für den Ausbau von Sozialprogrammen.
Seine Tochter profitiert von diesem Image und der Wählerbasis, zu der vor allem auch ärmere und ältere Peruaner zählen. Sie setzt auf eine „harte Hand“ gegen Kriminalität und Migration und will die Armee und die Geheimdienste im Kampf gegen die Bandengewalt und die organisierte Kriminalität einsetzen. Das Ziel sei es, Peru von der Gewalt zu befreien, sagt Fujimori. Auch spricht ihre Partei von einem „Deregulierung-Schock“.
Fujimori Einzug in die Stichwahl war eines der wenigen vorhersehbaren Resultate. Das macht sie jedoch nicht automatisch zur Favoritin. Bereits dreimal zuvor hatte Fujimori an diesem Punkt gestanden. Dreimal war sie jedoch knapp gegen ihre Kontrahenten gescheitert. Auch bei dieser Wahl dürfte sie es schwierig haben. Fujimori mag zwar eine starke Wählerbasis haben, ebenso stark ist jedoch jener Teil der Wählerschaft, die Fujimori unter keinen Umständen wählen würde.
