
Im Zuge des geplanten Sportfördergesetzes hat der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), Idriss Gonschinska, mehr Fokus auf den Parasport gefordert. „Der paralympische Spitzensport ist hier zwar grundsätzlich erwähnt und auch anerkannt, und das ist erst mal ein wichtiges Signal“, sagte er der F.A.Z., „aber aus unserer Sicht muss nachgeschärft werden, weil bisher die wirklich verbindliche strukturelle Gleichstellung des paralympischen Sports noch fehlt.“
Der paralympische Sport werde aktuell in Deutschland trotz positiver Entwicklungen nicht gleichberechtigt zum olympischen Sport gefördert. Man wünsche sich daher künftig, durch eine „starke Stimme“ in dem Entscheidungsgremium vertreten zu sein, damit von Beginn an der Parasport mit seinen Besonderheiten mitbedacht werde.
Paralympisch denken
Ende März hatte das Bundeskabinett das Sportfördergesetz beschlossen. Ein entscheidender Punkt dieser Reform ist die Errichtung einer Spitzensportagentur. Sie soll für weniger Bürokratie sorgen und eigenständig das Fördergeld mit dem Fokus auf Erfolge verteilen. Im Stiftungsrat sollen dabei insgesamt neun Positionen besetzt werden, die unter anderem aus zwei Mitgliedern des Deutschen Bundestags, zwei Mitgliedern aus dem Bundeskanzleramt und einer Person aus dem Bundesfinanzministerium bestehen. Des Weiteren entsenden die Länder ein Mitglied. Drei Positionen darf der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) besetzen. Inwieweit einer dieser Plätze explizit den Parasport vertreten werde, ist laut Gonschinska noch unklar.
„In diesem neuen Konstrukt sollte die Vielfalt des Sports abgebildet sein“, sagte der Siebenundfünfzigjährige. „Das heißt, dort braucht es natürlich auch die Idee, von Anfang an auch paralympisch zu denken.“ Dies sei vor allem ein wichtiger Schritt vor dem Hintergrund einer deutschen Bewerbung um die Olympischen Spiele und damit gleichzeitig auch um die Paralympischen Spiele. Gonschinska hob außerdem hervor, dass Deutschland im Zuge der Professionalisierung des Parasports weltweit nicht den Anschluss verlieren dürfe.
Anzeichen für einen gewissen Negativtrend sah er zuletzt vor anderthalb Monaten bei den Winter-Paralympics in Mailand und Cortina d’Ampezzo, bei denen Deutschland mit insgesamt 17 Medaillen zwei Podiumsplätze weniger erkämpfen konnte als noch vier Jahre zuvor in Peking.
