Die Geschichte der trickreichsten Mannschaft des Basketballs beginnt mit einem Trick. Im Jahr 1926 soll ein Mann namens Abraham „Abe“ Saperstein als Trainer und Besitzer das Basketball-Team des Savoy Ballroom in Chicago übernommen haben. Doch gefällt ihm der Name des Teams, „Savoy Big Five“, wohl nicht, und er benennt es um. Fortan tritt die Mannschaft als „Harlem Globe Trotters“ an, obwohl weder der in England geborene Saperstein noch einer seiner Spieler aus New York stammen. Vermutlich möchte Saperstein mit der Wahl des Ortsnamens sowohl auf die rein afroamerikanische Zusammensetzung des Teams anspielen und wahrscheinlich auch einen Bezug zur seinerzeit bedeutend gewordenen Harlem Renaissance, der ersten Blüte afroamerikanischer Kunst herstellen, während der Begriff „Globe Trotters“ Weltläufigkeit suggerieren soll, schließlich ist das Unternehmen ja auf Tingelei ausgerichtet.
Ob sich die Gründung des heute legendären Basketball-Teams exakt so zugetragen hat, ist bis heute umstritten und Anlass zur Debatte amerikanischer Sporthistoriker, gerade was die Rolle Sapersteins in den frühen Jahren angeht. Von Mitte der Dreißigerjahre an ist er aber gesichert Manager der Harlem Globetrotters, die diese erst seit Mitte der Fünfzigerjahre ausschließlich verwendete Schreibweise des Team-Namens hie und da schon verwenden.
Überliefert ist auch die Angewohnheit der Globetrotters, bei einer komfortablen Führung in den damals noch ernsthaft ausgetragenen Partien in die Trickkiste zu greifen oder Slapstickeinlagen zu liefern. Diese humoristischen Showelemente bestimmen heute weitgehend die Auftritte der Globetrotters, die in der Tat längst in aller Welt vorspielen und sich dabei immer noch der ungebrochenen Wirkung ihres ältesten Tricks gewiss sein dürfen.

„Noch immer denken viele Menschen, das Unternehmen säße in Harlem. Und wenn ich dann sage, ich wohne in Houston in Texas, fragen sie, ob ich da fortwährend Tausende Meilen nach New York pendeln muss“, berichtet vergnügt in einem Frankfurter Hotel Louis „Sweet Lou“ Dunbar, eine der Globetrotters-Legenden: „Ich kann sie dann beruhigen, dass es gar nicht so weit ist. Die Harlem Globetrotters sind nämlich immer noch nicht in New York, sondern nun schon seit etlichen Jahren in einem Vorort von Atlanta in Georgia beheimatet.“
Auch dort ist Dunbar vermutlich eher selten anzutreffen, ist der mittlerweile 72 Jahre alte Hüne doch noch immer im Einsatz für sein Team. Seit nun 49 Jahren ist Dunbar ein Globetrotter im wahrsten Sinne des Wortes, immer auf Achse, erst 27 Jahre lang als Spieler mit der Rückennummer 41, die ihm zu Ehren nicht mehr vergeben wird, danach viele Jahre als Coach des Teams und nun als Mentaltrainer für die jungen Spieler sowie als Botschafter für sein Team.
In dieser Funktion ist er auch nach Frankfurt gekommen, hat dort mit einigen Globetrotters die Rollstuhlbasketball-Mannschaft der Skywheelers besucht, um einige Bälle zu werfen, zu fachsimpeln und die Liebe zum Spiel zu teilen. Diese Liebe zum Basketball-Spiel sei auch für einen Globetrotter die wichtigste Voraussetzung, weil sie für die Unbekümmertheit bei den Auftritten sorge, bei denen ja keine einstudierten Choreographien aufgeführt würden, meint Dunbar. Zudem helfe es, mit den Strapazen zurechtzukommen, weiß er aus eigener Erfahrung. Schließlich sind die Harlem Globetrotters ständig auf Tour, ein Team national in den Vereinigten Staaten, das andere international. In mehr als 120 Ländern dieser Erde ist die Mannschaft mittlerweile aufgetreten, meist mit den Washington Generals als Gegner, die die Globetrotters zwar zu Höchstleistungen anstacheln, aber bloß nicht gewinnen sollen.
„Die vielen Spiele und die langen Reisen sind natürlich anstrengend“, sagt Dunbar: „Doch heute ist es gewiss annehmlicher. Nun sind wir wie in Frankfurt in einem guten Hotel wie dem Marriott untergebracht, und es ist völlig selbstverständlich. Das war in unserer Geschichte lange nicht so. Ich erinnere mich noch an die Geschichten meines Coachs Tex Harrison von den Auftritten im amerikanischen Süden in den Fünfziger- und Sechzigerjahren. Dort spielten die Globetrotters erst ein Spiel für ein schwarzes Publikum und wechselten dann den Platz, um ein Spiel für ein weißes Publikum zu absolvieren. Die Spieler wurden bei schwarzen Familien untergebracht, weil es ihnen nicht gestattet war, in den örtlichen Hotels unterzukommen. Diese Jungs haben damals viel auf sich genommen, damit das Team dort stehen kann, wo es heute steht“, sagt Dunbar, der auch um die bittere Ironie des internationalen Ansehens der Globetrotters in den Jahren dieser Rassentrennung weiß.

Für die amerikanische Regierung war das Team nämlich da schon längst ein Aushängeschild, dessen Popularität während des Kalten Krieges immer mal wieder genutzt wurde, um dem Rest der Welt die Möglichkeiten persönlichen und sozialen Aufstiegs zum American Dream durch sportliche Leistungen vor Augen zu führen. Diesem Umstand verdanken die Globetrotters aber wenigstens ihr größtes Publikum in ihrer nun hundertjährigen Geschichte. Nach einem Spiel in Frankfurt hatte sie der damalige Hohe Kommissar John Jay McCloy gebeten, auch in Berlin (West) aufzutreten. Dort sollten die Globetrotters quasi ein Alternativprogramm zu einem bolschewistischen Jugendfestival im sowjetischen Sektor der Stadt bieten. Als die Globetrotters am 22. August 1951 im Berliner Olympiastadion gegen die Boston Whirlwinds antraten, sollen wenigstens 75.000 Zuschauer im Stadion gewesen sein, eine der größten Kulissen für ein Basketball-Spiel überhaupt.
Vor solchen Massen tritt das Team, das seine Spieler und Spielerinnen wesentlich aus dem in Amerika immens populären College-Basketball und eigenen Audition-Camps rekrutiert, heute natürlich nicht an, füllt aber verlässlich große Hallen. Oft seien es Eltern mit ihren Kindern oder Großeltern mit ihren Enkeln, die früher selbst einmal eine Globetrotters-Show gesehen haben und dieses Erlebnis weitergeben möchten, sagt Dunbar, der aber anmerkt, dass sich das Team dafür der Zeit anpassen musste. „In den Achtzigerjahren erlebten wir eine schmerzhafte Delle. Wir waren zu selbstgefällig geworden, verließen uns nur auf unseren Namen. Da haben wir sicher eine Generation an Kids verloren. Aber wir haben daraus gelernt, so wie übrigens auch die NBA. Mit all dem Licht und dem Glitter kamen auch die Fans zurück. Und vielleicht im Gegensatz zur NBA fiel es uns leicht, tolles Basketball mit Unterhaltung zu kombinieren, weil das ja seit jeher unser Metier war“, sagt Dunbar lachend, der auch ein Profi-Leben abseits der Globetrotters kennengelernt hat.
Als Schweizer Meister zu den Harlem Globetrotters
Als College-Spieler der University of Houston schaffte er es in die NBA-Drafts und wurde 1975 von den Philadelphia 76ers gewählt, spielte aber nie in der NBA, sondern wechselte zu SP Federale Lugano in die Schweiz, mit denen er 1976 Schweizer Meister wurde und auch in der Euro-League spielte, bevor er sich 1977 den Globetrotters anschloss, nicht wissend, dass er hier seine Lebensaufgabe finden würde: „Ich weiß noch, wie ich zu Fred Curly Neal und George Meadowlark Lemon, die beide fast 20 Jahre lang für das Team spielten, sagte, so lange würde ich nie dabei sein. Und dann waren es 24 Jahre als Spieler und nun auch schon 25 Jahre als Coach und Botschafter. Aber ich liebe es noch immer. Ich mag es, Menschen zu treffen, und ich liebe die lachenden Gesichter im Publikum. Das ist mein Trick.“
Die Harlem Globetrotters sind von 22. April bis 10. Mai mit ihrer „The 100 Year Tour“ in Deutschland unterwegs. Am 29. April gastieren sie in der Süwag Energie Arena in Frankfurt.
