Ein führerloser Zug? Das junge Mädchen staunt, als es mit seiner Schwester und den Großeltern in der neuen Skyline-Bahn vom Terminal 1 in den Süden des Frankfurter Flughafens zum Terminal 3 fährt. „Ja, so ist das heute“, sagt sein Opa. „Und der hat auch ganz schön Speed drauf, der hebt gleich ab.“
Das wollen viele sehen. 30.000 Menschen hatten sich schon vor Wochen für das „große Terminal 3 Event“ am Frankfurter Flughafen angemeldet, wie die Veranstalter, der Radiosender „FFH“ und der Flughafenbetreiber Fraport, den ersten öffentlichen Termin im neuen Flughafenneubau getauft haben. Die Tickets für fünf Euro (gelten als Verzehrmarke) waren schnell ausverkauft. An diesem Samstag und am Sonntag können sich diejenigen, die eines ergattert haben, nun das neue Terminal anschauen. Stadtfest-Flair samt Riesenrad-Fahrt inklusive.
Schon um kurz nach neun Uhr am Samstagmorgen wartet eine lange Schlange von Besuchern vor dem Zugang zur neuen Skyline-Bahn. Doch es geht zügig voran. Gut so: Im Regelbetrieb muss die Bahn mehrere Tausend Besucher je Stunde bewegen. In knapp acht Minuten bringt der fahrerlose Zug die ersten Besucher Richtung Süden, mit freiem Blick auf das Rollfeld und die Zukunft des Frankfurter Drehkreuzes.
In der Bahn, die eigentlich keine ist, weil sie auf Reifen statt auf Schienen fährt, drücken Kinder ihre Nasen an die Scheiben, Erwachsene zücken Smartphones, um die Eindrücke einzufangen. Fast am Terminal angekommen, löst der Anblick eines großen Riesenrads Begeisterung aus. Derweil stauen sich die Autos, die am Parkhaus mit rund 8500 Stellplätzen südlich des Terminals abgestellt werden können.
Prüfende Blicke auf die Architektur
Nach der Bahnfahrt geht es vorbei am Busbahnhof über die Ankunftsebene hinein ins Terminal-Hauptgebäude, wo die meisten erstmal die Architektur bestaunen. Fotogene Wegmarken wie der große FRA-Schriftzug auf der Terrasse oder die hängenden „Donuts“ des Künstlers Julius von Bismarck sind dicht umlagert. Kameras klicken, Stimmen hallen durch die hohe Halle. In dieser sind allerlei Stände aufgebaut. Der Zoll informiert über die Arbeit mit seinen Spürhunden, die Bundespolizei, die Bundeswehr und auch die Fraport selbst werben für eine Karriere in ihren Unternehmen.
Die Check-in-Halle beeindruckt die Besucher: 18 Meter Glasfassade, klare Linien, helle Flächen, viel Raum. Seit wenigen Wochen sind zudem an der Nordwestseite der Halle zwei großformatige Leinwände angebracht, auf denen am Besuchertag Videobilder von der Sicherheitskontrolle, dem zentralen Marktplatz und den Gates zu sehen sind. Hinein in diese Gebäudeteile dürfen die Neugierigen allerdings nicht, geöffnet sind nur die Check-In-Halle und der große Vorplatz mit den Zufahrten. Im Sicherheitsbereich hätte man die Besucherströme weniger gut lenken können, hieß es dazu von der Fraport. Es wären weitere Kontrollen notwendig gewesen.

Das sorgt für etwas Unmut. So etwa bei den Geschwistern Marie und Felix Aust, beide um die 30 Jahre alt, die das neue Terminal mit ihrer Mutter erkunden, die als Mitarbeiterin des Architekturbüros Mäckler unmittelbar am Bau beteiligt war. Besonders aufmerksam betrachten die drei folgerichtig die gestalterische Handschrift des neuen Terminals. „Der Stil ist ganz anders als im Norden“, vergleicht Marie Aust den Neubau mit den alten Terminals. „Es ist cleaner, reduzierter“, findet ihr Bruder. „Aber wir hätten gern auch den Sicherheitsbereich gesehen, mit den Gates und dem Marktplatz.“

Dafür bietet das große Riesenrad, das im Osten des Hauptgebäudes aufgestellt ist, einen guten Überblick über das Hauptgebäude, die drei Flugsteige und den Vorfeldkontrollturm. Astrid Antmann, Rentnerin aus dem Frankfurter Stadtteil Bockenheim, macht die lange Warteschlange davor nichts aus. „Ich liebe den Flughafen“, sagte sie. Früher habe sie als Chauffeurin zum alljährlichen Filmfestival „Go East“ in Wiesbaden Regisseure vom Flughafen abgeholt und in die Landeshauptstadt gebracht. Auch heute sei sie noch oft am Flughafen, holt entweder Freunde und Verwandte ab oder fliegt selbst nach Trinidad und Tobago. „Das mache ich seit zehn Jahren“, erzählt sie.
Auch beim Testbetrieb im neuen Terminal, mit dem insgesamt 8000 Menschen aus der Region seit dem vergangenen Herbst die Abläufe im Terminal auf Herz und Nieren geprüft haben, wäre sie gern dabei gewesen. Leider habe sie auf ihre Bewerbung eine Absage bekommen.
Flughafen-Fans reisen von weit her an
Auch Klaus Hofmann, Rentner aus Dresden, ist ein Flughafen-Fan. Er hat sein Berufsleben in der Fliegerei verbracht, zuletzt als Flugzeugmechaniker bei den Elbe-Flugzeugwerken in Dresden. „Ich bin extra nach Frankfurt gekommen. Flughäfen haben mich schon immer begeistert“, sagt er. Sein erster Eindruck: „Ich bin von der Größe schon beeindruckt.“
Hofmanns und Antmanns Begeisterung teilen nicht alle: In den Wochen vor dem Fest hatten die luftverkehrskritischen Bürgerinitiativen Kritik geäußert. Probleme wie der Lärm und die umweltschädlichen Emissionen durch den Luftverkehr, die mit dem neuen Terminal noch zunähmen, würden „mit Partyfeiern ausgeblendet“, hieß es von deren Sprecherin Ursula Fechter.
Die Stimmung an diesem Wochenende beeinflusst das freilich nicht. Draußen vor dem Terminal, wo bald Reisende aus Taxis steigen werden, sitzen Menschen vor Pommesbuden oder lassen sich bei sonnigem Wetter von Polizeibeamten die Unterschiede ihrer Einsatzfahrzeuge erklären: Vor dem Terminal stehen unter anderem ein Eagle IV, ein leicht geschütztes militärischen Einsatzfahrzeug, und ein Polizeipanzer vom Typ „Sonderwagen IV“.
Ein DJ spielt am Rand des großen Vorplatzes angenehme Hintergrundbässe ab, in der Mitte heizt eine Liveband den Besuchern ein. „Ready to take off“ ist an diesem Wochenende also weniger Startsignal für Flugzeuge als ein Signal des Flughafenbetreibers Fraport an die Region: Das neue Terminal ist fertig.
