
Starke Hitze über einen längeren Zeitraum ist besonders dann gefährlich, wenn sie in Kombination mit extremer Trockenheit oder aber mit n extremer Luftfeuchtigkeit auftritt. In einer Untersuchung von Forschern des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven wird nun durch die Analyse von Messdaten, von diversen Modellierungen und historischen Recherchen gezeigt, dass die jüngste Häufung von kombinierten Hitze-Dürre-Ereignissen durch den menschengemachten Klimawandel und nicht etwa durch natürliche Schwankungen zu erklären ist.
Das gilt auch für Hitzewellen, die mit hoher Luftfeuchtigkeit verbunden ist. Das großflächige Auftreten solcher schwüler Hitzewellen wie im Jahr 2023 in Asien war bislang jedoch kaum verstanden. Eine Studie in „Nature Geoscience“ legt nahe, dass die Erwärmung der Küstengewässer für 50 bis 64 Prozent des Anstiegs der großflächig auftretenden schwülen Hitzewellen verantwortlich ist. Ein internationales Team um das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) weist den Zusammenhang zwischen der Erwärmung der Küstengewässer und schwülen Hitzewellen für weite Teile der Erde nach. Am stärksten zeigt er sich im tropischen Teil Südamerikas und in Afrika. Aber auch in Regionen, die weiter vom Äquator entfernt sind, spiele das Zusammenwirken der Erwärmung von Land und Ozean eine wichtige Rolle, sagt Hauptautor und PIK-Forscher Fenying Cai. Dazu zählen zum Beispiel Osteuropa und der Südosten der Vereinigten Staaten. Haupttreiber sind die Rossby-Wellen, planetarische Schwingungen, die die warme Feuchtigkeit in Richtung Landinneres transportieren. Lediglich bei isolierten lokalen Hitzewellen ist der Zusammenhang mit erwärmten Küstengewässern geringer.
Hitzestress durch mehr Luftfeuchtigkeit
Der Hitzestress hat in den letzten zehn Jahren rapide zugenommen, da wärmere Ozeane mehr Wasser verdunsten. Hinzu kommt, dass wärmere Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Die Atmosphäre transportiert diese feuchtwarme Luft an Land, wodurch die Hitze dort verstärkt wird. Leichte Niederschläge erhöhen die Luftfeuchtigkeit weiter. So sorgt die Erwärmung im Indischen Ozean für mehr schwüle Hitze in Südasien und im Nahen Osten, während die Erwärmung des tropischen Nordatlantiks die Risiken im nördlichen Südamerika verstärkt.
Bei schwülen Hitzewellen droht dem Körper Überhitzung, weil er nicht mehr durch Schwitzen abkühlen kann. Eine feuchte Hitze ist ab einer Temperatur von mehr als 35 Grad Celsius für Menschen lebensgefährlich, auch für Gesunde. Tiere und Pflanzen können dann ebenfalls kein mehr Wasser verdunsten, um sich bei Hitzestress zu abzukühlen.
Für die Studie untersuchte das Forscherteam verschiedene Klimadaten aus den Jahren 1982 bis 2023. Die Wissenschaftler bezogen allerdings dynamische Faktoren, etwa Veränderungen der Ozeanströmungen wie El Niño, nicht ausreichend mit ein. Diese könnten die Hitzewellen weiter beschleunigen. „Ein besseres Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Land und Ozean ist der Schlüssel für wirksame Strategien zur Klimaanpassung“, sagt Co-Autor und PIK-Forscher Jürgen Kurths. So könnten die Meeresoberflächentemperaturen an den Küsten als potenzieller Frühwarnindikator für schwüle Hitzeereignisse nützlich sein.
Zudem unterstreichen die Ergebnisse den Forschern zufolge die Notwendigkeit, das Pariser Klimaabkommen einzuhalten. Wärmere Ozeane haben nicht nur weitreichende Folgen im Wasser und an angrenzenden Küstengebieten, sondern diese reichen bis tief in das Landesinnere hinein. Das legen auch frühere Studien rund um den Persischen Golf oder in Südasien nahe. Überhaupt gilt: Länder, die historisch am wenigsten für Emissionen verantwortlich sind, tragen die größten Risiken. AWI-Forscherin Di Cai sagt: „Wenn sich an der derzeitigen Klimapolitik nichts ändert, könnte fast ein Drittel der Weltbevölkerung bis zum Ende des Jahrhunderts häufigeren und schwereren Hitze-Dürre-Bedingungen ausgesetzt sein.”
