Es ist kein Stürmer, kein Torwart, kein Trainer und auch kein Mannschaftsteil, der Vincent Kompany im Verlauf seiner kleinen Schwärmerei über den SC Freiburg zuerst in den Sinn kommt, sondern ein Paar. „Die Jungs, die im Moment in Freiburg spielen, Manzambi, Suzuki, das sind sehr gute Spieler“, sagt der Trainer des FC Bayern am Samstag nach dem glücklichen 3:2 beim Sportclub in der Bundesliga.
Dieser Satz passt hervorragend, denn Johan Manzambi und Yuito Suzuki werden in der Freiburg-Blase ähnlich miteinander verknüpft wie frühere Fußballerpaare, die in besonderer Weise zusammengehören: Xavi und Iniesta oder Robben und Ribéry zum Beispiel. Nun also die Freiburger Variante „Manzambi und Suzuki“, ein 20 Jahre alter Schweizer und ein drei Jahre älterer Japaner, die am Donnerstagabend im ersten Europapokalviertelfinale der Freiburger Vereinsgeschichte gegen Celta Vigo zentrale Rollen spielen sollen (21 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League und bei RTL).
Zwar ergänzen sich die beiden auf dem Rasen nicht ganz so kongenial wie die Legenden aus Barcelona oder München, und sie spielen auch noch ein ganzes Stück unterhalb des Weltklasseniveaus. Aber sie haben das Spiel des SC Freiburg zusammen verändert, seit es dem Trainer Julian Schuster gelungen ist, für beide einen Platz im Team zu finden. Weil sie die zuvor oft mageren Auftritte mit Tempo, Ideenreichtum, technischer Raffinesse, Spielwitz und Courage bereichern.
Etwas länger im Fokus steht Manzambi, dessen Laufwege durchs Mittelfeld aufgrund ihrer Wucht sofort ins Auge fallen. Wo andere sich aus Angst vor Ballverlusten im Zweifel verstecken, traut sich der in Genf aufgewachsene Fußballer jederzeit zu, ein Anspiel in Empfang zu nehmen. Manzambi verkörpert einen Mut, der diesem trotz der großen sportlichen wie wirtschaftlichen Erfolge immer noch dezent auftretenden Klub guttut. „Im Offensivbereich hat er die Qualität, auch über Eins-gegen-eins-Situationen in engen Räumen, wo er den Ball festmachen kann, um dann torgefährlich zu werden“, sagt Schuster und der Schweizer Nationaltrainer Murat Yakin schwärmt: „Er hat einen unglaublichen Tordrang, das habe ich noch selten bei einem Spieler gesehen.“

Noch müssen die erstaunlichen Kräfte vielleicht etwas präziser gesteuert werden, was sich auch an seinen beiden Platzverweisen in dieser Saison zeigt, die durch unabsichtliche, aber eben doch etwas zu riskante Aktionen entstanden sind. Aber die Schweizer Zeitung „Tagesanzeiger“ schreibt nach den ersten Auftritten Manzambis fürs Nationalteam: „Ist er am Ball, heißt es: ‚Lights, camera, action.‘“ Manzambis Marktwert hat sich seit seinen ersten Startelfeinsätzen in der Bundesliga vor einem Jahr von 750.000 Euro auf – geschätzt – 35 Millionen entwickelt. Eine unglaubliche Steigerung von fast 4000 Prozent. Damit ist Manzambi ein schönes Beispiel für die Freiburger Entwicklungsarbeit.
Aus der U18 von Servette Genf kam er als Teenager vor drei Jahren zum SC, spielte zunächst bei den Junioren und anschließend in der zweiten Mannschaft in der dritten Liga, wo er bereits vom damaligen Übergangstrainer Schuster betreut wurde. „Für mich als Fußballer war Freiburg die perfekte Wahl“, sagt das Talent. Inzwischen sollen sich etliche Großklubs mit Manzambi beschäftigen, von dem manche Beobachter glauben, er könne während einer erfolgreichen WM die Marktwertschwelle von 50 Millionen Euro überschreiten.
Eine Folge des wirtschaftlichen Wachstums beim SC Freiburg
Nicht minder bedeutsam für den verfeinerten Freiburger Spielstil ist Yuito Suzuki. Denn in den Räumen, wo in der vergangenen Saison die Gegen-den-Ball-Spezialisten Eren Dinkci, Patrick Osterhage, Junior Adamu oder Lucas Höler unterwegs waren, gehören mit Manzambi und Suzuki plötzlich Dribblings, tiefe Läufe mit Ball am Fuß und gefährliche Fernschüsse zum Repertoire. Das ist auch eine Folge des wirtschaftlichen Wachstums des Klubs.
Wenn der Sportchef Jochen Saier von einem „verantwortbaren Shift im Umgang mit den veränderten Möglichkeiten“ spricht, denkt er an Transfers wie jenen von Suzuki. Zehn Millionen Euro hat der Klub im vergangenen Sommer für den Japaner an Brøndby IF nach Dänemark überwiesen. Damit gehört er zu den teuersten Spielern, die die Freiburger je unter Vertrag genommen haben. Seither hat sich Suzukis Marktwert auf – geschätzt – 18 Millionen Euro fast verdoppelt, wobei die Freiburger hoffen, dass ihnen dieser Spieler vielleicht nicht ganz so schnell weggekauft wird wie Manzambi. Weil sein Name außerhalb Freiburgs bislang noch nicht so sehr im Fokus steht, woran weitere Europa League-Erfolge etwas ändern können.
Denn Suzuki ist ein Spieler für die großen Momente. „Die Intensität, mit der er in jedes Spiel geht, ist klasse. Er hat ein ganz feines Gespür und versteht so viel. Wenn ich ihm etwas erklären will, weiß er es meistens schon“, sagt Schuster. Zum Achtelfinal-Erfolg gegen Genk trug Suzuki einen Treffer und eine Vorlage bei, beim 1:1 im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen Hertha BSC schoss er das Tor für den SC, traf im Elfmeterschießen und war die dominierende Figur des Abends.
So soll es in den Duellen gegen Celta Vigo und dann im DFB-Pokal-Halbfinale beim VfB Stuttgart in zwei Wochen weitergehen, wo der SC Freiburg die Chance hat, seine seit Jahren akribisch entwickelte Grundstabilität mit dem Zauber des Fußballerpaares „Manzambi und Suzuki“ zu veredeln.
