Die Deutsche Bahn berichtet von Fortschritten beim Umbau des Frankfurter Hauptbahnhofs. Für Mai sei die Wiedereröffnung des Ausgangs von der B-Ebene zur Kaiserstraße und zu den Bahnsteigen der Straßenbahnhaltestelle geplant, Ende Juni würden die ersten Geschäfte in dem bereits renovierten Teil der unterirdischen Verteilerebene eröffnet. Darunter seien Filialen der Fast-Food-Ketten McDonald’s und Kentucky Fried Chicken, ein Geschäft des Bäckers Eifler und eventuell auch der neue Standort der Apotheke, die derzeit vorübergehend am Querbahnsteig untergebracht sei, sagte Katja Maaser, die für die Deutsche Bahn das Bauvorhaben leitet.
Der Konzern saniert die unterirdische Verteilerebene seit geraumer Zeit. Der nördliche Teil war schon zur Fußballeuropameisterschaft 2024 so weit fertig, dass die Wege vom Bahnhof zu den Ausgängen eröffnet werden konnten, die Läden jedoch sind bisher nicht bezogen. Hier wird derzeit von den künftigen Betreibern an den Inneneinrichtungen gearbeitet.
Neuer Aldi-Markt im nächsten Jahr
Währenddessen haben sich die Arbeiten der Deutschen Bahn in den südlichen Teil der B-Ebene verschoben. Maaser rechnet damit, dass die Wege dort zum Jahresende eröffnet werden, darunter womöglich auch der Ausgang zur Münchener Straße. Ebenso wie im Nordteil werde die Eröffnung der Geschäfte dort später geschehen, darauf habe die Deutsche Bahn keinen Einfluss. Maaser erwartet jedoch, dass der dort seit Längerem geplante Aldi-Markt, der auch an Sonntagen geöffnet sein soll, im Juli nächsten Jahres seinen Betrieb aufnimmt.

Wenn die beiden Abschnitte der B-Ebene fertiggestellt sind, wird sich die Arbeit in die Schalterhalle und das davon nördlich gelegene Gebäude am Querbahnsteig verlagern, in dem sich derzeit noch die Apotheke befindet. Die Schalterhalle, also der Zugang vom Vorplatz, der in Höhe der Gleise 12 und 13 auf den Querbahnsteig stößt, wird sich in den nächsten Jahren grundlegend verändern. Sie soll aufgebrochen werden, sodass Fahrgäste und Passanten künftig auf die Ebene darunter blicken und diese auch über einen neuen Abgang erreichen können. Die Deutsche Bahn spricht von einem Lichthof, wie es ihn ähnlich seit Jahren im Leipziger Hauptbahnhof gibt. Gleichzeitig wird die Schalterhalle renoviert. Um Baufreiheit zu erlangen, werden die Geschäfte an ihrer Seite aufgegeben. Zudem wird der am Querbahnsteig liegende Informationsschalter der Bahn im Sommer ein Stück nach Süden verlagert, er soll seinen Platz künftig neben der Buchhandlung haben.
Arbeiten für Lichthof später
Anders als bisher geplant solle zunächst nicht mit dem Lichthof, sondern mit der Sanierung der Decke und der Fassaden der Schalterhalle begonnen werden, wie Maaser weiter berichtet. Damit die Halle während der Arbeiten an der Decke geöffnet bleiben kann, wird zum Schutz der Fahrgäste ein Gerüst mit einer Abdeckung aufgebaut, Maaser spricht von einem „Raumtragwerk“. Für das Aufbrechen des Bodens muss die Halle dann aber später gesperrt werden. Die Fahrgäste sollen dann vom Querbahnsteig durch einen neuen Durchgang, der dort entsteht, wo gegenwärtig noch die Apotheke untergebracht ist, auf den Bahnhofsvorplatz gelangen. Im Moment lasse sich noch nicht sagen, wann mit diesem Bauabschnitt begonnen werden könne, sagt die Projektleiterin, wahrscheinlich im Jahr 2028. Das Ziel sei es aber, dass die Schalterhalle so kurz wie möglich geschlossen werden müsse und die Arbeiten dort im Jahr 2029 oder 2030 abgeschlossen würden.

Derzeit laufen im Hauptbahnhof Arbeiten an einer sogenannten Gleisbrücke zwischen den Gleisen 15 und 16. Es geht dabei um den Tunnel, der die Bahnsteige in deren Mitte unterirdisch verbindet. Seine Decke wird dort, wo die beiden Gleise mitsamt dem dazwischenliegenden Bahnsteig darüber führen, erneuert. Mitte des Jahres wird zudem mit den Arbeiten für den Bau des künftigen Gleises 25 an der Nordseite der Bahnhofshalle begonnen. Der Hauptbahnhof zählt bisher die Gleise 1, 1a sowie 2 bis 24. Das Gleis 25 gab es einmal vor Jahrzehnten, es soll nun neu entstehen und damit die Kapazitäten des Bahnhofs erweitern. Es wird ebenso wie das Gleis 24 nicht bis zum Querbahnsteig führen und zudem etwas außerhalb der Halle liegen. Derzeit befinden sich dort noch Parkplätze.
Verlagerung der Taxistände
Indirekt zählt zum Umbau des Hauptbahnhofs auch die Verlagerung der Taxistände. Die Fahrzeuge stehen derzeit auf der Nordseite des Bahnhofsvorplatzes. Wahrscheinlich von Ende April an werden die Taxis auf der Poststraße auf Fahrgäste warten, nachrücken werden sie von ebenfalls neuen Wartepositionen auf der Ottostraße um die Ecke.
Der Umbau des Hauptbahnhofs reicht jedoch noch weiter: So soll auch der Querbahnsteig erneuert werden, und zwar deshalb, weil er Maaser zufolge auf Dauer nicht mehr die Menschenmengen tragen kann, die angesichts der steigenden Fahrgastzahlen erwartet werden. Derzeit sind im gesamten Hauptbahnhof ungefähr 450.000 Menschen am Tag unterwegs, kalkuliert wird künftig mit 600.000. Damit die Reisenden auch rasch zu den Zügen kommen können, soll es auf dem Querbahnsteig künftig weniger Pavillons mit Geschäften und Gastronomiebetrieben geben als gegenwärtig.
Es erscheint gut möglich, dass die bisher geplanten Bauarbeiten, wenn sie denn irgendwann in den Dreißigerjahren abgeschlossen werden, mehr oder weniger fließend in ein noch größeres Vorhaben übergehen: den Bau des Fernbahntunnels mit einer unterirdischen Station mit vier Gleisen an der Südseite des Hauptbahnhofs. Dieses Projekt ist aber noch nicht beschlossen, anders als die zeitlich näher liegenden Erneuerungen und Sanierungen, mit denen Projektleiterin Maaser seit 2020 befasst ist.
