
Die Monroe-Doktrin lautet, in der geläufigen Zusammenfassung: Amerika den Amerikanern, Europa den Europäern. Donald Trump hat sich zwar ausdrücklich diesen zweihundert Jahre alten Wahlspruch des fünften Präsidenten der Vereinigten Staaten auf die Fahnen geschrieben.
Aber offensichtlich nur den ersten Teil. Denn das europäische Land Ungarn ist er keineswegs bereit, den Europäern zu überlassen, schon gar nicht den Regeln und Vertretern der Europäischen Union. Die EU ist, nur kurz zur Erinnerung, ein Staatenverbund, dem sich Ungarn höchst freiwillig angeschlossen hat und den es jederzeit verlassen könnte.
Ein Mann nach dem Geschmack Trumps
In Ungarn regiert seit 16 Jahren Viktor Orbán, dem diese europäischen Regeln und Institutionen lästig sind, weil sie bei Machtmissbrauch und Korruption zumindest ein wenig im Wege stehen. Orbán ist ein Mann ganz nach dem Geschmack Trumps.
Nun steht am kommenden Wochenende eine Wahl bevor, durch die Orbán die Macht verlieren könnte. Dem will Trump nicht tatenlos zusehen. Er schickte wenige Tage vor der Abstimmung seinen Vizepräsidenten JD Vance, der seit der Münchener Sicherheitskonferenz 2025 als besonders eifriger EU-Hasser notorisch ist.
Was sagte Vance? Er wolle sich keineswegs in die Wahl einmischen, sondern nur den Ungarn zurufen, sie sollten sich für ihre Souveränität und gegen die schlimmen Brüsseler „Bürokraten“ entscheiden. So viel zur Monroe-Doktrin.
