
Der Mann am anderen Ende der Leitung ist gut drauf. Er arbeitet in der Branche, die mit dem Verkauf von Solarpanels ihr Geld verdient, und weiß von steigendem Interesse an dieser Technik zu berichten. Denn Kriegs- und Krisenzeiten wie diese, in denen die Energiepreise steigen, sind Zeiten, in denen die Erkenntnis, dass das Verfeuern endlicher fossiler Brennstoffe zur Energiegewinnung nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann, auf einmal noch ein bisschen einleuchtender erscheint. Und man sich nach Alternativen umsieht.
Die Branche kann sich noch aus anderen Gründen freuen. Denn der Rückblick auf das Frankfurter Wetter im März zeigt, dass die Sonne länger scheint. 196,7 Stunden zeigte sich die Sonne, das sind 69 Prozent mehr als im Referenzzeitraum der Jahre 1961 bis 1990 mit 116,4 Stunden. Mit Blick auf den Zeitraum 1991 bis 2020, in dem der Klimawandel schon wirksam war, ist es aber nur noch ein Plus von 45 Prozent, 135,5 Stunden Sonnenschein waren es in den vergangenen Jahrzehnten. Das ist noch weit weg vom Rekordjahr 2022 mit 250,1 Stunden Sonnenschein im März, aber es reicht immerhin für einen sechsten Platz seit Erhebung dieser Daten im Jahr 1951.
Jetzt wollen Sie aber auch die anderen Plätze wissen, richtig? Okay. Den zweiten Platz belegt der März des Jahres 2011 mit 211,8 Stunden, darauf folgen 2025 (208,7), 1953 (201,6) und 2014 mit 199,5 Stunden. Dass vorne meistens eine Zwei steht, ist kein Zufall. Man nennt es Klimawandel.
55. Monat in Folge, der zu warm war
Bleiben wir doch einfach beim Wetter oder dem Thema Sonnenschein, denn, ehrlich gesagt, der Nachrichtenrückblick, der in dieser Rubrik gern mit Wetterdaten verwoben wird, fällt eher unergiebig aus – es war halt Kommunalwahl, und da wird doch auch viel Vorhersehbares gesagt. Andererseits: Als regelmäßiger Autor dieser Rubrik kommt einem manches vorhersehbar vor. Deswegen wagen wir uns hier an eine Vorhersage und greifen dabei dem Themenkomplex Temperaturen vor: Der Monat April wird der 56. zu warme Monat in Folge sein. Sollte das nicht eintreten, denken wir uns beizeiten eine Strafe aus.
Zunächst einmal aber zurück zur Sonne. Am 18. März schien sie 11,3 Stunden, was für diesen Tag ein Tagesrekord ist. Der 31. März 2003 hält mit zwölf Stunden aber den Rekord insgesamt im März. Tage mit Sonne gab es 28 statt erwartbarer 25 mit Blick auf die Jahre 1961 bis 1990. Und es gab auch schon einen März, da schien an jedem Tag die Sonne. Es war der des Jahres 2002.
Wohlfühlwetter für Giraffen und Löwen
Bei so viel Sonne fühlen sich sicher auch Löwen wohl, mit dem Löwen im neu designten Wappen von Hessen hingegen fühlt sich nicht jeder wohl, muss nicht sein, rausgeschmissenes Geld, heißt es hier und da. Auch Giraffen mögen es sonnig, insofern wird sich die neue Giraffe im Frankfurter Zoo, genannt Niobe, hoffentlich wohlfühlen. Wäre Niobe die Göttin der Kilowattstunden pro Quadratmeter, würde dies elegant überleiten zur nächsten Rubrik Globalstrahlung, so aber müssen Sie diesen etwas holprigen Umweg erdulden.
Die Globalstrahlung bezeichnet die gesamte Sonneneinstrahlung, die an einem bestimmten Punkt auf die Erde trifft. Sie besteht aus der direkten Sonneneinstrahlung, die als Sonnenscheindauer schon immer im monatlichen Wetterrückblick berücksichtigt wurde, und aus der Diffusstrahlung, also der indirekten Strahlung, die etwa durch die Reflexion von Nebel, Wolken, Staubteilchen und Luftmolekülen entsteht. Im März waren es 100,6 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter, ein Plus von 22 Prozent zum Mittel der Jahre 1991 bis 2020 mit 82,6 kWh. Es ist der vierte Platz seit 1991, ganz vorne liegt das Jahr 2022 mit 112 kWh im März.
Es gibt mehr Sonne, aber weniger Niederschlag. Im März waren es 28,0 Millimeter statt der 51,1 erwartbaren der Jahre 1961 bis 1990. Im folgenden Referenzzeitraum bis 2020 sind es nur noch 38,7 Millimeter. Trotzdem liegt im eher jüngeren Zeitraum der höchste Märzwert, im Jahr 2001 waren es 115,1 Millimeter. Der meiste Regen fiel am 11. März, es waren 8,4 Millimeter. Dass es immer trockener wird, kann mit Blick auf die Vegetation nicht gut sein. Aber bei der Bundesgartenschau 2045, für die Frankfurt sich beworben hat, kann man ja vielleicht auch Sukkulenten und Kakteen zeigen.
Wenn wir das richtig in Erinnerung haben, ist Kokain ein Produkt, das aus eher wärmeren Ländern kommt, da es aus einer Pflanze gewonnen wird, die dort gedeiht. Vielleicht ist es angesichts der klimatischen Entwicklung ja zweckmäßig, die Produktion nach Frankfurt zu verlegen, das, Abwasseruntersuchungen zeigen es, Deutschlands Kokainhauptstadt ist. Warm genug ist es sicher bald. 8,2 Grad waren es statt 5,2 oder auch statt 6,8 mit Blick auf den jüngeren Vergleichszeitraum. Das ist nicht weit weg vom Märzrekord des Jahres 2017 mit 9,3 Grad. Auffällig war, dass das Minimum mit minus 3,7 Grad am 27. März am tendenziell eher wärmeren Monatsende war.
Viele Zahlen, die einen beunruhigen können. Aber die Süwag hält Preise für Strom und Gas stabil. Dann ist ja alles gut.
