
Erstmals seit drei Jahren landet wieder mehr Fleisch auf den Tellern deutscher Verbraucher. 54,9 Kilogramm Fleisch aß ein Bundesbürger im Durchschnitt im vergangenen Jahr, wie aus Zahlen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hervorgeht. Das waren 1,4 Kilogramm mehr als im Jahr zuvor. Haupttreiber ist ein Allzeithoch des Konsums von Geflügelfleisch, also von Hähnchen und Pute. Mit knapp 15 Kilogramm je Person lag der Wert fast ein Kilogramm über dem Vorjahr. Der Konsum von Schweinefleisch stieg je Person und Jahr minimal um rund 100 Gramm, von Rindfleisch um 200 Gramm.
Von einer echten Trendumkehr kann kaum die Rede sein. Vom Verzehrniveau früherer Jahre, etwa 2011 mit durchschnittlich 63,8 Kilogramm, ist der jetzige Wert weit entfernt. Seit Jahren stagniert der Fleischkonsum, mit leichten Ausschlägen nach oben und unten. Im EU-Vergleich liegt Deutschland im Fleischkonsum traditionell im oberen Mittelfeld.
Der Mehrkonsum von Geflügel sticht in der Statistik besonders hervor. Dafür gibt es mehrere Gründe, auf die Josef Goos von der BLE verweist. „Neben der zunehmenden Beliebtheit von Geflügelfleisch dürfte der geringere Verbraucherpreisanstieg im Vergleich mit den anderen Fleischsorten 2025 zum höheren Absatz beigetragen haben“, sagt er. Besonders beim Fleisch zeigt sich häufig ein enger Zusammenhang von Preis und Nachfrage. Geflügel passt für viele Verbraucher offensichtlich auch zu schnellen Alltagsgerichten und wird als leichtes und gesundes Fleisch empfunden. Auch Trends zu proteinbetonter Ernährung und mehr Verzehr außer Haus könnten den Zuwachs begünstigen.
Schweinefleisch bleibt vorne
Trotz der Mehrnachfrage nach Geflügel verzehren die Deutschen nach wie vor am liebsten Schweinefleisch. Mit durchschnittlich 28,3 Kilogramm je Person machte diese Fleischsorte knapp 52 Prozent des gesamten Fleischverzehrs je Kopf aus. Rindfleisch macht mit 9,7 Kilogramm den kleinsten Teil aus.
Während der Fleischkonsum leicht zunahm, ging die Produktion zuletzt minimal zurück. 7,3 Millionen Tonnen Fleisch wurden 2025 in Deutschland produziert, 0,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Ausschlaggebend dafür waren vor allem der Rückgang von Rinderschlachtungen und die Vogelgrippe, die die Geflügelfleischproduktion beeinträchtigte. Schweinefleisch verzeichnete einen Produktionszuwachs von 1,1 Prozent. Die Schweinehalter hatten ihre Bestände im Unterschied zu früheren Jahren nicht weiter verringert. Außerdem habe das Schlachtgewicht der Tiere sich erhöht, heißt es von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.
Der Selbstversorgungsgrad für Schweinefleisch liegt derzeit bei 139 Prozent. Deutschland produziert also rechnerisch 39 Prozent mehr Schweinefleisch, als im Inland verbraucht wird. Beliebte Teilstücke wie Filet oder Schinken deckt die heimische Produktion nach Branchenschätzungen jedoch nur zu rund 80 Prozent ab, der Rest stammt aus dem Ausland.
Kritikern dürften die neuen Zahlen zum Fleischkonsum nicht schmecken. Sie plädieren seit Jahren für weniger Fleisch und mehr pflanzliche Kost. Die Bundesregierung zielt mit ihrer Ernährungsstrategie darauf ab, den Fleischkonsum zu senken und Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte in der Ernährung stärker zu fördern. Auch in anderen Ländern wächst der politische Druck, den Fleischkonsum zu senken. In Frankreich essen Verbraucher im Durchschnitt 79 Kilogramm Fleisch im Jahr, gegenüber 54 Kilogramm hierzulande. Die Regierung von Präsident Emmanuel Macron hatte die Bürger im Februar aufgerufen, weniger Fleisch zu verzehren.
