
Bisher gab es ihn noch, diesen einen Tag, an dem gar die Autoindustrie zu witzeln wagte: den 1. April, nun schon ein paar Tage her. Doch in diesem Jahr war man kaum zum Scherzen aufgelegt. Und wir hatten nichts zu lachen. Hilft nur ein Blick auf Vergangenes. Volkswagen bewarb schon mal ein All-ink-Paket mit Gratis-Tattoo zum Neuwagen, Leapmotor präsentierte die Leap Mat, auf der man hüpfend Strom fürs Elektroauto erzeugen kann, Honda versprach mit Katzenminze versetzte Autositze für entspanntere Vierbeiner. Und Mercedes-Benz erweiterte seinen Sprachassistenten um den tierverstehenden Bark-Assist. Mit Wau-Effekt, an den Hundehaaren herbeigezogen wie alles andere. Kam aber gut an.
Es soll aber auch Scherze geben, die gar keine sind. Vor Jahren zwitscherte Elon Musk, eine eigene Spirituosenmarke namens Teslaquila herausbringen zu wollen, was wirklich wahr wurde. Heute ist man schlauer, Alkohol war und ist keine Lösung. Auch nicht für Tesla, ohnehin handelt es sich um ein Destillat. Aus einer Trinklaune heraus muss die Ankündigung von BMW M Motorsport am 1. April letzten Jahres entstanden sein, einen Kombi als Rennstreckenfahrzeug bringen zu wollen. Dass dies reflexhaft als Scherz abgetan wurde, damit hatten die Witzbolde in München gerechnet. Aber nicht mit überbordendem Zuspruch. Ferner ahnte kaum jemand, dass die Bayern es insgeheim ernst meinten. Immerhin, heißt es, sei man schon seit 2022 mit der Idee eines Rennstreckenkombis ganz oben hausieren gegangen. Zu viel Teslaquila gesüffelt?
Oder Inspiration gefunden in den Volvo 850 Kombis, die 1994 in der Britischen Tourenwagen-Meisterschaft starteten. So oder so brauchten die Ideengeber einen Anstupser, der kam ausgerechnet in Gestalt eines Aprilscherzes in den sozialen Medien. Mehr als eine Million Klicks später hörte auch die Chefetage auf zu lachen, und aus Spaß wurde Ernst. Ernst ist acht Monate alt. So lange dauerte es, bis auf Basis des M4 GT3 Evo der 590 PS starke M3 Touring 24h entstand, 20 Zentimeter länger als das Coupé und mit einem nicht minder monströsen Heckflügelwerk bestückt. Eigentlich schon museumsreif, nur eben noch nicht jetzt. Nach ersten Einsätzen in der Grünen Hölle, Hölle, Hölle soll er im Mai ebendort am 24-Stunden-Rennen teilnehmen. Wir nehmen darob zwei Dinge mit in die neue Woche. Erstens: Der Kombi lebt, entgegen aller SUV-Trends. Zweitens: Nicht alles so ernst nehmen, manche Scherze aber vielleicht schon.
