Von Julia Klöckner
Auch wenn das Wetter für Ostern keine Sonnengarantie gibt, meine Kindheitserinnerungen an dieses Fest sind voll Sonnenschein, Frühling, Ostereiersuche im grünen Gras. Dieses Aufatmen nach den stillen Tagen, nach der Karfreitagsliturgie, ohne Geläut, nach dieser gedrückten Stimmung. Endlich der Aufbruch. Es sind Kindheitserinnerungen. Und doch: Vieles ist mir bis heute geblieben, als Erwachsene.
Bewusst verzichte ich in der Fastenzeit auf Alkohol und meine geliebten Gummibärchen. An Karfreitag oder Karsamstag backe ich – komme was wolle – ein Osterlamm für die Familie, den Hefezopf gleich mit. Im Hintergrund: Telemanns Matthäuspassion. Ich mag es, in diesen Stunden für mich zu sein. Nicht jeder um mich herum erträgt die “volle Dröhnung”, diesen festen Rhythmus von der Abendmahlsfeier an Gründonnerstag über die Karfreitagsliturgie bis zum Osterfeuer in der Osternacht und dem Anstoßen auf eine neue Zeit. Mir tun diese Rituale gut. Sie bereiten mich darauf vor, die Auferstehung nicht nur als Fest am gut gedeckten Tisch zu erleben.
