Das Genre der Moderatgeber könnte ohne zwei bestimmte Fragen wohl nicht existieren. Die erste, die in unendlich vielen Büchern abgehandelt wird: Wie räume ich meinen Kleiderschrank auf? Die zweite: Wie sehe ich aus wie eine Pariserin?
2004 wurde jenes Detail dieses begehrenswerten Looks beschrieben, das am brennendsten interessierte: „Warum französische Frauen nicht dick werden“. Autorin Mireille Guiliano war damit auf ein Thema gestoßen, das Inès de la Fressange und Sophie Gachet 2011 dann auf die Pariserin verengten. Auch ihr „Pariser Chic“ wurde ein Bestseller. Die Welt las mit, als de la Fressange beschrieb, wie sie sich auf Einladungen zu Abendessen vorbereitet, bei denen sie selbst die Gastgeberin ist. Ungefähr so nämlich: von der Arbeit nach Hause kommen, Hühnchen in den Ofen schieben, in aller Ruhe ein Vollbad nehmen, fabelhaft aussehen, Gäste empfangen.
Alles im Leben der Pariserin sollte demnach mühelos und ungezwungen sein, der Look in der Stadt, der Look fürs Wochenendhäuschen auf dem Land, und in beiden Fällen waren flache Schuhe und blaue Querstreifen unverzichtbar. Die Formel benutzten auch die vielen Nachahmerinnen, die Bücher mit Titeln wie „How to be Parisian wherever you are“ und „The Little Book of Paris Style“ herausbrachten. Von Inès de la Fressange und Sophie Gachet folgten weitere Werke: „Pariser Chic – Der Style Guide für ihn“ und im letzten Jahr, zumindest in der Originalsprache, „La Parisienne en Provence“. Auch für Französinnen scheint das Geheimnis der Pariserin eine unendliche Faszination zu besitzen.

Eigentlich bedingt das eine das andere, ohne französische Wurzeln hat man keine Chance, Pariserin – im Sinne einer Stilikone – zu werden. Als eine der wenigen geschafft hat das: Jane Birkin, 1946 in eine wohlhabende britische Familie in London hineingeboren.
Der Bildband „Jane Birkin“ der als Pariserinnen-Expertin ausgewiesenen Sophie Gachet, soeben auf Deutsch bei Callwey erschienen, kommt ausnahmsweise ohne Stadtmarketing-Bezug aus. Dabei ist Birkin maßgeblich dafür verantwortlich, dass der Pariser Stil zu dem wurde, was er heute ist. In den Siebzigerjahren trieb sie ihn voran, mit ihren Schlagjeans und weißen T-Shirts, ihrem Familienschmuck und dem geflochtenen Weidenkorb, den sie konsequent immerzu trug, auch in Cannes bei den Filmfestspielen auf dem roten Teppich. Um all das geht es in „Jane Birkin“.
Den besten Satz über ihr Stilgeheimnis liefert Birkin mit einem Zitat dabei selbst: „Ich bin nicht so herausgeputzt wie eine Französin, aber das ist mir egal wie einer Engländerin.“
