Schwierig, aber nicht hoffnungslos. So bewerteten die Verantwortlichen der Basketball Löwen Braunschweig ihre Lage in der Basketball-Bundesliga vor dem vergangenen Wochenende.
Aufgrund der eigenen Niederlage gegen Berlin und der Siege aller Konkurrenten im Kampf um den Klassenverbleib ist aber selbst diese Einschätzung nicht mehr aufrechtzuerhalten. Nach einer großartigen Saison 2024/25, welche die Niedersachsen sensationell als Hauptrundendritter beendeten, steht der Klub von NBA-Star Dennis Schröder aktuell vor einem Scherbenhaufen.
Die Braunschweiger sind Tabellenletzter und bei neun noch ausstehenden Spielen meilenweit vom rettenden Ufer entfernt. Entsprechend sind die Löwen nach Meinung der meisten Experten bereits quasi abgestiegen, auch wenn die Vereinsführung die üblichen Durchhalteparolen mit Begriffen wie Zusammenhalt und Kampfeswillen propagiert.
Gegen Berlin brechen nicht zum ersten Mal alle Dämme
Aber letztendlich fehlt die sportliche Substanz zur Umsetzung, weil die Mannschaft weder offensiv noch defensiv über einen Anker verfügt und in beiden Bereichen die zweitschlechteste der Liga ist. Dazu fehlt die Stabilität, eine Partie über 40 Minuten ohne Schwächephasen zu bestreiten. So brachen gegen Berlin im Schlussviertel mit 33 Gegenpunkten nicht zum ersten Mal alle Dämme.
Bereits vor dem Saisonstart war klar, dass der überraschende Erfolg der vergangenen Spielzeit, die die Beste seit mehr als 20 Jahre war, nicht wiederholbar sein würde. Mit Sananda Fru wechselte der wichtigste deutsche Spieler ans College in die USA. Das Guard-Duo Arnas Velicka und TJ Crockett verließ den Verein ebenfalls.
Zu allem Überfluss bat auch noch Head Coach Jesus Ramirez um die Auflösung seines noch zwei Jahre laufenden Vertrages. Der Spanier, der vier Jahre für die Löwen an der Seitenlinie gestanden hatte und für seine Arbeit als „Trainer des Jahres“ ausgezeichnet worden war, wollte ein Angebot aus Saragossa annehmen. Letztendlich entsprach der Verein seinem Wunsch und beförderte den bisherigen Assistenten Kostas Papazoglou zum Cheftrainer.
Entsprechend wurden die Erwartungen heruntergefahren, aber der Absturz ins Bodenlose war nicht vorhersehbar. Die Saison war von Anfang an von Verletzungssorgen geprägt. Dennoch verlief der Start ordentlich, bevor im November die Talfahrt begann. Sie setzte die branchenüblichen Mechanismen in Gang, Trainerwechsel und Nachverpflichtungen.
Ppositive Entwicklungen abseits des Parketts
Nach der Heimniederlage gegen den direkten Konkurrenten Heidelberg wurde Papazoglou Anfang Februar beurlaubt. Liviu Calin, der Entdecker und Förderer von Dennis Schröder, übernahm für ein Spiel, bevor mit Ramon Diaz der neue Übungsleiter vorgestellt wurde. Beim Debüt des Spaniers siegten die Braunschweiger in Frankfurt. Es war der bislang einzige Auswärtserfolg.
Aber mittlerweile scheint der Effekt nach fünf Niederlagen in Serie verpufft. Mit Simi Shittu, Kaza Kajami-Keane und Bryant Crawford wurden drei Akteure nachverpflichtet, wobei viele Fans Geschäftsführer Nils Mittmann vorwerfen, zu lange gewartet zu haben. Im Falle von Crawford traf zudem die Freigabe verspätet ein, sodass der Amerikaner erst am Sonntag sein erstes Spiel bestreiten konnte, in dem er nur vier Punkte bei einer schwachen Quote erzielen konnte.
Center Shittu war bei bislang sieben Einsätzen der beste Punktesammler und Rebounder. Auch Kajami-Keane konnte trotz eines schwächeren Auftritts gegen Berlin bislang überzeugen. Er erzielt die zweitmeisten Punkte und zeichnet sich zudem als guter Vorbereiter aus. Die Neuen haben sich als Verstärkungen entpuppt, aber nicht den benötigten Richtungswechsel bewirkt.
Der Klub stellte zum 1. März einen neuen Mitarbeiter für den Bereich Partnership und Sponsoring vor, was unterstreicht, dass er in vielen Bereichen strukturell wächst. Aber trotz vieler positiver Entwicklungen abseits des Parketts muss man sich jetzt mit dem Thema Abstieg beschäftigen. Die Verantwortlichen verschließen nicht die Augen vor der Realität. Ein Jahr in der zweiten Liga wird als Intermezzo gesehen, um dann die ambitionierten Ziele wieder aufzunehmen.
So sagte Schröder im Interview mit der Braunschweiger Zeitung am 19. März, dass die wichtigsten Sponsoren dem Klub treu bleiben würden, weil sie „die Vision sehen“. Damit spricht der Welt- und Europameister die Ausrichtung des Projektes an. Einerseits geht es darum, talentierten Nachwuchsspielern eine Chance zu eröffnen. Andererseits denkt der NBA-Profi in größeren Dimensionen und möchte die Löwen mittelfristig in der nationalen Spitze etablieren. Daran soll auch der wahrscheinliche Betriebsunfall Abstieg nichts ändern.
