
Was den Vereinigten Staaten und Israel für einen Sieg im Irankrieg fehlt, ist laut dem ugandischen Armeechef die militärische Fähigkeit des ostafrikanischen Landes. Es sei kein Problem, Teheran innerhalb von zwei Wochen zu erobern, schrieb Muhoozi Kainerugaba, der Sohn des Präsidenten, auf der Plattform X. In einem anderen Beitrag reduzierte er die Dauer auf drei Tage. Beide Beiträge sind mittlerweile auf der Plattform gelöscht. Was jedoch weiterhin für den Militärchef feststeht: „Jede Rede davon, Israel zu vernichten oder zu besiegen, wird uns in den Krieg führen. Auf der Seite Israels!“
Ugandas Solidarität mit Israel bekräftigt der Militärchef immer wieder. Kainerugaba veröffentlichte vergangene Woche auch ein Bild einer goldenen Statue des Oberstleutnants Yonatan „Yoni“ Netanjahu, dem Bruder von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Er wurde bei einem Einsatz zur Geiselbefreiung in Uganda in den Siebzigerjahren getötet, die Statue am Flughafen soll nun daran erinnern.
Der Präsidentensohn ist bekannt dafür, in den sozialen Medien verbal über die Stränge zu schlagen – etwa wenn er eine Invasion in Ugandas Nachbarland Kenia ankündigt. Trotzdem handeln ihn einige als wahrscheinlichen Nachfolger des 81 Jahre alten, seit vierzig Jahren regierenden Präsidenten Yoweri Museveni. Dementsprechend ernst werden seine Worte genommen.
Kampala ist von den USA abhängig
Kampala ist nicht nur um eine gute Beziehung zu Israel, sondern auch zu Washington bemüht. Erst im vergangenen Jahr willigte das Land ein, in den USA abgelehnte Asylbewerber aus Drittstaaten aufzunehmen. Im Gesundheitsbereich ist Uganda zudem wie viele andere auf dem Kontinent von den USA abhängig. Nachdem US-Präsident Donald Trump die Entwicklungsbehörde USAID zerschlagen hatte, haben über zwanzig afrikanische Länder bilaterale Abkommen mit Washington geschlossen. Uganda ist eines von ihnen. Kampala soll demzufolge 1,7 Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro) an Gesundheitsinvestitionen über die nächsten fünf Jahre bekommen.
Teheran reagierte gelassen auf die Aussicht, dass sich der aktuelle Krieg gegen Israel und die USA vom Mittleren und Nahen Osten womöglich auch auf den afrikanischen Kontinent ausbreitet. „Meine Damen und Herren, das jüngste Phänomen auf ‚Africa’s Got Talent‘, um Sie zu unterhalten“, antwortete die iranische Botschaft in Südafrika auf Kainerugabas Beitrag in Anlehnung an die amerikanische Unterhaltungsshow.
Tatsächlich dürfte die Reaktion anderer afrikanischer Staaten auf den Irankrieg dem Regime in Teheran mehr Sorge bereiten. Oder viel eher die ausbleibende Reaktion. Während Iran seit Jahren eine Allianz im Globalen Süden aufzubauen versucht, halten sich nun die Länder auf dem Kontinent mit Solidaritätsbekundungen weitgehend zurück. Dabei hatte Teheran die militärische, sicherheitspolitische und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit einigen von ihnen jüngst verstärkt.
Burkina Fasos Militärführer schweigen
Irans Außenminister Abbas Araghtschi hatte erst beim sogenannten „Afrika- Tag“ im vergangenen Jahr für eine neue Weltordnung geworben. „Wie Sie wissen, steht die Islamische Republik Iran Afrika als langjähriger Freund zur Seite“, so Araghtschi. Nun müsse man gemeinsame Schritte unternehmen, um diese Beziehung zu bewahren. Die „Koalition des Globalen Südens“ teile ein gemeinsames Schicksal. „Die Begegnung mit Ihnen, meinen afrikanischen Freunden, erinnert uns an die Bemühungen der afrikanischen Nationen, die Ketten der Unterdrückung zu sprengen“, sagte der Außenminister.
Nicht nur bei den Sahelstaaten, die sich mehrheitlich nach Militärcoups von westlichen Ländern abwandten, rannte Teheran damit offene Türen ein. Auch Länder am Horn von Afrika wie Eritrea bauten jüngst die Beziehungen zu Iran aus. Außerdem unterstützt das Regime die sudanesische Armee in dessen Bürgerkrieg. Auch Südafrika verstärkte die Zusammenarbeit mit dem BRICS-Partner, genauso wie das Mitglied der Gruppe Äthiopien. Doch seit dem Angriff von USA und Israel auf Iran ist wenig von der von Araghtschi angepriesenen „Brüderlichkeit“ zu hören.
Selbst Pretoria, dessen Regierung wiederholt mit Trump aneinandergeraten ist und wegen des Gazakriegs Israel vor dem Internationalen Gerichtshof angeklagt hat, äußerte sich zu dem jüngsten Krieg nur zurückhaltend. Und auch die Militärführer Burkina Fasos, die regelmäßig „Neokolonialismus“ aus dem Westen anprangern, haben zumindest offiziell bislang nicht auf die Angriffe reagiert. Fünf Tage vor Beginn des Irankriegs war Burkina Fasos Verteidigungsminister Célestin Simporé in Teheran bei Irans Präsident Masoud Peseschkian, um die Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich zu vertiefen. Drei Tage vor den ersten Angriffen hat Ouagadougou ein Gesundheitsabkommen mit Washington unterzeichnet.
Enge Beziehung zu den Golfstaaten
Zudem haben die Beziehungen zu den Golfstaaten auf dem Kontinent ohnehin mehr Gewicht als die Zusammenarbeit mit Teheran, die in Bezug auf Investitionen in Infrastruktur und Handel längst nicht auf dem gleichen Niveau ist. Im vergangenen Jahr hat der Gulf Cooperation Council, also die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Qatar, Kuwait, Bahrain und Oman, zusammengenommen 100 Milliarden Dollar (87 Milliarden Euro) in Afrika investiert. Seitdem wurden weitere Projekte im zweistelligen Milliardenbereich angekündigt. In den vergangenen Wochen kritisierten zahlreiche afrikanische Regierungen und auch die Afrikanische Union Irans Angriffe auf US-Stützpunkte und andere Ziele im Nahen Osten.
Dazu kommt Irans Blockade der für den Welthandel so wichtigen Straße von Hormus. Die steigenden Ölpreise führen zwar in afrikanischen Ländern mit reichen Ölvorkommen wie Nigeria oder Angola zu mehr Einnahmen, der mangelnde Ausbau von Raffinerien sorgt aber auch dort für stark gestiegene Import- und Energiekosten. Diese treiben die Benzin- und Lebensmittelpreise auf dem ganzen Kontinent in die Höhe, genauso wie ausbleibende Lieferungen von Düngemitteln, von denen vor dem Krieg 30 Prozent über die Straße von Hormus aus der Golfregion exportiert wurden. Die deutlich verlängerten Handelsrouten über Südafrikas Kap der Guten Hoffnung, um die Kriegsregion zu umfahren, verstärken die negativen Folgen für die Wirtschaft.
Einige Analysten vergleichen die Auswirkungen des Irankriegs auf den afrikanischen Kontinent mit der Lage nach dem Ausbruch des Ukrainekriegs sowie während der Corona-Pandemie – von der sich einige Länder erst jetzt langsam erholen.
Der afrikanische Kontinent könnte dem Irankrieg zudem künftig schlagartig näher kommen: 30 Kilometer trennen Djibouti am Horn von Afrika und Jemen. Dazwischen liegt die ebenfalls für den Handel wichtige Meerenge Bab al-Mandab, dem „Tor der Tränen“, in der Schiffe von den jemenitischen Huthi bereits in den vergangenen Jahren bedroht wurden. In Djibouti-Stadt sind außerdem 4000 US-Soldaten stationiert, dort liegt einer der wichtigsten Militärstützpunkte.
Erst vergangene Woche hat die Huthi-Miliz Israel mit Raketen angegriffen. Sie warnte in einer Mitteilung vor der anhaltenden „Eskalation gegen die Islamische Republik“. Ihr Finger bleibe am Abzug.
