
Die Jüdische Gemeinde Frankfurt hat mit „tiefem Unverständnis“ auf die Entscheidung eines Kinos reagiert, eine Kooperation für die Jüdischen Filmtage aufzukündigen. Laut einer Pressemitteilung der Jüdischen Gemeinde, mit der sie die Absage des Kinobetreibers öffentlich gemacht hat, hat die Astor Lounge an der Zeil sich „unter Verweis auf eine angeblich zu ‚heiße‘ Lage“ zurückgezogen.
„Als Begründung wird angeführt, man könne die Fortführung der Zusammenarbeit, die auch in diesem Jahr anlässlich der Jüdischen Filmtage erneut angestrebt wurde, den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufgrund der Sicherheitssituation nicht mehr zumuten“, schreibt die Jüdische Gemeinde. Der nötige Polizeischutz soll demnach schon im vergangenen Jahr im Team der Astor Lounge zu einem Gefühl großer Unsicherheit geführt haben.
„Dass jüdisches Leben nur unter Polizeischutz stattfinden kann, ist bereits beschämend. Dass diese Notwendigkeit des Polizeischutzes nunmehr zum Anlass genommen wird, jüdische Veranstaltungen ganz zu verhindern, ist ein Skandal“, schreibt die Jüdische Gemeinde. Besonders irritiert zeigt sich die Gemeinde, über die Aussage des Kinobetreibers, „es müsse in einem Land wie Deutschland noch erlaubt sein, sich als Kino neutral zu verhalten.“
Kulturelle Einrichtungen tragen nach Ansicht der Jüdischen Gemeinde Verantwortung. Sie seien keine neutralen Räume, wenn es um Grundrechte und demokratische Werte geht. „Wer sich in solchen Momenten zurückzieht, positioniert sich klar für die falsche Seite. Die Jüdische Gemeinde Frankfurt wird dies nicht einfach hinnehmen. Wir sind fest entschlossen, jüdisches Leben noch stärker und noch selbstbewusster auf allen Ebenen in die Stadt zu tragen und für ein friedliches und respektvolles Miteinander einzu- treten“, heißt es in der Erklärung. Gerade jetzt, in Zeiten wachsenden Antisemitismus sei Haltung gefragt, gerade jetzt brauche es Stärke, Rückgrat und Solidarität.
„Diese Argumentation ist nicht nur enttäuschend, sondern sendet ein verheerendes gesellschaftliches Signal: Wenn jüdisches Leben und jüdische Präsenz aus Angst vor möglichen Reaktionen zurückgedrängt werden, dann bedeutet das faktisch eine Kapitulation vor antisemitischem Druck“, teilt der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Frankfurt mit.
