
Die Ziele sind hochgesteckt: Gut 600 Millionen Zuschauer erhofft sich die Europäische Rundfunkunion (EBU) von ihrem ersten Eurovision Song Contest Asia, der in diesem Jahr am 14. November in Bangkok stattfinden soll. Das wären fast viermal so viele Zuschauer, wie die europäische Version des ESC alljährlich mit ihrem Finale erreicht. Im Schnitt sind es beim althergebrachten ESC rund 160 Millionen Zuschauer, 200 Millionen waren es nur einmal: 2016 beim Grand Prix in Stockholm.
Beim American Song Contest nur magere Einschaltquoten
Die EBU träumt schon lange davon, ihr Erfolgsformat auch auf anderen Kontinenten umzusetzen. Lange ging es ihr vor allem um einen American Song Contest (ASC), auf dem größten Musikmarkt der Welt. 2022 war es so weit, doch obwohl alle 50 amerikanischen Bundesstaaten, die fünf Außengebiete der Vereinigten Staaten und der Hauptstadtbezirk (District of Columbia) Künstler entsandten und unter diesen auch bekannte Namen wie Macy Gray und Michael Bolton waren, blieb die Einschaltquote für NBC mit im Schnitt gerade einmal knapp drei Millionen Zuschauern hinter den Erwartungen zurück. Es blieb bisher bei diesem einen ASC, sehr zum Verdruss auch der beiden Moderatoren der Veranstaltung, Kelly Clarkson und Snoop Dogg.
Nun also ein ESC in Asien. Laut EBU haben schon zehn Länder ihre Teilnahme fest zugesagt: Bangladesch, Bhutan, Kambodscha, Laos, Malaysia, Nepal, die Philippinen, Südkorea, Thailand und Vietnam. Mit weiteren Nationen stehe man in Kontakt. Jedes Land soll in den Monaten bis zum November ihren Teilnehmer in einer nationalen Vorentscheidung auswählen, wie die EBU mitteilt.
Bangkok erhofft sich eine starke internationale Sichtbarkeit
Der erste Wettbewerb findet in Thailand statt, Gastgeberstadt ist Bangkok. Für die Übertragung verantwortlich ist der thailändische Sender Channel 3. Die Metropole erhofft sich von der Ausrichtung des Eurovision Song Contest Asia eine starke internationale Sichtbarkeit für die Stadt, mit der der Tourismus gefördert und Arbeitsplätze geschaffen werden sollen, wie es heißt.
Der Schritt der EBU nach Asien in diesem Jahr kommt nicht von ungefähr. Die Rundfunkunion hat Grund zu feiern, denn der erste ESC in Europa fand 1956 statt. „Anlässlich des 70. Jubiläums des Eurovision Song Contest ist es uns eine besondere Ehre, dieses nächste Kapitel mit Asien zu beginnen“, sagt denn auch ESC-Direktor Martin Green. Es gehe darum, den Song Contest gemeinsam mit Asien weiterzuentwickeln und etwas zu schaffen, „das die Stimmen, Identitäten und Ambitionen der Region widerspiegelt und gleichzeitig dem treu bleibt, was den Wettbewerb seit jeher so besonders gemacht hat“.
Verantwortlich für die Produktion des ESC in Asien ist die Firma Voxovation unter der Leitung des Schweden Christer Björkman. Die Lizenz für das Format liegt auch bei Voxovation. Das Unternehmen und Björkman hatten schon den ASC im Jahr 2022 produziert. Björkman, Jahrgang 1957, nahm selbst für Schweden 1992 am 37. ESC in Malmö teil und landete damals auf dem vorletzten Platz. Danach verantwortete er mehr als zwei Jahrzehnte den schwedischen Vorentscheid Melodifestivalen, war Delegationsleiter seines Landes und zuletzt auch mehrfach Produzent des Song Contest.
